Qualcomm, das Unternehmen hinter den bekannten Snapdragon-Chips in unzähligen Smartphones von Samsung, Xiaomi und Co., hat uns nach Taipei eingeladen. Dort stellt man auf der Computex eine komplett neue Chip-Serie vor, die sich explizit an günstige Notebooks für rund 300 Euro richtet.
Prozessor-Revolution
Die Prozessoren von Smartphones und Computern unterscheiden sich grundsätzlich. Während in PCs traditionell sogenannte x86‑Chips mit viel Leistung, aber auch einem hohen Energieverbrauch und hoher Wärmeentwicklung zum Einsatz kommen, setzen Smartphones auf sogenannte ARM-Chips. Diese brauchen deutlich weniger Energie und setzen somit auch weniger Wärme frei.
Seit einigen Jahren sind diese ARM-Chips jedoch so leistungsstark, dass sie sich auch mühelos in Notebooks nutzen lassen. Apple ist bei seinen MacBooks 2020 komplett auf ARM-Chips aus eigener Entwicklung umgestiegen. Und Qualcomm war sogar noch etwas früher mit dabei und bietet seine Chips seit 2018 für diverse Windows-Notebooks an. Etwa für die Surface-Notebooks von Microsoft.
Bisher waren diese Chips jedoch fast ausschließlich Premium-Notebooks vorbehalten. Auf der CES vor einem halben Jahr kündigte Qualcomm jedoch auch einen Mittelklasse-Chip für Notebooks im Preisbereich von 500 bis 800 Euro an.
Snapdragon C vorgestellt
Jetzt wagt man sich mit einer komplett neuen Chip-Serie erstmals auch in den Budget-Bereich. Dabei bedient man sich einer ähnlichen Strategie wie Apple. Diese haben mit dem MacBook Neo ihr günstigstes Notebook aller Zeiten auf den Markt gebracht – mit einem Smartphone-Prozessor, dem Apple A18 Pro aus dem iPhone 16 Pro.
Bei Qualcomm nennt sich der neue Chip „Snapdragon C“ und erinnert von den technischen Daten her an den Snapdragon 8 Gen 3, etwa aus dem Galaxy S24 Ultra. Auch hier wird also ehemalige Smartphone-Technik für Notebooks angepasst. Im Unterschied zu den bisherigen Einsteiger-Chips von Intel und Co. soll der neue Snapdragon C auch im Budget-Bereich für eine sehr lange Akkulaufzeit sowie mehr Performance sorgen und sogar KI-Features ermöglichen. Auch ermöglicht er leise bis sogar komplett lüfterlose Notebook-Designs.
Das erste Notebook mit dem neuen Chip
Ein erstes dieser neuen Notebooks konnten wir uns heute bereits auf der Computex anschauen, und zwar bei Acer. Zusammen mit HP und Lenovo gehört man zu den ersten Herstellern, die den neuen Chip in ihren Budget-Notebooks verbauen.

Bei dem Acer Aspire Go15 handelt es sich um ein 15,6 Zoll großes Notebook Kunststoff-Gehäuse, Full-HD-Display, bis zu 8 Gigabyte RAM sowie 512 Gigabyte SSD. An Anschlüssen stehen zweimal USB-C (auch zum Laden), einmal USB-A, HDMI und ein Kopfhörerport zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Full-HD-Webcam sowie schnelles WLAN mit Wi-Fi 6E.

Beim ersten Ausprobieren reagierte das Notebook angenehm schnell auf unsere Eingaben. Jedoch konnten wir bisher nur kurz mit der Windows-Oberfläche herumspielen und keine Programme installieren oder Benchmarks installieren. Bei dem gezeigten Produkt handelt es sich zudem um einen Prototypen. Das finale Modell soll bereits in wenigen Monaten für rund 300 Dollar auf den Markt kommen.
Notebooks im Preisbereich um 300 Euro machen heutzutage nur wenig Spaß. Geringe Leistung und eine kurze Akkulaufzeit sorgen dafür, dass man in diesem Preisbereich aktuell mit einem Gebrauchtgerät besser beraten ist. Der neue Snapdragon-C-Chip könnte dies ändern und Premium-Funktionen wie eine lange Akkulaufzeit oder ein lüfterloses Design auch in dieser Preisklasse ermöglichen. Von der Leistung mit „bis zu“ 8 Gigabyte RAM darf man mit Sicherheit keine Wunder erwarten, aber sich dennoch auch hier über ein Upgrade in dieser Preisklasse freuen. Das muss jedoch unser Test bestätigen, sobald die ersten Notebooks mit Snapdragon C Chip verfügbar sind.
