Seit Wochen wird der Flugbetrieb der Lufthansa Cityline massiv durch ArbeitskĂ€mpfe belastet. Piloten und Kabinenpersonal legten immer wieder die Arbeit nieder, zuletzt mit erheblichen Auswirkungen auf den gesamten Konzernbetrieb. Allein an groĂen Drehkreuzen wie Frankfurt und MĂŒnchen fielen Hunderte FlĂŒge aus. Hier operierte Cityline nicht nur, um direkte Stadtverbindungen in ganz Europa fĂŒr Lufthansa abzuwickeln, sondern auch, um ZubringerflĂŒge fĂŒr Interkontinentalverbindungen zu den Drehkreuzen anzubieten.
Lufthansa Cityline fliegt aus dem Flugplan
Im Kontext der eskalierenden Streikwelle wirkt die Entscheidung zur Stilllegung der Cityline weniger wie ein isolierter Strategiewechsel, sondern vielmehr wie ein kalkulierter Schnitt in einer ohnehin angespannten Lage. Und Lufthansa macht in einer aktuellen Mitteilung auch keinen Hehl daraus, dass die Streiks bei der nun gefĂ€llten Entscheidung, das Angebot der Cityline aus dem Flugplan zu nehmen, ausdrĂŒcklich eine Rolle spielten: Die ArbeitskĂ€mpfe erhöhten den Druck und machten den Betrieb der Tochtergesellschaft zunehmend unattraktiv.
Auch wirtschaftliche Faktoren kommen hinzu. Steigende Kerosinpreise und höhere Betriebskosten setzen den Konzern gegenwĂ€rtig massiv unter Zugzwang. In Kombination mit den wiederkehrenden Streiks ergibt sich ein Szenario, in dem Lufthansa offenbar keinen nachhaltigen Weiterbetrieb fĂŒr die Cityline mehr sieht.
Regionaltochter muss schneller weichen als geplant
Bemerkenswert ist dabei das Timing: Schon lĂ€nger plant Lufthansa, die RegionalflĂŒge neu aufzustellen und mittelfristig durch andere Strukturen zu ersetzen. So fliegt Lufthansa bereits seit einigen Monaten zusĂ€tzlich mit der Lufthansa City Airlines zu vielen deutschen und europĂ€ischen Zielen. Hier kommt Personal zum Einsatz, das gĂŒnstiger ist als jenes bei Lufthansa Cityline. Dass die Cityline nun umgehend vom Markt verschwindet und nicht erst wie bisher geplant im Jahr 2028, deutet darauf hin, dass die aktuellen ArbeitskĂ€mpfe als willkommener Anlass genutzt werden, diesen Umbau zu beschleunigen.
FĂŒr die BeschĂ€ftigten ist die Entscheidung ein harter Einschnitt. WĂ€hrend die Gewerkschaften fĂŒr bessere Bedingungen im Cockpit und in der Kabine kĂ€mpfen, steht nun die Existenz der gesamten Einheit auf dem Spiel. Genau hier liegt die Brisanz: Der Konflikt eskaliert nicht nur tarifpolitisch, sondern fĂŒhrt letztlich zur vollstĂ€ndigen, unmittelbaren Abwicklung eines Unternehmensbereichs. Fast alle Piloten und Flugbegleiter seien widerruflich freigestellt worden. Ziel sei es aber weiter, âCrews der Lufthansa Cityline Optionen fĂŒr eine berufliche Perspektive in der Lufthansa-Gruppe ermöglichen zu könnenâ, heiĂt es von Lufthansa.
Andere Gesellschaften mĂŒssen einspringen, um LĂŒcken im Flugplan zu schlieĂen
Letztlich entsteht das Bild eines strategischen Moves unter Druck: Die Streiks bei CityLine sind nicht allein der Grund fĂŒr das Aus â aber sie liefern Lufthansa den entscheidenden Hebel, um den Flugbetrieb dort endgĂŒltig einzustellen. Teile der fĂŒr die kommenden Wochen von Lufthansa Cityline geplanten FlĂŒge â die Airline betreibt rund 30 Flugzeuge, die ĂŒber Wetlease-VertrĂ€ge fĂŒr Lufthansa fliegen â dĂŒrften ab Samstag von Lufthansa City Airlines und anderen Lufthansa-Gesellschaften wie Air Dolomiti oder der Kernmarke selbst ĂŒbernommen werden. Inwiefern es auch zu Annullierungen von einzelnen FlĂŒgen kommen wird, ist noch unklar.
Schon jetzt steht darĂŒber hinaus fest, dass Lufthansa sechs Ă€ltere Langstreckenflugzeuge â vier A340-600 und zwei Boeing 747-400 â zum Ende des aktuell laufenden Sommerflugplans ausflottet. Im Winterflugplan 2026/2027 reduziert sich das Kurz- und Mittelstreckenprogramm der Lufthansa-Kernmarke um weitere fĂŒnf Flugzeuge. Im Gegenzug erhĂ€lt die Ferienfluggesellschaft Discover Airlines neun weitere Airbus A350-900-Maschinen schneller als bisher geplant. Auch diese Fluggesellschaft operiert zu gĂŒnstigeren Konditionen als Lufthansa selbst.
