Besonders im Fokus steht dabei eine Stellschraube, die viele beim ersten Hören verwirrt: die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Dahinter steckt ein Prinzip, das bestimmt, bis zu welchem Gehalt überhaupt Krankenkassenbeiträge berechnet werden. Wer mehr verdient, zahlt auf den Teil darüber hinaus bislang nichts. Genau das soll sich nun ändern.
Was sich bei der Krankenkasse konkret ändern soll
Bundesgesundheitsministerin Warken plant, die Beitragsbemessungsgrenze ab 2027 monatlich um zusätzlich 300 Euro anzuheben. Das bedeutet, dass ein größerer Teil des Gehalts künftig beitragspflichtig wird. Wer also gut verdient, zahlt auf einen höheren Anteil seines Lohns Krankenkassenbeiträge als bisher. Da Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge je zur Hälfte tragen, werden beide Seiten belastet. Bundesweit wären rund 6,3 Millionen Beschäftigte von dieser Änderung betroffen.
Die Reformpläne sind nicht unumstritten. Warkens eigene Expertenkommission, die sogenannte „FinanzKommission Gesundheit“, hatte diesen Schritt ausdrücklich nicht empfohlen. Und auch die Zahlen zur tatsächlichen Gesamtbelastung gehen weit auseinander: Während das Bundesgesundheitsministerium mit einer bundesweiten Mehrbelastung von 2,4 Milliarden Euro rechnet, kommt das Institut der deutschen Wirtschaft auf fast das Doppelte, nämlich rund 4,5 Milliarden Euro.
Warum es Baden-Württemberg besonders hart trifft
Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung zeigt, dass rund 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Baden-Württemberg von der Erhöhung betroffen wären. In Hessen sind es etwa 20 Prozent, in Thüringen und Sachsen nur 7,4 Prozent. Der Grund liegt in der Wirtschaftsstruktur des Landes: Baden-Württemberg ist geprägt von Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Automobilbranche und Pharmazie, in denen überdurchschnittlich viele gut bezahlte Fachkräfte arbeiten. Genau diese Gutverdiener würden künftig mehr einzahlen müssen.
Jonas Pieper, Autor der Studie im Auftrag der PKV, beschreibt die Reform als eine Art Sonderabgabe auf qualifizierte Arbeit. „Je mehr hochqualifizierte Mitarbeiter ein Unternehmen beschäftigt, desto stärker würde es belastet.“ Das könne direkte Auswirkungen auf Standort- und Investitionsentscheidungen in der Region haben. Den traurigen Spitzenplatz belegt dabei Stuttgart: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssten dort zusammen jährlich rund 97,5 Millionen Euro mehr aufbringen, was für die Betroffenen im Schnitt einer Mehrbelastung von 867 Euro pro Jahr entspricht. Auch Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg liegen laut der Analyse deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
