Kopfhörer im Büro: Diesen einen Fehler machen fast alle

3 Minuten
Im Großraumbüro ist es selten still. Viele greifen deshalb zu Kopfhörern, in der Regel mit Active Noise Cancelling (ANC). Das wirkt wie eine einfache Lösung – kann aber neue Probleme schaffen, wenn du sie falsch nutzt. Denn einen Fehler machen fast alle.
Ein Mann mit Kopfhörer im Büro
ANC-Kopfhörer im Büro nicht immer eine gute IdeeBildquelle: KI-generiert: ChatGPT

Kopfhörer mit Active Noise Cancelling (ANC) sind längst Alltag im Büro. Sie blenden Gespräche, Tastaturklappern oder das Dauerrauschen offener Flächen aus – praktisch, wenn neben dir gerade die nächste Videokonferenz läuft. Genau da sieht der TÜV-Verband aber auch ein Risiko: Wenn du Kopfhörer als Dauerlösung nutzt, kann das Gesundheit, Kommunikation und sogar den Arbeitsschutz aushebeln.

ANC ist kein Gehörschutz und ersetzt keine gute Akustik

Wichtig ist die Einordnung: Noise-Cancelling-Kopfhörer sehen Over-Ear-Kapselgehörschützern ähnlich, sind aber keine persönliche Schutzausrüstung. Das mag zunächst auf der Hand liegen, der Hinweis hat aber einen wichtigen Grund. Denn der Unterschied entscheidet darüber, wer welche Pflichten hat. Arbeitgeber müssen laut TÜV-Verband die Anforderungen der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung und einschlägige Regeln zur Raumakustik einhalten. Das ist mit einem Kopfhörer nicht gegeben.

Werden wir kurz fachlich: Die Technische Regel ASR A3.7 nennt für Konferenzräume und Großraumbüros Richtwerte von 35 bis 45 Dezibel. Das ist in etwa „leiser als ein normales Gespräch“. Der Kernpunkt: Ein Büro soll so gestaltet sein, dass konzentriertes Arbeiten im Normalbetrieb auch ohne „Gehörschutz-Workaround“ möglich ist. Wenn ANC im Team zur Standardausrüstung wird, ist das oft eher ein Hinweis auf ein akustisches Problem – nicht auf eine clevere Produktivitätskultur.

Der typische Fehler: ANC an – und dann unbemerkt zu laut

Der größte Stolperstein ist laut TÜV-Verband nicht das Noise Cancelling selbst, sondern das Drumherum: Viele drehen die Lautstärke hoch, weil sich die Umgebung durch ANC „wegdrücken“ lässt. Damit kann die tatsächliche Schallbelastung am Ohr schnell zu hoch werden – gerade bei Dauernutzung. Diesen Fehler dürfte wohl jeder von sich kennen.

Dazu kommen Effekte, die nicht jede Person gleich stark spürt: Manche reagieren auf die Geräuschunterdrückung mit Schwindel, Druckgefühl oder leichter Übelkeit. ANC ist laut TÜV-Experte André Siegl nicht automatisch gesundheitsschädlich – entscheidend ist, wie du es einsetzt. Sinnvoll sind Funktionen wie eine Lautstärkebegrenzung (Automatic Volume Limiter), die viele Modelle bieten oder die du über Smartphone oder Endgerät aktivieren kannst.

Pausen helfen mehr als der perfekte Kopfhörer

Wenn du ANC im Büro nutzt, brauchst du Regeln, die nicht nur auf Technik setzen. Der TÜV-Verband empfiehlt vor allem Pausen: Jede Stunde fünf bis zehn Minuten auf die Kopfhörer verzichten. Das ist banal, aber wirksam – weil Ohr und Kopf zwischendurch wieder „normal“ hören und verarbeiten.

Auch sozial kann Dauer-ANC kippen: Wer ständig abgeschottet ist, verpasst Rückfragen, spontane Absprachen oder Warnsignale. Viele Kopfhörer haben dafür einen Transparenzmodus, der Umgebungsgeräusche abgeschwächt durchlässt. Das kann im Büro ein besserer Standard sein als „komplett dicht“, gerade wenn du erreichbar bleiben musst.

Übrigens: Für die Konzentration rät Siegl eher zu Instrumentalstücken als zu Gesang. Alternativ kannst du mit (weißem oder braunem) Rauschen arbeiten – viele Apps und Smartphone-Funktionen liefern das ohne großen Aufwand.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein