Kommentar: Künstliche Intelligenz von LG - ein gruseliger Blick in die Zukunft

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Montagmorgen in Las Vegas, LG lädt zur ersten Pressekonferenz des Tages. Die neu vorgestellten Produkte sehen gefällig aus und haben nützliche Funktionen. Schauen wir uns alles in den nächsten Tagen auf der Messe ausführlich an - so weit, so gut. Doch was LG den anwesenden Journalisten in den ersten 15 Minuten vor der Produkt-Präsentation erzählt hat, war für mich ein wirklicher Schock und der Blick in eine Zukunft, in der ich auf keinen Fall leben möchte. Ein Kommentar.
LG KI Präsentation
Bildquelle: LG

LG möchte sich in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) gerne als Vorreiter präsentieren. Vier aufeinander aufbauende KI-Level haben die Koreaner in den Mittelpunkt ihrer Präsentation gestellt. Level 1 kommt noch harmlos daher und ist schon jetzt Alltag. Eine Waschmaschine, die anhand ihrer Beladung die richtige Menge an Waschmittel dosiert oder ein Ofen mit Sprachsteuerung klingt nützlich. LG nennt diese Stufe der Entwicklung das “Effizienz-Level” und viele der Funktionen finde ich wirklich praktisch.

Vier Level und es wird immer schlimmer

Gruselig wird es aber ab Level 2 (Personalisierung) und zu einem Albtraum ab Level 3 (Schlussfolgerung) und Level 4 (Entdecken). Wie viel sollen meine Haushaltsgeräte über mich wissen, wo werden diese Daten gespeichert und was darf LG mit diesen Daten anfangen? Die nett gemeinten Beispiele in der Präsentation haben meine Skepsis noch verstärkt. Einen Sprachassistenten darum zu bitten, einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren, ist kein Problem. Dass dieser Assistent mich dann aber ausfragt, mit wem ich da hin gehe und ob es nicht am Jahrestag mit meiner Frau eine nette Idee sei, in das Lokal zu gehen, in dem wir unser erstes Date hatten, klingt furchtbar. George Orwell lässt grüßen, Privatsphäre adé.

Präsentation zu KI-Leveln von LG
LG unterteilt die KI-Fähigkeiten seines Systems in vier Level.

Einige der Funktionen sind auch schlicht übergriffig. Möchte ich, dass LG-Produkte meinen Schlaf überwachen und mir morgens eine Extra-Runda Yoga nahelegen, wenn ich eine kurze Nacht hatte? Soll der Kühlschrank sich merken, dass ich gerne Milch mit 3,5 Prozent Fett trinke und mir fettarme Milch vorschlagen, wenn die smarte Waage feststellt, dass das Weihnachtsessen zu reichlich war? Soll ich daran erinnert werden, mich mal wieder mit einem Freund zu treffen, den ich lange nicht mehr gesehen habe? All diese KI-Funktionen erfordern einen tiefen Einblick in mein Leben, den ich keinem noch so smarten Assistenten überlassen möchte.

Technische Machbarkeit vs. Souveränität

Technik darf das Leben gerne einfacher machen, ich möchte nicht zurück in die digitale Steinzeit. Aber: Nicht alles, was möglich ist, halte ich für sinnvoll. Je mehr KI-Szenarien sich Hersteller wie LG ausdenken, desto mehr müssen wir als Kunden entscheiden: Möchte ich das wirklich? Die Grenze ist nicht mehr die technische Machbarkeit, sondern die persönliche Freiheit und Souveränität über die eigenen Daten.

Selbst überzeugen? Hier kanst du die komplette CES-Pressekonferenz noch einmal nachverfolgen:

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