KI als Shopping-Helfer: Warum du ihr nicht blind vertrauen solltest

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Der Black Friday steht kurz bevor und schon jetzt sagen viele Schnäppchenjäger, dass sie dieses Jahr ChatGPT und Co. nutzen wollen, um die besten Angebote zu finden. Doch ich habe bei einem Selbsttest gemerkt: Das wäre keine gute Idee.
ChatGPT auf einem Laptop geöffnet
ChatGPT ist bei der Schnäppchensuche nicht so verlässlich, wie sich viele erhoffen.Bildquelle: Marie Gimborn/inside digital

Immer mehr Menschen nutzen KI schon beim Shopping. Besonders bei den anstehenden Rabattaktionen zum Black Friday können ChatGPT und Co. helfen, das beste Angebot zu finden. Doch wie verlässlich sind die Ergebnisse? Ich habe die KI-Modelle auf die Probe gestellt und sage dir, warum du ihnen weiterhin nicht blind vertrauen solltest.

KI-Boom bei Black Friday & Co.

Laut einem aktuellen YouGov-Report wollen über 30 Prozent der Deutschen beim diesjährigen Black Friday und Cyber Monday zuschlagen. Aber nicht etwa ohne Unterstützung: Jeder Zweite von ihnen plant, KI während der Rabattaktion zu nutzen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Anteil bereits mehr als verdoppelt (von 23 Prozent).

Doch warum wollen sie für die Schnäppchenjagd ChatGPT und Co. nutzen? Weil knapp 40 Prozent der Befragten es sich selbst nicht zutrauen, echte Angebote von vermeintlichen Preisnachlässen zu unterscheiden oder den besten Deal zu finden. 66 Prozent bauen darauf, dass KI das kann, und vertrauen ihr damit mehr als Kundenbewertungen oder Online-Communitys (63 Prozent). Am meisten wollen die Befragten ChatGPT nutzen (56 Prozent), weniger Google Gemini (41 Prozent) oder Claude (elf Prozent).

KI als Shopping-Assistent – warum das keine gute Idee ist

„Für Marken und Händler eröffnet das neue Chancen, Konsumenten während ihrer Kaufentscheidung gezielt zu erreichen“, sagt Christian Koch, Senior Consultant bei YouGov, in einer Pressemitteilung. Marken dürften sich daher vermehrt dafür interessieren, während der Angebotstage in KI-Empfehlungen sichtbar zu sein. So könnten sie die Kaufentscheidungen derer beeinflussen, die KI zum Identifizieren von Schnäppchen nutzen.

Allein das reicht aus, um dem Nutzen von KI als Schnäppchen-Identifikator skeptisch gegenüberzustehen. Es besteht jedoch auch weiterhin die Gefahr, dass die KI Fehler macht, falsche Preise oder gar erfundene Rabatte anzeigt. Ich habe deshalb selbst getestet, ob ChatGPT, Google Gemini oder Claude wahre Deals identifizieren können.

Der Selbsttest: Ich lasse KI Angebote finden

Für den Test habe ich mir ein Beispielprodukt aus der Kategorie Airfryer herausgesucht: eine Doppelkorb-Heißluftfritteuse von Ninja. Zunächst habe ich die drei Chatbots gefragt, ob das Produkt für 119 Euro (aktuell bei Lidl, Stand 17. Oktober) ein gutes Angebot wäre. Später habe ich sie direkt angewiesen, mir den besten Deal herauszusuchen. Die Antworten habe ich dann jeweils mithilfe von Vergleichsportalen wie Geizhals und guenstiger.de gegengecheckt und auch über die Händlerwebseiten selbst überprüft. Nachfolgend findest du die Ergebnisse je nach KI-Modell und >> hier den passenden Deal-Artikel zur Ninja-Heißluftfritteuse.

ChatGPT

Auf die erste Frage „Sind 119 Euro für die Doppelzonen-Heißluftfritteuse DZ300EU von Ninja ein guter Preis?“ hat ChatGPT sofort mit Ja geantwortet. Ein „richtig guter Preis“ für ein neues Gerät bei einem seriösen Händler, räumt die KI jedoch kurz ein und verweist noch auf mögliche Versandkosten oder Unterschiede bei der Gewährleistung bei den verschiedenen Händlern. Der aktuelle Preisvergleich läge bei 114 bis 119 Euro, bei den meisten Händlern sei die Heißluftfritteuse jedoch für 130 bis 140 Euro im Angebot.

Ein Angebot für 114 Euro kann ich im Preisvergleich jedoch nirgends finden, nur die 119 Euro von Lidl, auf die mich ChatGPT allerdings nicht hinweist. Weitere teurere Angebote bei eBay oder SharkNinja werden allerdings korrekt ausgepreist. Auch wird ein altes Angebot von 110 Euro erwähnt, das es laut guenstiger.de auch wirklich gab (21. September). Das hilft dabei, die aktuellen Preise einzuordnen. Es gibt auch ein Fazit: „Für 119 € neu ist die Ninja eine gute Wahl, gerade wenn du regelmäßig für zwei oder mehr Personen kochst.“

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Im zweiten Schritt habe ich dann den Prompt geändert, um konkrete Angebote mit Links zu erhalten. „Zeige mir das beste Angebot für die Doppelzonen-Heißluftfritteuse DZ300EU von Ninja.“ Jetzt weist ChatGPT auch auf das Lidl-Angebot hin und auch auf Euronics, nennt hier aber einen viel zu günstigen Preis (129 Euro statt 189,99 Euro). Dann erwähnt die KI noch ein günstigeres Angebot aus der Vergangenheit von 99,99 Euro. Dieses galt zuletzt im Januar 2026. „Darauf zu warten lohnt sich nur, wenn du es nicht eilig hast“, empfiehlt der Chatbot.

Gemini

Google Gemini geht noch etwas weiter als ChatGPT und bezeichnet das Angebot von 119 Euro für den Ninja-Airfryer als „hervorragenden Preis“ und als „aktuellen Tiefstpreis“ mit Verweis auf die UVP. Die ist allerdings wenig ausschlaggebend, da die Heißluftfritteuse bereits seit Monaten weit unter der UVP von 199,99 Euro angeboten wird. Gemini zieht den Vergleich, dass das Gerät im regulären Handel zurzeit zwischen 135 und 170 Euro angeboten würde. Das stellt sich aber schnell als etwas hoch heraus. Somit erscheint jedes Angebot darunter gleich als guter Deal.

Im Gegensatz zu ChatGPT verlinkt Gemini schon bei der ersten Anfrage auf das Lidl-Angebot, dafür aber auf keine alternativen Angebote. Die KI fragt nur, ob mir die Größe des Airfryers reicht oder ich alternativ ein größeres Modell von Ninja möchte. Erst beim zweiten Prompt erhalte ich weitere Preise zum Vergleich. Diese sind allerdings überwiegend falsch. Die 119 Euro plus Versandkosten bei Lidl stimmen, bei Expert kostet das Gerät aber nicht 119 Euro, sondern 139 Euro plus Versand und ist damit nicht günstiger als Lidl (wie Gemini fälschlicherweise anpreist).

Claude

Claude ist als einziger Chatbot nicht begeistert von dem Preis. „Kein Knaller“, sagt die KI und analysiert, dass es sich dabei um den normalen Marktpreis handele. Wie bereits gesehen, war die Heißluftfritteuse in den vergangenen Monaten tatsächlich das ein oder andere Mal günstiger als jetzt. Das 99-Euro-Ebay-Angebot Anfang des Jahres sei allerdings schnell ausverkauft gewesen, räumt Claude ein. Der Chatbot könne allerdings nicht den vollständigen Preisverlauf abrufen und weist daher auf Lücken bei der Angebotsauswahl hin.

Aber auch Claude macht Fehler und gibt an, das Angebot bei Expert sei dank kostenlosem Versand noch günstiger als bei Lidl. Allerdings liegt der Verkaufspreis laut Händlerwebseite höher und die Versandkosten kommen noch hinzu. Die weiteren Angebote sind jedoch korrekt ausgepreist. Claude betont sogar, den Lidl-Preis aktuell heute auf der Seite des Discounters nachgesehen zu haben. Beim zweiten Prompt ändert Claude dann plötzlich den Expert-Preis und hebt ihn an (immer noch zehn Euro zu niedrig), dafür werden jetzt jedoch die Versandkosten aufgeführt.

So habe ich ChatGPT & Co. auflaufen lassen

Dieser kurze Test zeigt bereits, dass ChatGPT, Gemini und Claude mit den Preisen oft daneben liegen, unvollständige Preisverläufe analysieren und Deals daher nicht sicher einordnen können. Wirklich schwierig wird es allerdings für die Chatbots, wenn Angebote bereits online vergriffen sind. Das habe ich bei einem weiteren Testlauf mit dem Modell SL300EU von Ninja ausprobiert, einer Stacked-Doppelkorb-Heißluftfritteuse. Das Gerät ist für den günstigsten Preis von 119 Euro bei Lidl bereits seit Tagen ausverkauft.

ChatGPT hat das beste Angebot auf lidl.de identifiziert, jedoch nicht erwähnt, dass das Gerät dort bereits ausverkauft ist. Zudem verlinkt die KI nur auf die Homepage von Lidl, nicht direkt auf den Artikel. Dazu schreibt ChatGPT lediglich: „Prüfe vor dem Bezahlen, ob das Modell tatsächlich lieferbar ist.“ Andere alternative Angebote von MediaMarkt sind teils falsch ausgepreist. Ähnlich sieht es bei Gemini aus, nur dass der Chatbot Lidl nicht einmal erwähnt und mit den Preisen teils ganze 50 Euro daneben liegt. Nur Claude schreibt: „Eine passende Produktseite bei Lidl habe ich aber nicht gefunden.“ Zwar erwähnt die KI das Angebot, rät jedoch, es noch einmal selbst zu überprüfen. Die nächstbesten Angebote bei eBay und Amazon (129 Euro) hat Claude richtig identifiziert.

Fazit: Vertraue KI nicht blind beim Kauf

Mein Test zeigt: ChatGPT, Gemini und Claude finden dir in Sekunden einen Überblick über die aktuellen Angebote. Verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Alle drei Chatbots haben falsche Preise genannt, Versandkosten unterschlagen, auf bereits ausverkaufte Deals verwiesen und so Angebote günstiger dargestellt, als sie sind. Die Chatbots stützen sich oft auf Preisvergleichsseiten, anstatt direkt auf den Webseiten der Händler nach dem aktuellen Preis zu suchen. Zudem erhält man unterschiedliche Ergebnisse je nach Formulierung des Promptes.

Ich würde KI zum Black Friday daher nur als ersten Wegweiser empfehlen. Bevor du kaufst, solltest du drei Dinge selbst prüfen: Preisverlauf, Preis beim Händler und Verfügbarkeit. Das dauert ein paar Minuten länger, schützt dich aber vor vermeintlichen Schnäppchen, die keine sind. Es gilt nach wie vor im Umgang mit KI, stets alles selbst zu überprüfen und nicht blind der künstlichen Intelligenz zu vertrauen.

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