Kälte-Hammer? Neue Prognosen sehen frostigen Winter 2025/26

4 Minuten
Eigentlich rechneten Experten mit einem milden Winter in den kommenden Monaten. Doch ausgerechnet jetzt, kurz bevor die Jahreszeit Einzug hält, korrigieren viele ihre Modelle entscheidend nach unten. So wahrscheinlich steht ein frostiger Winter vor der Tür.
Straße mit geparkten Autos von Schnee bedeckt
Kälte-Hammer? Neue Prognosen sehen frostigen Winter 2025/26Bildquelle: Christian Mackie/Unsplash

Eigentlich rechneten die bekannten saisonalen Modelle mit einem vergleichsweise milden Winter, der uns in diesem Jahr vor der Tür steht. Doch innerhalb der letzten Tage haben viele Wettermodelle ihre Prognosen entsprechend nach unten korrigiert. Eines trifft auf Datengrundlage sogar eine alarmierende Aussage. Die Chancen dafür, dass der Winter schneereicher und kälter als der Durchschnitt ausfällt, liegen demnach bereits bei 45 Prozent.

Korrektur der Prognosen deutet auf einen kalten Winter hin

Für sich allein betrachtet, sind die Anpassungen in den Wetterprognosen nicht übermäßig besorgniserregend. Sowohl das US-Modell CFS, als auch das europäische ECMWF-Modell sahen zunächst mildere Winter voraus. Das europäische ECMWF-Modell (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) gilt als eines der genauesten Wettermodelle der Welt. Es berechnet auf Basis umfangreicher Messdaten, wie sich Temperatur, Luftdruck, Wind und Feuchtigkeit entwickeln – oft mit hoher Trefferquote bis zu zwei Wochen im Voraus. Das US-Modell CFS (Climate Forecast System) hingegen blickt weiter in die Zukunft und erstellt vor allem Langfristprognosen über Wochen und Monate. Es ist dadurch weniger präzise im Detail, liefert aber wertvolle Hinweise auf allgemeine Trends wie mögliche Kälte- oder Wärmephasen.

Beide werden bereits seit langem genutzt, um Prognosen über die Entwicklungen des Wetters hervorzubringen. Das US-Modell rechnete ursprünglich damit, dass der Winter sogar ein bis zwei Grad über dem Referenzzeitraum von 1991 bis 2020 liegen solle. Inzwischen korrigierte das Modell die Daten nach unten, sodass lediglich positive Abweichungen von 0,5 bis 1 Grad erwartet werden. Damit bleibt auch die Möglichkeit für deutlich kältere Wintertage entsprechend offen. Das europäische ECMWF-Modell rechnet ebenfalls nur noch mit einer schwach positiven Temperaturabweichungen. Theoretisch sollte der Winter damit immer noch wahrscheinlich mild ausfallen, doch dass die Modelle ihre Prognosen derart anpassen, ist an sich bereits ein deutliches Signal. Denn es steht für eine entsprechende Unsicherheit, die nicht selten das Vorzeichen eines möglichen Großwetterlagenwechsels ist.

Mehrere Warnsignale treffen aufeinander

Zwei weitere Mahnsignale deuten darauf hin, dass mit einem kalten Winterumschwung zu rechnen sein könnte. Denn zurzeit geht man sowohl von einer schwachen La Niña-Phase als auch einem schwächeren Polarwirbel aus. Die La-Niña-Phase ist ein Klimaphänomen, bei dem sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik abkühlt und dadurch weltweite Wetter– und Windmuster verändert. Der Polarwirbel wiederum ist ein großräumiges, starkes Windband aus kalter Luft, das sich in der Stratosphäre über den Polen bildet und im Winter die arktische Kaltluft zusammenhält. Eine Abschwächung der La-Niña-Phase führt dazu, dass weniger Wärme in den tropischen Pazifik transportiert wird – dadurch verändert sich die globale Zirkulation, was oft kältere Luftmassen nach Europa begünstigt. Gleichzeitig sorgt ein geschwächter Polarwirbel dafür, dass sich die arktische Kaltluft leichter nach Süden ausbreiten kann. Treffen beide Faktoren zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Kaltlufteinbrüche und winterliche Wetterlagen in Mitteleuropa deutlich.

Verschneite Straßen mit Schneematsch und eingeschneiten Fahrzeugen
Verschneite Straßen mit Schneematsch und eingeschneiten Fahrzeugen Image source: jan_S/Adobe Stock

Eine Modellart sieht niedrige Temperaturen voraus

Dabei werden nicht länger nur klassische Wettermodelle herangezogen, um die Daten möglichst effizient auszuwerten. Heutzutage kommen vermehrt KI-Modelle dabei um Einsatz, die mit der künstlichen Intelligenz andere Rückschlüsse aus den Datenmengen ziehen können. Sie können verschiedene atmosphärische Einflussgrüßen besser miteinander in Zusammenhang bringen als bisherige Klimaberechnungen. Unter Berücksichtigung der historischen Analogjahre, prognostiziert die KI, dass für den Winter 2025/26 eine Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent besteht, dass wir einem kälteren Winter gegenüberstehen.

Als kälteste Monate könnten sich in diesem Winter dabei der Januar und Februar erweisen. Dann die bisherige Auswertung rechnet damit, dass insbesondere in diesen Monaten eine häufige Nordost- und Ostströmung des Windes über Deutschland hinwegfegt. Diese würde die kontinentalen kalten Luftmassen damit direkt zu uns bringen. Natürlich sind Prognosen immer nur Voraussagen, die nicht immer zutreffen. Wie kalt die Monate tatsächlich werden, wissen wir erst in den kommenden Monaten. Dennoch schadet es wohl nicht, den eigenen Kleiderschrank auf ausreichend warme Stücke zu überprüfen, damit kein kaltes Erwachen in diesem Winter bevorsteht.

Mitreden

4 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Karsten Frei

    Wie sagt man über das Wetter?

    Das Wetter von Morgen erfahren wir Übermorgen.

    oder

    Die Prognosen waren alle richtig, nur das Wetter hat nicht mitgespielt.

    Sonst freueich mich auf kaltes Winter, und je kälter, um so besser. Dann werden vielleicht EU Hitzköpfe ins kalte Realität geholt.

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  2. Nutzerbild Adigo

    Die kältesten Monate im Winter werden Januar und Februar. NA das ist ja mal eine Erkenntnis. Wie viel hat dieser Orakelspruch denn gekostet?

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    • Nutzerbild Petros

      Also, ich habe in Deutschland auch schon Winter erlebt, wo der Januar überhaupt nicht kalt war.
      Einmal waren es im Januar wochenlang um die 15 °C plus. Da standen sogar Kraniche auf den Feldern, obwohl diese sonst eigentlich im Dezember-Februar in Südeuropa überwintern.

      Wenn der Januar zu mild ist, folgt manchmal noch eine kalte Phase im Februar. Z.B. letztes Jahr: Januar mild bis um die 10 °C plus & viel Regen. Der Februar begann mild, aber dann kam eine Woche, in der die Luftströmung auf Nordost drehte: -15°C bis -25°C (in Sachsen).
      In anderen Jahren war der gesamte Winter zu mild.
      Oder Januar und Februar waren zu mild, dafür war der März dann zu kalt, es gab zweistellige Minustemperturen Mitte-Ende März, der Osterhase kam im Schnee.

      Ein kalter November sagt nicht einen milden Januar voraus, ganz im Gegenteil!
      Ich habe in Deutschland schon 3 Winter erlebt, wo der November ungewöhnlich viel Frost u. Schnee hatte. Es folgten: Dezember, Januar und Februar mit noch mehr Frost und viel mehr Schnee! Die Kinder konnten ausgiebig rodeln, die Autofahrer eher ausgiebig fluchen.
      Nach dem kalten Februar dauerte der Winter oft noch länger an, mit Schnee bis weit in den März hinein. Einmal lag der Schnee sogar den ganzen März hindurch und bis zum 7. April, erst dann wurde es wärmer und taute.
      Ich habe noch Fotos davon, weil da die Fledermäuse nach ihrem besonders langen Winterschlaf wahrscheinlich sehr ausgehungert waren: Sie flogen mitten am Tag im hellen Sonnenschein herum und jagten Insekten, während noch der Schnee am wegtauen war.

      Was ebenfalls nicht stimmt:
      Regeln wie: „Wenn die Bäume viele Früchte haben, kommt ein langer kalter Winter“. Oder: „Wenn die Bäume im Herbst ihr Laub früh abwerfen, wird der Winter (sehr) kalt; aber bei spätem Laubfall wird der Winter nur mild.“
      Das ist Quatsch, weil die Bäume nicht genau wissen können, wie das Wetter im Winter wird.
      Die Anzahl der Früchte hängt eher damit zusammen, wie das Wetter zur Blütezeit war: Bei viel Sonne sind die Bienen fleißig, bei viel Wind geht Windbestäubung besser; aber viel Regen ist schlecht; und Spätfröste können Blüten ganz erfrieren lassen. Und ein zu trockener Sommer lässt viele Früchte vor der Reife abfallen.
      Im Herbst fallen bei viel Wind u. Sturm die Blätter eher ab. Viel Sonne sorgt für kräftige Laubfärbung.
      Eine frostige Nacht lässt oft schon viel Laub abfallen, aber danach kann das Wetter nochmal mild werden. Z.B. dieses Jahr im Oktober: Anfang Oktober gab’s ein paar mal Nachtfrost, am Tag maximal 7 bis 10 °C. Aber danach wurde es wieder milder mit bis zu ca. 20 °C.

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  3. Nutzerbild Petros

    Wenn es um einen besonders kalten Winter 2025/26 in Deutschland gehen soll, warum zeigt man dann ein älteres Foto aus Osteuropa (auf dem Straßenschild an der Wand links steht: „Kuliskova ulica“ – ‚ulica‘ heißt Straße z.B. auf Russisch)?
    In Osteuropa sind kalte Winter mit viel Schnee ja etwas völlig Normales.
    In Deutschland kommt’s auf die Region an: Westen u. Nordseeküste haben oft viel Regen. Richtung Osten u. in den Alpen gibt’s im Durchschnitt mehr Tage mit Frost u. Schneedecke.

    Langzeit-Prognosen für mehrere Monate sind ziemlich unsicher.
    Ein schwacher Polarwirbel macht Kaltluft-Einbrüche nach Süden zwar wahrscheinlicher, aber man kann nicht vorhersagen, wo diese stattfinden!
    Wir könnten also genauso gut auch wochenlang bei 10 bis 15 °C plus in einer Südwestströmung auf der milden Seite liegen, während ein Kaltluft-Einbruch z.B. Schnee nach Griechenland u. in die Türkei bringt; oder die USA im Schnee versinken (George R.R. Martin hat die schließlich gewarnt: „Winter is coming!“).

    Bei solchen Langzeit-Prognosen denke ich oft an die vielen Vorhersagen für „Schnee zu Heiligabend“ in Deutschland, die schon 2, 3 oder 4 Wochen vorher gemacht werden. In über 80-90% der Fälle liegen sie falsch!
    Der Klimawandel macht Schnee, der länger als 1 Tag liegen bleibt, im deutschen Flachland immer unwahrscheinlicher.
    Selbst in den Mittelgebirgen leiden viele einstige Wintersport-Orte seit Jahren unter Schneemangel.
    Gute Chancen auf viel Schnee im Winter hat man in Europa eigentlich nur noch in den höchsten Lagen der Hochgebirge (z.B. Alpen), oder weit im Norden (z.B. Norwegen, Schweden, Finnland).

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