Der ADAC hat zusammen mit der Stiftung Warentest 18 Kinderhelme geprüft. Im Test ging es um Unfallschutz, Handhabung, Komfort und Schadstoffe. Das ernüchternde Ergebnis: Kein einziges Modell erreicht insgesamt die Note „gut“. Das heißt aber nicht, dass die Helme unbrauchbar sind. Laut ADAC schützen alle 18 Modelle bei einem Unfall vor schweren Kopfverletzungen. Das Problem liegt an den Details. Die Tester haben die Anforderungen verschärft. Neu in der Bewertung sind unter anderem die Riemen und das Verschlusssystem. Dabei geht es etwa um Mikroschlupf, also ein ungewolltes Lockern während der Fahrt, um den Sitz der Gurtteile und um Verschlüsse, die sich nicht versehentlich öffnen dürfen.
Warum teuer beim Fahrradhelm kein guter Ratgeber ist
Viele Eltern greifen wohl zuerst zu bekannten Marken. Oder zu teuren Modellen. Genau das kann hier aber in die falsche Richtung führen. Denn der auffälligste Punkt im Test ist der Preis. Ausgerechnet das günstigste Modell liegt vorn. Der Kinderhelm von Lidl beziehungsweise Crivit kostet 14,99 Euro und erreicht mit 2,6 die beste Gesamtnote. Mehr als „befriedigend“ ist das zwar nicht. Für den Testsieg reicht es trotzdem. Beim Unfallschutz schneidet der günstige Helm sogar gut ab. Das gelingt im gesamten Feld nur noch einem weiteren Modell. Dazu kommt eine gute Sichtbarkeit. Reflexstreifen und ein Rücklicht helfen im Dunkeln. Schwächen zeigt der Helm dagegen beim Tragekomfort.
Noch deutlicher wird das Problem am anderen Ende der Preisskala. Der Helm von Melon kostet 79,95 Euro und gehört zu den Verlierern. Die Tester stellten Mikroschlupf fest. Das Gurtband lockert sich also während der Fahrt. Eltern müssten den Sitz deshalb regelmäßig prüfen und nachstellen. Gerade bei einem Kinderhelm ist das ein klares Warnsignal.
Auch der Abus YouDrop fällt negativ auf. Beim Unfallschutz reicht es nur für „ausreichend“. Laut ADAC zeigt der Helm vor allem an den Schläfen Schwächen. Dazu kommt eine schlechte Sichtbarkeit im Dunkeln, weil nur ein kleiner Reflektor vorhanden ist. Viele Schwächen ließen sich offenbar leicht beheben. Mehr Reflexmaterial an Helm und Gurtband würde die Sichtbarkeit verbessern. Gesicherte Gurtenden könnten verhindern, dass sich Teile lösen. Bessere Gurtverteiler würden die Einstellung erleichtern, so die Tester.
Wo die größten Schwächen liegen
Auch das Gewicht spielt eine Rolle. Der Bell Span ist mit 397 Gramm der schwerste Helm im Test. Der leichteste kommt von Prophete und wiegt 204 Gramm. Einen besseren Schutz bietet der schwere Helm trotzdem nicht.
Für dich heißt das vor allem eines: Kauf nicht nach Preis oder Marke. Probier den Helm mit deinem Kind an. Achte auf festen Sitz, gute Sichtbarkeit und einfache Verstellung. Und nach einem Sturz gehört der Helm ersetzt, auch wenn man Schäden nicht sofort sieht. Gerade bei Kinderhelmen entscheidet oft nicht der große Name, sondern wie gut das Modell im Alltag wirklich funktioniert. Und noch wichtiger ist, dass das Kind überhaupt einen Helm trägt. Landet der Kopf bei einem Sturz ungeschützt auf dem Asphalt, kann das gravierende gesundheitliche Folgen haben.
Übrigens: Nach einem Sturz muss ein Helm ersetzt werden. Er bietet keine ausreichende Sicherheit mehr. Gab es einen Unfall, zahlt möglicherweise die gegnerische Versicherung den neuen Helm.
