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DSL wird abgeschaltet? Diese Sätze an der Haustür solltest du kennen

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Zwei Personen an der Tür, Telekom-Logo um den Hals, dazu eine klare Ansage: In zwei Jahren sei dein Internet tot, unterschreib besser sofort. Klingt nach Fürsorge. Ist aber Verkaufsdruck. Mit vielen Unwahrheiten. Was ist frei erfunden? Und warum gibt es doch einen wahren Kern?
Ein Vertreter steht vor einer Haustür (Ki-Generiert)
Haustürvertrieb Bildquelle: KI-generiert: ChatGPT

Es klingelt, und dann geht es schnell. Ein Nutzer schildert aktuell bei Reddit einen Besuch an der Haustür, wie ihn gerade viele erleben. Zwei Herren, angeblich von der Telekom, wollen Glasfaser ins Haus legen. Er winkt ab, er hat 1000 Mbit/s über Vodafone-Kabel. Das Gegenangebot der beiden: 150 Mbit/s für denselben Preis. Doch als er dankend ablehnt, kommt der Satz, der es in sich hat. In zwei Jahren sei das Kabelnetz „ausgedient“, sein Anschluss dann „nutzlos“. Und überhaupt hätten im Haus heute schon fast alle unterschrieben, nur er nicht. Zum Abschied noch eine Drohung: Später koste ihn der Anschluss eben 1.500 Euro. Tschüss, schönen Tag.

Solche Geschichten landen inzwischen reihenweise bei den Verbraucherzentralen. „Gerade beim Thema Glasfaser beobachten wir immer wieder, dass ganze Drückerkolonnen am Werk sind, die Menschen gezielt unter Zeitdruck setzen, damit sie am besten gleich an der Haustüre Verträge unterschreiben“, sagt Oliver Buttler, Telekommunikationsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, in einer Mitteilung von Juli. Sein Rat ist knapp: „Am besten wimmelt man diese Vertreter direkt an der Gegensprechanlage ab.“

Aber was ist an den typischen Sätzen dran? Der Reihe nach.

Der Faktencheck: Diese Sätze fallen an der Tür

„Ihr Kabelnetz wird bald abgeschaltet.“ Falsch. Das TV-Kabelnetz ist von der laufenden Umstellung überhaupt nicht betroffen. Die Bundesnetzagentur beantwortet die Frage, ob auch Kabelanschlüsse abgeschaltet werden, mit einem einzigen Wort: „Nein.“ Kabelinternet, Kabel-TV und Telefonie darüber laufen weiter. Wer das an der Tür anders hört, hört eine Verkaufsgeschichte aus dem Paulanergarten.

„DSL wird abgeschaltet, dann geht bei dir nichts mehr.“ Im Kern richtig, in der Dringlichkeit irreführend. Ja, das alte Kupfernetz, auf dem DSL und VDSL laufen, wird über die kommenden Jahre durch Glasfaser ersetzt. Aber eben nicht morgen und nicht auf einen Schlag. Die Bundesnetzagentur ist da eindeutig: Ohne eine mindestens gleichwertige Alternative wird kein Kupferanschluss abgeschaltet.

Die Telekom muss die Stilllegung für jedes Gebiet einzeln bei der Behörde beantragen. Betroffene werden vorher adressgenau informiert. Zwischen dieser Information und der tatsächlichen Abschaltung liegen laut Behörde mindestens ein bis zwei Jahre. Ein Vertreter, der dir androht, dein Anschluss sei „in zwei Jahren nutzlos“, verkauft dir Panik, keinen Fahrplan. Das genaue Verfahren steht noch nicht einmal fest. Vor 2030 sind erste, sehr lokale Abschaltungen unwahrscheinlich.

„Der Wechsel ist Pflicht.“ Falsch. Aktuell ist der Umstieg freiwillig. Es gibt keine Pflicht, an der Tür einen Glasfaservertrag abzuschließen. Und schon gar keine Frist, die noch heute abläuft. In einem anderen Fall aus dem Forum wird es sogar noch dreister: Einem Kunden wurde erzählt, es sei bald „strafbar“, kein Glasfaser zu nutzen. Das ist frei erfunden.

Nicht alle Infos sind falsch

„Im Haus haben heute schon fast alle unterschrieben, nur Sie nicht.“ Nicht überprüfbar und ein Klassiker. Der Satz erzeugt Herdendruck, mehr nicht. Ob und wer im Haus unterschrieben hat, wissen nur die Kunden selbst. Nicht du, nicht die Hausverwaltung (wie oft behauptet wird), nicht der Werber an der Haustür.

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„Unterschreiben Sie jetzt, sonst zahlen Sie später 1.500 Euro selbst.“ Hier steckt ein wahrer Kern in einer Drohkulisse. Während der sogenannten Nachfragebündelung, also der Werbephase vor dem Ausbau, erlassen die Anbieter die einmaligen Anschlusskosten oft komplett. Die liegen laut Bundesnetzagentur regulär zwischen 500 und 1.000 Euro. Tatsächlich aber oft höher, wie Recherchen von inside digital ergeben haben. Lässt du diese Phase verstreichen und willst später einzeln anschließen, kann es tatsächlich vierstellig werden. Zumeist trifft das aber Eigentümer von Einfamilienhäusern, nicht aber Mieter in Mehrfamilienhäusern. Der Punkt ist also nicht komplett aus der Luft gegriffen. Manipulativ ist die Verpackung: „jetzt sofort oder nie“. Denn Zeit hast du fast immer, nur eben nicht an genau dieser Haustür in genau dieser Minute. Im Zweifel kannst du auch Tage oder Wochen später noch über die Webseite des Anbieters buchen.

Wer klingelt da eigentlich?

Oft nicht der Glasfaseranbieter selbst. Hinter dem Logo auf der Jacke stecken häufig beauftragte Vertriebsagenturen, deren Werber auf Provision arbeiten. Ein bekanntes Beispiel ist die Firma Ranger, deren Leute bundesweit für Glasfaser an den Türen stehen und dabei immer wieder mit fragwürdigen Methoden auffallen. Auch die Deutsche Telekom arbeitet mit Ranger zusammen, wie Konzernchef Tim Höttges erst vor wenigen Wochen auf LinkedIn demonstrierte.

Für dich ändert das wenig, für die Bewertung viel. „Wenn große Anbieter Verkäufer mit ihrem Logo beauftragen, müssen sie auch ein seriöses Auftreten gewährleisten, was offensichtlich nicht immer der Fall ist“, kritisiert Buttler. Ein einfacher Test entlarvt die Konstruktion: Frag, ob dein Gegenüber fest beim Anbieter angestellt ist oder im Auftrag des Anbieters auf Provision verkauft. Bei einem echten Anliegen kannst du jederzeit selbst einen Termin direkt beim offiziellen Anbieter vereinbaren. Dafür muss niemand an deiner Tür stehen.

Deine Rechte, wenn du schon unterschrieben hast

Erst mal durchatmen. Einen an der Haustür geschlossenen Vertrag kannst du innerhalb von 14 Tagen widerrufen, ohne Angabe von Gründen. Und jetzt kommt der Punkt, den kaum jemand kennt: Wurdest du nicht oder nicht korrekt über dieses Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist auf ein Jahr und 14 Tage. Aus zwei Wochen können so schnell mehr als zwölf Monate werden, in denen du wieder rauskommst.

Ohnehin gilt: Vor dem Abschluss müssen dir alle wesentlichen Vertragsunterlagen mit Angaben zu Laufzeit, Kosten und Kündigungsfristen vorliegen. Buttlers Rat dazu ist unmissverständlich: Verträge in Ruhe ansehen, statt sofort zu unterschreiben, und schon gar nicht blind auf dem Tablet des Vertreters.

Was sich für dich ändert

Für die allermeisten Haushalte: erst mal nichts. Ende 2024 liefen laut Bundesnetzagentur noch rund 23,6 Millionen Anschlüsse über DSL und etwa 8,5 Millionen über Kabel. DSL macht damit weiter gut 60 Prozent aller Breitbandanschlüsse aus. Das Kupfernetz verschwindet über Jahre, Region für Region, mit langem Vorlauf und Vorwarnung. Panik an der Tür ist da fehl am Platz.

Glasfaser ist die technisch bessere und zukunftssichere Lösung, keine Frage. Ob sich ein Wechsel für dich heute lohnt, hängt von deinem Anschluss, deinem Tempo und deinem Preis ab, nicht vom Zeitdruck eines Werbers. Und wenn es das nächste Mal klingelt und dir jemand das Ende deines Internets prophezeit: Tür zu, in Ruhe selbst informieren, Angebote vergleichen. Die besten Verträge macht man nämlich nicht an der Haustür, sondern eher über Deals, wie wir sie dir auch immer wieder auf unserer Deals-Seite anbieten.

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