Der Geldschein der Zukunft: Soll das wirklich unser neues Bargeld werden?

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Was aussieht wie eine Telefonkarte auf Drogen, soll die Zukunft unseres Bargelds sein. Doch wollen wir im Alltag wirklich damit bezahlen? Können diese "Banknoten" künftig unsere Scheine und Münzen im Portemonnaie ersetzen?
Der Geldschein der Zukunft: Soll das wirklich unser neues Bargeld werden?
Der Geldschein der Zukunft: Soll das wirklich unser neues Bargeld werden?Bildquelle: inside digital / KI-generiert mit Meterial der Bundesdruckerei

Die Deutschen haben ein besonderes Verhältnis zu Bargeld. Während in vielen Ländern längst alles über Smartphone und Karte läuft, klimpern hierzulande noch immer Münzen in Hosentaschen und wandern 50-Euro-Scheine über Supermarktkassen. Für viele Menschen ist Bargeld mehr als ein Zahlungsmittel. Es ist ein Stück Kontrolle. Ein Stück Privatsphäre. Und manchmal auch ein Protest gegen die Vorstellung, dass irgendwann jede Ausgabe digital erfasst wird. Deshalb gilt Bargeld in Deutschland fast als Kulturgut.

Auch die Bundesdruckerei in Berlin weiß, wie tief diese Bindung reicht. Dort ist man überzeugt, dass Scheine und Münzen noch lange Teil unseres Alltags bleiben werden. Allerdings nicht unbedingt in der Form, die wir heute kennen. Denn wenn die Pläne der Entwickler Wirklichkeit werden, könnte das Geld der Zukunft aussehen, als sei es direkt aus einem Science-Fiction-Film gefallen.

Ein Geldschein, der kein Geldschein sein will

Beim ersten Blick auf die Entwürfe stellt sich eine einfache Frage: Was genau soll das eigentlich sein? Eine Eintrittskarte für ein Festival? Eine Sammlerkarte aus einem Videospiel? Oder vielleicht ein Prototyp für die Bordkarte eines Raumschiffs? Nichts davon.

Die grellen Farben, die schimmernden Muster und die futuristischen Formen erinnern eher an einen Bildschirmhintergrund aus den frühen 2000ern als an einen Geldschein. Irgendwo steht kryptisch „3K“. Schwarze Flächen treffen auf Neonfarben. Das Ganze wirkt, als hätte jemand einen Euro-Schein durch einen Teilchenbeschleuniger geschickt. Und doch handelt es sich um einen ernst gemeinten Entwurf für die Zukunft des Bargelds.

Stella: So stellt sich die Bundesdruckerei die Zukunft des Bargelds vor
Stella: So stellt sich die Bundesdruckerei die Zukunft des Bargelds vor Image source: Bundesdruckerei GmbH

Hinter dem Konzept steckt die Bundesdruckerei GmbH. Auf einer internationalen Fachkonferenz in Washington präsentierte sie kürzlich die Konzept-Banknote „STELLA“. Sie ist Teil der Versuchsreihe „EX NIHILO“, mit der die Berliner Druckexperten ausloten wollen, wie Bargeld in einigen Jahrzehnten aussehen könnte. Schon der Vorgänger „IGNIS“ sorgte 2024 für Aufmerksamkeit. Schwarzes Material, futuristische Sicherheitsmerkmale, ein Design fernab aller klassischen Banknoten. Doch STELLA geht noch einen Schritt weiter. Der Geldschein schrumpft. Und zwar drastisch.

Ignis: Ein Konzept aus dem Jahr 2024 Bundesdruckerei zur Bargeld-Zukunft
Ignis: Ein Konzept aus dem Jahr 2024 Bundesdruckerei zur Bargeld-Zukunft Image source: Bundesdruckerei GmbH

Der vielleicht auffälligste Unterschied ist die Größe. STELLA besitzt exakt die Maße einer Kreditkarte. Die Entwickler haben dabei eine Beobachtung gemacht, die vermutlich jeder kennt: Moderne Geldbörsen werden immer kleiner, während klassische Banknoten seit Jahrzehnten dieselben Formate behalten. Viele Menschen tragen heute kaum noch Bargeld mit sich herum. Warum also weiterhin Scheine produzieren, die für eine Welt entworfen wurden, in der jeder eine dicke Lederbörse in der Gesäßtasche hatte? Der neue Schein würde problemlos neben Visa, Führerschein und Krankenkassenkarte verschwinden.

Und genau darin liegt bereits die erste Irritation: Wenn ein Geldschein genauso aussieht und sich genauso verstauen lässt wie eine Karte – fühlt er sich dann überhaupt noch wie Geld an?

Bargeld oder Spielgeld?

Auch beim Material verabschiedet sich STELLA vom klassischen Papiergeld. Der Entwurf basiert auf einem robusten Polymermaterial. Wer den Schein versehentlich mit der Jeans in die Waschmaschine steckt, müsste sich keine Sorgen mehr machen. Kein aufgeweichtes Papier. Die Bundesdruckerei setzt dabei auf ein Material aus erneuerbaren Rohstoffen. Ziel ist es, Ressourcen einzusparen und die Lebensdauer der Banknoten zu erhöhen. Klingt vernünftig, doch Technik allein entscheidet nicht darüber, ob Menschen etwas akzeptieren.

Ab 2027: Neues Bargeld-Gesetz tritt in Kraft

Denn Geld ist nicht nur Ökonomie, sondern auch Psychologie. Wer einen alten 50-Euro-Schein in die Hand nimmt, spürt sofort seinen Wert. Das Papier hat Gewicht. Es knistert. Es wirkt offiziell. Ein kleiner Plastikschein im Kreditkartenformat könnte dagegen eine ganz andere Assoziation wecken. Rabattkarte. Kundenkarte. Gutschein. Spielgeld.

Ein Sprecher der Bundesdruckerei erklärt inside digital: „Im Hinblick auf die Größe von Banknoten lässt sich ein klarer Nutzungstrend beobachten: Geldscheine werden zunehmend mehrfach gefaltet, bis sie das Format erreicht haben, das sich problemlos in die Schutzhülle eines Smartphones einfügen lässt.“ Eine kreditkartengroße Banknote entspreche demnach diesem neuen Formfaktor. „Sie passt direkt in die Hülle eines Smartphones und lässt sich zugleich weiterhin in ein konventionelles Portemonnaie integrieren.“

Die Probleme und wer sie lösen soll

Und dann wären da noch die praktischen Probleme. Ein Geldschein in Kreditkartengröße klingt zunächst clever. Bis man anfängt, über die Infrastruktur nachzudenken. Über Geldautomaten, Fahrkartenautomaten und Kassensysteme. Die gesamte Bargeldlogistik der Welt ist auf die heutigen Formate ausgelegt. Ein radikal kleineres Design würde eine gigantische technische Umrüstung nach sich ziehen. Was auf einer Konferenzbühne futuristisch aussieht, kann im Maschinenraum der Realität schnell sehr teuer werden.

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„Die EX NIHILO-Serie basiert auf der Beobachtung, dass Geld sich auf einer Reise befindet: von Papier und Metall über Kreditkarten und digitale Wallets bis hin zu seiner nahezu rein elektronischen Existenz als Datenpunkt in digitalen Netzwerken“, erklärt uns ein Sprecher der Bundesdruckerei. Geld werde dabei zunehmend unabhängiger von seinem materiellen Träger. „Davon ausgehend formulierten wir zwei Grundannahmen: Erstens erzeugt diese Transformation neue Anforderungen an das Geld selbst. Zweitens müssen sich, wenn Bargeld auch künftig relevant bleiben soll, vor allem die bestehenden Cash-Cycle-Systeme diesen neuen Anforderungen anpassen – und nicht umgekehrt neue Geldformen an bestehende Infrastrukturen“, so die Bundesdruckerei.

Heißt: Die Kasse beim Bäcker muss sich an das neue Geld anpassen. Dabeiverstehte die Druckerei die EX NIHILO-Serie nicht als abgeschlossene Lösung, sondern als Angebot zur Diskussion und als möglichen Impuls, zukünftige Anforderungen an Bargeld frühzeitig zu erkennen und weiterzudenken.

Das Geld wird sich verändern – so, oder so

Elisabeth Limbacher, Leiterin des Wertdrucks bei der Bundesdruckerei, beschreibt die Zukunft des Bargelds als Balance zwischen Nachhaltigkeit, Sicherheit und Alltagstauglichkeit. Genau darum geht es. Die spannendste Frage lautet nämlich nicht, ob STELLA technisch funktioniert. Wahrscheinlich tut sie das. Die entscheidende Frage ist, ob Menschen bereit sind, ihre Vorstellung von Geld neu zu lernen.

Denn vielleicht liegt die größte Herausforderung für das Bargeld der Zukunft nicht in neuen Druckverfahren oder Hightech-Materialien. Sondern in dem Moment, in dem jemand einen dieser futuristischen Plastikscheine aus dem Portemonnaie zieht, ihn kurz betrachtet und denkt: „Das soll Geld sein?“

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild Karsten

    Die Entwicklung geht weiter und neue Ideen sind immer angebracht.
    Trotzdem frage Ich mich, lässt sich so ein Geld in der Unterhose oder Socken verstecken?
    Kann ich so ein „Schein“ x-belibig falten?
    Bei allen technischen Vorteilen, sehe ich persönlich einige Nachteile bei der Handhabung von einzelnen Scheinen

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