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Deutschlandticket knackt die 800-Euro-Marke, aber für den Tankrabatt war Geld da!

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Ab Januar kostet das Deutschlandticket 66,80 Euro. Erstmals zahlst du damit mehr als 800 Euro im Jahr. Größter Einzelposten der Erhöhung ist der teure Diesel. Genau den verbilligt der Staat seit heute an der Zapfsäule für Autofahrer, während der ÖPNV teurer wird. Ein Kommentar.
Ein Deutschlandticket als Plastikkarte
Deutschlandticket wird teurerBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Zwei Nachrichten, keine 24 Stunden auseinander: Am Mittwoch beschloss der Koordinierungsrat den neuen Preis für das Deutschlandticket: 66,80 Euro ab dem 1. Januar 2027 sollen es sein. Gleichzeitig startete nur einen Tag später der umstrittene Tankrabatt. Benzin und Diesel werden bis Jahresende um bis zu 17 Cent pro Liter billiger. Vorweg, damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Erhöhung um 3,80 Euro ist moderat. Sie ist weniger als eine Einzelfahrt in Berlin, die seit Januar 4 Euro kostet. Und selbst mit 66,80 Euro bleibt das Deutschlandticket fast 15 Euro günstiger als die Berliner Umweltkarte im Abo. Die gilt nur in der Stadt. Das Deutschlandticket gilt bundesweit.

800 Euro für den ÖPNV, aber Rabatt für Spritschlucker

Trotzdem knackt das Ticket eine Marke. Aufs Jahr gerechnet zahlst du künftig 801,60 Euro statt 756 Euro. Das allein wäre keinen Kommentar wert. Spannend wird es bei der Frage, warum der Preis so steigt. Und wofür gleichzeitig an anderer Stelle Geld da ist.

Der Preis des Deutschlandtickets wird nicht mehr verhandelt, sondern berechnet. Vorbei ist der ständige Streit zwischen Bund und Ländern über Zuschüsse und die Drohung, das Deutschlandticket fallen zu lassen. Eine Formel bildet jetzt ab, was der Betrieb von Bussen und Bahnen kostet. Personal zählt mit 55 Prozent. Energie mit 20 Prozent. Allgemeine Kosten mit 25 Prozent.

Der größte Einzelposten der aktuellen Erhöhung ist der Diesel. Er ist um 13,42 Prozent teurer geworden und schlägt mit 1,08 Euro auf dein Deutschlandticket durch. Mehr als ein Viertel der gesamten Erhöhung kommt aus einem einzigen Posten.

Dazu kommt ein zweiter Faktor, und der hat mit Kosten wenig zu tun. Bund und Länder zahlen den Verkehrsunternehmen je 1,5 Milliarden Euro im Jahr als Ausgleich dafür, dass das Ticket günstiger ist als frühere Abos. Dieser Zuschuss ist bis 2030 eingefroren. Steigen die Kosten, wächst er nicht mit. Die Formel gleicht das über einen Aufschlag aus, den sogenannten Wertfaktor. Die reine Kostensteigerung lag bei 2,82 Euro. Das deckt sich mit der Berechnung des WDR. Zahlen musst du 3,80 Euro mehr. Fast ein Euro der Erhöhung geht also allein darauf zurück, dass die öffentliche Hand nicht mehr drauflegt.

An der Zapfsäule sieht die Rechnung anders aus

Der von der Bundesregierung beschlossene Tankrabatt senkt die Energiesteuer vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um rund 14 Cent pro Liter. Mit Mehrwertsteuer sind es bis zu 17 Cent. Das Bundesfinanzministerium rechnet mit Mindereinnahmen von 2,485 Milliarden Euro. Die Länder tragen die Hälfte. Es ist schon der zweite Rabatt in diesem Jahr. Im Mai und Juni kostete dieselbe Maßnahme rund 1,6 Milliarden Euro. Zusammen sind das gut vier Milliarden Euro für fünf Monate billigeren Sprit.

Zum Vergleich: Der gesamte Zuschuss fürs Deutschlandticket liegt bei drei Milliarden Euro. Pro Jahr. Drei Monate Tankrabatt kosten also fast so viel wie zwölf Monate Deutschlandticket. Dieselben Länder, die den gemeinsamen Ticketzuschuss eingefroren haben, finanzieren den Rabatt an der Zapfsäule zur Hälfte mit.

Wer davon profitiert, hat das ifo-Institut beim ersten Rabatt ausgewertet: vor allem Vielfahrer und Halter von Autos mit hohem Verbrauch. Der Diesel, der dein Ticket teurer macht, wird für sie billiger. Für Bahnfahrer nicht.

Ist der Vergleich unfair?

Man kann einwenden: Ich vergleiche Äpfel und Birnen. Der Tankrabatt ist eine befristete Krisenhilfe, ausgelöst durch die hohen Ölpreise seit dem Iran-Krieg. Der Ticketzuschuss ist Dauerfinanzierung. Stimmt. Und der Nahverkehr bekommt mehr als drei Milliarden Euro. Über die Regionalisierungsmittel überweist der Bund den Ländern rund 12 Milliarden Euro im Jahr für den Schienennahverkehr. Stimmt auch.

Richtig ist ebenso: Wer auf dem Land wohnt und keinen Bus vor der Tür hat, kann mit dem Deutschlandticket wenig anfangen. Für viele Pendler ist das Auto keine Wahl, sondern die einzige Option. Ihnen hilft der Tankrabatt tatsächlich.

Doch um gleiche Töpfe geht es nicht. Es geht darum, wem der Staat beim selben Problem hilft. Teurer Diesel trifft Autofahrer und Nahverkehr gleichermaßen. Die einen bekommen Steuergeld, die anderen die Rechnung. Automatisch, per Formel. Zugegeben, auch Dieselbusse tanken bis Dezember günstiger. Im Preis für 2027 steckt davon aber nichts. Der stand fest, bevor der Rabatt begann.

Die Formel ist kein Naturgesetz, sie kann geändert werden

Die Formel wirkt neutral, fast technisch. Dabei steckt in ihr ein Widerspruch. Ab 2028 kommt ein Dämpfungsfaktor dazu: Steigt die Zahl der verkauften Deutschlandtickets, fällt die Erhöhung geringer aus. Mehr Kunden sollen den Preis also stabil halten. Jede Erhöhung arbeitet genau dagegen. Steigt der Preis, springen Kunden ab. Springen Kunden ab, steigt der Preis stärker.

Die Lösung liegt auf der Hand: Der Zuschuss muss mit den Kosten wachsen, so wie es die Formel beim Fahrgast längst verlangt. Wer dir jedes Jahr die gestiegenen Kosten weiterreicht, kann sie auf der eigenen Seite nicht ignorieren. Sind 3,80 Euro mehr ein Skandal? Nein. Aber sie zeigen, wofür in diesem Land Geld da ist. Und wofür nicht.

9 Kommentare

  1. Karsten
    Ist auch gut so. Warum soll ich von Tag zu Tag mehr und mehr an der Tanke zahlen, die ÖPNV Nutzer aber nicht? Die ÖPNV Nutzer müssen auch an den steigenden Spritpreisen beteiligt werden. Wenn schon, dann sollen die Großstadtbewohner, die mehrheitlich vom ÖPNV profitieren, und die Landbewohner, die nichts mit ÖPNV anfangen können, gleich behandelt werden.
  2. C.K
    Geld ist mehr als genug da es wird nur ins Ausland geschmissen wo es nichts zu suchen hat, Steuergelder sind hier einzusetzen aber nicht im Ausland auch nicht in der Ukraine.
  3. Marcel
    Der Artikel greift für mich deutlich zu kurz und vergleicht schlicht Äpfel mit Birnen. Wer die Entlastung durch das Deutschlandticket kleinredet, verengt den Blick meist auf die Realen Verbundtarife. Im VBB zahlt man für Berlin ABC samt Umland-Landkreisen im regulären Abo schnell rund 190 Euro, für das Gesamtnetz über 210 Euro. Im MDV-Netz (Region Leipzig / Halle) klettert das Gesamtnetz-Abo sogar auf über 330 Euro im Monat. Gemessen an diesen realen Pendlerkosten sind die bundesweiten Konditionen eine massive Entlastung – erst recht, wenn man über Verbundgrenzen hinweg unterwegs ist oder das Ticket flexibel für Wochenend- und Freizeittrips quer durch die Republik nutzt. Mit dem Pkw wären solche Strecken zu diesem Monatspreis schlicht unbezahlbar. Die Tatsache das es in manchen Regionen gar nicht möglich ist mangels ÖPNV oder ständiger Verspätungen (besonders im Bahnverkehr) die einen zum Umstieg auf PKW nötigen lasse ich hier mal außen vor. Die Diskussion um Kraftstoffpreise betrifft eben längst nicht nur private Pendler, sondern das wirtschaftliche und soziale System genauso. Handwerker, Pflegedienste, Lieferlogistik sowie gemeinnützige Institutionen wie die Tafeln können nicht einfach mit Werkzeug, Ersatzteilen oder Lebensmittelspenden in die S-Bahn und Linienbusse umsteigen. Steigende Kraftstoffkosten werden zwangsläufig über Dienstleistungspreise an Endkunden weitergereicht oder bringen Hilfsorganisationen in existenzielle Not. Da gab es kürzlich erst Artikel darüber das die Tafeln in Deutschland in Schwierigkeiten kommen, wegen der Preislage. Staatliche Unterstützung darf deshalb nicht einseitig ausgespielt werden: Eine verlässliche ÖPNV-Förderung entlastet Millionen Bürger, während gezielte Entlastungen bei den Kraftstoffen nötig sind, um die reale Wirtschaft und soziale Dienste vor einer Preisspirale zu schützen. Hohe Spritpreise bedeutet Weitergabe an die Kunden - Weitergabe an die Kunden bedeutet diese können weniger kaufen können und wollen mehr Lohn - mehr Lohn bedeutet jedoch auch wieder Preiserhöhungen - und so weiter.
  4. M.Laudor
    Der Artikel erweckt ein negatives Bild auf PKW-LKW Fahrer. Ob der Autor schon mal bedacht hat, das der überwiegende Teil der Bevölkerung NICHT 8n Großstädten wohnt? In vielen ländlichen Regionen ist der ÖPNV, wenn überhaupt vorhanden, leider nicht als Alternative zum PKW zu betrachten. Insofern hat die "Spritpreis Bremse" durchaus seine Berechtigung.
    • Thorsten Neuhetzki
      Und deswegen ist für den umstrittenen "Tankrabatt" Geld in der Staatskasse, für den ÖPNV und unzählige Sozialprojekte nicht? Und nein, es liegt mir fern, ein negatives Bild auf Autofahrer zu erwecken. Ich fahre selbst Auto. Angesichts von Spritpreisen jenseits der 2 Euro selbst nach diesem zweifelhaften Rabatt ist selbiger aber gerade mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Es wäre doch viel sinnvoller, den Benzinverbrauch runter zu bekommen, indem der ÖPNV genutzt und - ohne Zweifel - auf dem Land auch gestärkt wird.
  5. D.G
    Das ist Mal wieder typisch. Dieses Geheule kann man nicht mehr hören! Wir Autofahrer werden seit Jahren ausgenommen, aber wenn es um andere Erhöhungen geht, ist der Aufschrei groß!!! Würde unser Steuergeld nicht an versiffte Klimakleber, ukrainische Sozialschmarotzer und kriegstreibende Organisationen verschwendet werden, wäre genug Geld für UNSERE Bevölkerung und Projekte übrig!!!
  6. Thies
    Das ist mit Abstand eines der dümmsten Beiträge die ich jemals gesehen habe. Auofahrer zahlen mehr als das ganze Deutschlandticket alleine an Versicherung pro Jahr. Dazu kommt dann noch Sprit mit über 50% Steuern drauf und Kfz Steuer. Jeder Kilometer mit dem Auto kostet Geld, währen man mit dem Deutschlandticket unendlich viel fahren kann. Jemand der z.B. jeden Tag 50Km mit der Bahn fährt zahlt nur die 60€, während man dafür als Autofahrer 150€ an Benzin zahlen muss.
  7. Anja
    Das Deutschlandticket sollte viel mehr kosten, ich würde bei 120 Euro anfangen, besonders wenn man bedenkt, das wenn man nur bei sich in der stadt rum fährt mehr bezahlt (zb dresden 74,50 Euro). Und von den Preisen an der zapfsäule, wollen wir gar nicht, für mein 3 Liter roller bezahl ich schon fast 5 Euro, aber ich brauche ihn, wegen kind schule und pünktlich auf arbeit kommen. da gibt es echt besseres wo man sich beschweren könnte (warum müssen Radfahrer keine Steuern bezahlen für ihre Drahtesel, aber immer mehr radwege werden gebaut, von den Steuerzahlern mit Auto und Roller
  8. Fabian Eggers
    Ich finde jeder der kein ÖPVN oder Auto nutzt sollte an den Entlastungen für die Autofahrer beteiligt werden. Schließlich haben sich die, die Auto fahren es sich selbst ausgesucht und ich habe dort langsam aber sicher auch kein Verständnis mehr das Autofahrer immer was extra bekommen und andere Leute sehen müssen wie sie über die Runden kommen. Und nur weil die Tankstellen Betreiber so viel zahlen müssen an Steuern eigentlich ist der Preis in Deutschland zum Vergleich in vielen Nachbar Staaten so teuer.
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