Call by Call und Preselection: Das Ende ist nah

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Du kennst das vielleicht: Mal eben schnell hast du an deinem Telekom-Festnetzanschluss zum Telefon gegriffen, den besten Kumpel in Neuseeland angerufen, weil der dort gerade unterwegs ist, um die Hobbits zu finden. Und auf der nächsten Rechnung dann der Schock: Sündhaft teuer war das Gespräch, weil ihr euch verquatscht habt und du es versäumt hast, eine Call-by-Call-Nummer vorzuwählen. Die gute Nachricht ist: In Zukunft kannst du es besser machen. Die schlechte: Das Geld sparen per Sparvorwahl á la 01019 könnte demnächst enden.
Festnetztelefon
Bildquelle: AVM

Call by Call? Was ist das noch gleich? Aus Zeiten, in denen der deutsche Telekommunikationsmarkt Ende der 1990er Jahre in die Regulierung startete, kennst du sicherlich noch die Möglichkeit, eine fünfstellige Nummer vorzuwählen, um günstiger als über deinen Telekom-Anschluss selbst telefonieren zu können. Im Zeitalter von Festnetz-Flatrates ist dieses Verfahren ein bisschen in Vergessenheit geraten. Und noch etwas ist in diesem Zusammenhang wichtig.

Call by Call: Nutze es, so lange du noch kannst

Das Sparen per Telefon-Vorwahl klappt nämlich nur, wenn du deinen Telefonanschluss bei der Deutschen Telekom hast. Nicht aber wenn du mit dem Anschluss schon zu einem Wettbewerber wie Vodafone, O2, 1&1 oder auch zu einem Stadtnetzbetreiber wie M-Net oder NetColonge gewechselt bist. Hintergrund ist, dass die Regulierung vorsah, den Wettbewerb zu stärken.

Interessant war und ist Call by Call primär für all jene, die nicht über eine Flatrate telefonieren. Wenn du also einen Pauschalbetrag bezahlst, um unbegrenzt zu telefonieren, bist du in der Regel fein raus. Allerdings in aller Regel nur bei Gesprächen in das deutsche Festnetz. Wenn du vom Haustelefon aus zu Handys oder ins Ausland telefonieren möchtest, kann sich eine Call by Call Nummer auch heute noch sehr lohnen.

Bis mindestens Ende 2022 ist das auch in Zukunft noch möglich, teilten die Deutsche Telekom und die Branchenverbände DVTM und VATM am Mittwoch mit. Auch die feste Voreinstellung einer Call-by-Call-Nummer, im Fachjargon Preselection genannt, bleibt bis zum 31. Dezember erhalten. Danach soll vermutlich Schluss sein. Die nun geschlossene Vereinbarung ermögliche „einen ’sanften‘ Ausstieg aus diesem Marktmodell mit einer langen Übergangszeit, auf die der Markt sich mit kundenfreundlichen Alternativen einstellen kann“, heißt es in einer Mitteilung.

Bundesnetzagentur sieht keine marktbeherrschende Stellung der Deutschen Telekom mehr

Heutzutage stellen noch etwa 90 Anbieter ihre Call-by-Call- und Preselection-Dienste für günstige Tarife ins Ausland oder in Mobilfunknetze zur Verfügung. Die Bundesnetzagentur hatte vor wenigen Wochen den Endkundenmarkt für Sprachtelefonie einer Prüfung unterzogen und festgestellt, dass die Deutsche Telekom nicht mehr als marktbeherrschendes Unternehmen auftritt. Sollte eine Überprüfung der EU-Kommission in Brüssel zu dem gleichen Ergebnis kommen, wird die Telekom unter anderem nicht mehr verpflichtet sein, Call by Call oder Preselection anzubieten.

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1 KOMMENTAR

  1. OMG – ich hab dieses ganze Thema mit Riesen Euphorie entstehen sehen und jetzt darf ich miterleben wie es wieder vom Markt verschwindet. Da fühlt man sich schon ganz schön alt.

    Aber: Man sieht, wie sich die Halbwertszeiten innovativer Ideen extrem verkürzt hat. Früher hat eine innovative Idee Unternehmen über viele Jahrzehnte getragen, heute ist gut 20 Jahren scheinbar schon Schluss.

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