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Aus Riester nichts gelernt? Der Nachfolger macht dieselben Fehler

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Mehr Aktien, weniger Bürokratie und bis zu 1.140 Euro Förderung: Der Riester-Nachfolger soll vieles besser machen. Doch schon die ersten Konzepte zeigen, dass ausgerechnet der größte Fehler des alten Modells zurückkehren könnte.
Riester ist tot, doch der Nachfolger macht dieselben Fehler – trotz 540 Euro Zuschuss vom Staat
Riester ist tot, doch der Nachfolger macht dieselben Fehler – trotz 540 Euro Zuschuss vom StaatBildquelle: Carlos Pernalete Tua / Pexels

Die Riester-Rente ist gescheitert. Daran zweifelt heute kaum noch jemand. Zu kompliziert, zu teuer, zu wenig Rendite. Millionen Verträge existieren zwar noch, doch viele werden längst nicht mehr bespart. Statt den Vermögensaufbau der Bürger zu fördern, flossen erhebliche Teile der staatlichen Zulagen in Abschlusskosten, Verwaltung und Vertrieb. Für viele Sparer blieb von der versprochenen privaten Altersvorsorge deutlich weniger übrig als erhofft.

Riester-Nachfolger: Die gleichen Fallen?

Nun soll ab 2027 alles besser werden. Die Bundesregierung will Riester durch ein neues Vorsorgedepot ersetzen: einfacher, flexibler und renditestärker. Mehr Aktien, weniger starre Garantien und eine staatliche Förderung von bis zu 540 Euro jährlich sollen das Modell attraktiver machen. Mit Kindern sind sogar bis zu 1.140 Euro drin.

Das klingt nach einem echten Neuanfang. Doch noch bevor das Gesetz beschlossen ist, deutet sich an, dass sich ausgerechnet der größte Fehler von Riester wiederholen könnte.

Der erste Anbieter zeigt, wohin die Reise gehen könnte

Besonders deutlich wird das beim größten Riester-Anbieter Deutschlands. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hat als erster Anbieter konkrete Pläne vorgestellt. Und die erinnern erstaunlich stark an bekannte Muster.

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Statt auf möglichst einfache und günstige ETF-Lösungen setzt das Unternehmen erneut auf aktives Fondsmanagement, Garantien und komplexe Produktstrukturen. Also genau jene Bausteine, die Riester über Jahre teuer gemacht haben.

Natürlich klingt das in den Produktbeschreibungen deutlich eleganter. Dort ist von Lebenszyklusmodellen, taktischen Anpassungen und individuellen Sicherheitsbedürfnissen die Rede. Übersetzt bedeutet das vor allem eines: Anleger zahlen Gebühren dafür, dass Fondsmanager versuchen, den Markt zu schlagen. Ein Vorhaben, das langfristig nur wenigen gelingt.

Das eigentliche Problem sind die Gebühren

Seit Jahren zeigen zahlreiche Untersuchungen dasselbe Bild: Nach Kosten schneiden viele aktiv gemanagte Fonds schlechter ab als breit gestreute ETFs. Der Grund ist einfach. Ein ETF bildet lediglich einen Index nach und verursacht deshalb nur sehr geringe laufende Kosten. Genau daran verdienen Banken, Versicherer und Fondsanbieter allerdings deutlich weniger als an komplexen Vorsorgeprodukten.

Deshalb darf auch das neue staatlich geförderte Vorsorgedepot laufende Kosten von bis zu einem Prozent pro Jahr verlangen. Das klingt zunächst überschaubar. Über 30 oder 40 Jahre macht dieser Unterschied jedoch enorm viel aus.

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Ein normaler ETF kostet häufig nur 0,1 bis 0,2 Prozent jährlich. Das neue Vorsorgedepot darf also ein Vielfaches kosten. Entscheidend ist dabei nicht nur die Gebühr selbst. Jeder Euro, der heute als Kosten abgeht, kann über Jahrzehnte keine Rendite mehr erwirtschaften. Genau dieser Zinseszinseffekt kostet Sparer am Ende oft Zehntausende Euro.

Die Politik begründet die Obergrenze damit, dass solche Produkte wirtschaftlich angeboten werden müssen. Doch genau darin liegt das Dilemma: Je lukrativer das Produkt für die Anbieter ist, desto geringer fällt häufig die Rendite für den Kunden aus.

Die Förderung landet nicht vollständig beim Sparer

Besonders widersprüchlich ist deshalb die staatliche Förderung. Der Staat zahlt Geld, damit Menschen Vermögen fürs Alter aufbauen. Gleichzeitig fließt ein Teil dieser Förderung über Gebühren, Verwaltungskosten und Fondsmanagement wieder zurück an die Finanzbranche.

Man könnte auch sagen: Der Staat subventioniert nicht nur Altersvorsorge. Er subventioniert zugleich die Produkte, mit denen diese Altersvorsorge verkauft wird. Genau darin liegt das eigentliche Problem der Reform. Es geht nicht darum, ob Aktien künftig erlaubt sind oder Garantien gelockert werden. Entscheidend ist, welches Produkt der Staat fördert.

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Würde dieselbe Förderung auch für einen einfachen ETF-Sparplan gelten, müssten teure Vorsorgeprodukte ihren Mehrwert überhaupt erst beweisen. Stattdessen schafft das neue Modell erneut Anreize für komplexe Konstruktionen, an denen vor allem die Anbieter verdienen.

Modellrechnungen zeigen schon heute, dass ein einfacher ETF-Sparplan trotz fehlender Förderung am Ende mehr Vermögen bringen kann als das neue Vorsorgedepot. Nicht weil der Staat zu wenig Geld zuschießt, sondern weil niedrige Kosten langfristig oft mehr bewirken als hohe Zuschüsse.

Genau deshalb droht sich die Geschichte zu wiederholen. Die Riester-Rente verschwindet zwar. Das Geschäftsmodell dahinter könnte jedoch bestehen bleiben.

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild Twietmeyer

    Wenn wir den 7 Lobbyisten pro Abgeordneten im Bundestag den Zugang verwehren, denken die Abgeordneten möglicherweise wieder selbst, werden konsenzfähig und ein größeres Bundeskanzleramt ist dann auch übnerflüssig.

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