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Warum sich ausgerechnet der Trick mit der Alufolie hinterm WLAN-Router so hartnäckig hält, lässt sich ziemlich leicht beantworten. Er kostet fast nichts. Er sieht nach Insiderwissen aus. Und er hat, anders als die meisten Basteltipps aus dem Netz, tatsächlich einen wissenschaftlichen Kern. Genau das unterscheidet ihn von der Münze auf dem Router, die regelmäßig danebenliegt und schlicht nichts tut.
Auf Instagram und TikTok läuft der Trick seit Monaten rauf und runter. In den vergangenen Wochen haben ihn GIGA, GamePro und ein ganzer Schwarm Ratgeberseiten aufgegriffen. Wer danach sucht, findet Dutzende Anleitungen, die alle dasselbe versprechen: besseres WLAN. Und alle stützen sich auf dieselbe Zahl: 55 Prozent mehr Signal. Sie stammt aus einer Untersuchung des Dartmouth College von 2017. Ein Team um Xia Zhou hatte damals Reflektoren gebaut, deren Form eine Software für den jeweiligen Grundriss berechnete und die anschließend aus dem 3D-Drucker kamen. Und da haben wir das erste Problem: Der in den Videos propagierte Trick mit einem aufgebogenen Schuhkarton samt Alufolie hat damit ungefähr so viel zu tun wie ein Maßanzug mit einem Bettlaken.
Was bei der Nachmessung herauskam
Doch wie so oft im Leben: Fakten sind besser als Vermutungen und Behauptungen. Was also bringt die Alufolie hinter einem WLAN-Router? Bei CHIP hat man sich die Arbeit gemacht, den Alukarton zu bauen und zu messen. Die Kollegen haben einen Schuhkarton mit Alufolie ausgekleidet, zu einer gebogenen Fläche geformt und hinter dem Router aufgestellt. Gemessen wurde mit der FRITZ!App WLAN – unter anderem an einem Platz im Garten.
Das Ergebnis: Vorher zeigte die App 16 Prozent Signalstärke an, im Schnitt 92 Mbit/s und einen Paketverlust von 54 Prozent. Nachher: 22 Prozent Signal, 124 Mbit/s Durchsatz und ein Paketverlust von nur noch 11 Prozent. Rund ein Drittel mehr Durchsatz für ein paar Cent. Trotzdem raten die Kollegen unterm Strich davon ab, den Versuchsaufbau nachzubauen. Warum? Sie haben im Stundentakt nachgemessen. Die Werte blieben schwankend; einen dauerhaft besseren Empfang wollen sie deshalb ausdrücklich nicht bescheinigen. „Wenig empfehlenswerte Lösung“, lautet das Fazit.
Warum wir den CHIP-Messungen ohnehin nicht trauen
Uns fallen bei dem beschriebenen Test noch zwei Dinge auf, die der Trick-Erzählung noch stärker widersprechen. Erstens ist die Signalstärke in Prozent keine physikalische Größe, sondern eine Skala der App. Funkleistung misst man in dBm, und zwar logarithmisch. Wer aus einem Anstieg von 16 auf 22 Prozent „37 Prozent mehr Signal“ macht, rechnet mit einer Anzeige, nicht mit einem Messwert. Genau das passiert in den viralen Postings ständig. Selbst wenn du ein Handy im WLAN-Bereich unter normalen Voraussetzungen still hältst, schwankt diese Anzeige laufend.
Zweitens passen die beiden Kernzahlen nicht zusammen. Ein Paketverlust von 54 Prozent bedeutet, dass jedes zweite Datenpaket nicht ankommt. Eine normale Verbindung bricht dabei praktisch zusammen; sie liefert keine 92 Mbit/s. Unsere Vermutung: Die 92 Mbit/s sind die Bruttodatenrate, die die App anzeigt, und kein gemessener Durchsatz. Belegt ist das nicht; CHIP nennt die Messmethode nicht im Detail. Es ist aber aus unserer Sicht eine Lesart, mit der die Werte Sinn ergeben.
Das eigentliche Denkproblem
Ein Alu-Reflektor ist kein Aluhut. Er funktioniert, nur eben anders, als das Versprechen lautet. Er erzeugt keine zusätzliche Sendeleistung. Er verteilt die vorhandene um. Was in eine Richtung mehr geht, fehlt in allen anderen. Und damit ist er auch kein Repeater, auch wenn er im Netz oft so genannt wird. Ein Repeater empfängt das Signal und sendet es an einem neuen Ort erneut aus. Er schafft also eine zusätzliche Funkquelle. Alufolie schafft gar nichts; sie lenkt nur um.
Und damit löst er in den seltensten Fällen dein Problem. Denn wer zu Hause schlechtes WLAN hat, hat fast nie ein Richtungsproblem. Er hat ein Flächenproblem. Ein Zimmer, zwei Zimmer, das Obergeschoss, der Garten. Ein Reflektor kann davon genau eine Ecke bedienen und verschlechtert dabei alle übrigen.
Dazu kommt: Die meisten Router im Land haben keine sichtbaren Antennen mehr, sondern interne. Wo die sitzen und wohin sie strahlen, weiß man als normaler Nutzer nicht. Das Ausrichten wird damit zum Ratespiel. CHIP nennt es selbst Fummelei. Und das trifft es.
Was stattdessen hilft
Der wirksamste Eingriff kostet weiterhin nichts: der Standort des Routers. Nicht in den Schrank. Nicht hinter den Fernseher. Nicht auf den Boden. Frei, hoch, möglichst mittig. Warum das oft mehr bringt als neue Hardware, haben wir uns in einem eigenen Artikel angesehen.
Reicht das nicht, kommt der Repeater. Und dann gilt die Regel, die in unseren Tests immer wieder auftaucht: Er gehört nicht ins Funkloch, sondern auf halber Strecke davor. Ein Repeater kann nur weitergeben, was er selbst sauber empfängt. Steht er im schlechten Signal, verstärkt er das schlechte Signal.
Sonderfall WLAN im Garten
CHIP misst im Garten. Das haben wir auch schon mehrfach durchgespielt. Aber nicht mit Schuhkarton und Alufolie für ein minimal besseres Signal, sondern vernünftig mit einem speziellen Repeater für den Außenbereich. Der FRITZ!Repeater 1610 Outdoor liefert im Freien starke Reichweite, will dafür aber per Kabel angebunden werden. Der eero Outdoor 7 von Amazon lässt sich auch per Funk anbinden, braucht dann aber schon am Montageort ein brauchbares Signal, und er läuft ausschließlich im eero-System. Wie sich die beiden WLAN-Außensender im Vergleich verhalten, haben wir dir zusammengestellt. Ja, die Geräte kosten mehr als ein Schuhkarton und Alufolie, liefern aber auch deutlich mehr WLAN.
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| Eero | Fritz! | |
|---|---|---|
| Outdoor 7 | FritzRepeater 1610 Outdoor |
Marktdaten
| UVP | 469,99 € | 129,00 € |
| Besonderheiten | Outdoor-Router mit Schutzklasse IP66 (starkes Strahlwasser) PoE+ | Outdoor-Router mit Schutzklasse IP54, PoE, Betrieb als WLAN-Repeater nur Indoor zugelassen |
Daten
| LAN-Anschlüsse (10 Gigabit/s) | nein | nein |
| LAN-Anschlüsse (2,5 Gigabit/s) | 1 | nein |
| LAN-Anschlüsse (Gigabit/s) | nein | 1 |
| Frequenz |
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| WLAN-Standard |
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| WLAN-Datenrate (brutto) | 2.100 Mbit | 3.000 Mbit |
Fazit zum WLAN-Alu-Verstärker
Was bleibt nun beim WLAN-Verstärker mit der Alufolie übrig? Wenig. Bau ihn ruhig, wenn du Lust hast. Er kostet fast nichts. Nur solltest du wissen, dass der Trick jetzt seit neun Jahren mit einer Zahl beworben wird, die aus einer Untersuchung mit einem 3D-gedruckten Spezialreflektor stammt, und dass die erste ernsthafte Nachmessung ihn nicht bestätigen konnte. Probiere lieber aus, deinem Router einen besseren Standort zu geben oder arbeite mit Mesh-Repeatern. Das spart Zeit und Nerven.



