Ein nuklearer Notfall oder gar ein Nuklearangriff wie eine Atombombe ist eine gewaltige Krise. Auch wenn wir alle hoffen, dass es nie dazu kommt, ist Wissen in diesem Moment deine wichtigste Versicherung. In der ersten Phase entscheiden oft Minuten über Leben und Tod. Wer vorbereitet ist, gerät weniger in Panik und hilft dabei, die Rettungskräfte zu entlasten. Die folgenden Schritte sind keine bloßen Tipps, sondern lebenswichtige Regeln für den Ernstfall.
Die ersten Minuten: Sofort richtig reagieren
Die Auswirkungen einer Explosion spürst du sofort. Zuerst kommt ein extrem heller Lichtblitz, dann die Hitzewelle und schließlich die Druckwelle. Da Licht schneller ist als Schall, ist der Blitz dein Warnsignal – du hast nur Sekunden.
Das musst du bei einer Detonation sofort tun, wenn du dich draußen befindest:
- Nicht in das Licht schauen! Such niemals nach der Quelle des Blitzes, das kann dich blind machen. Leg dich sofort flach auf den Boden, am besten in eine Mulde oder Senke.
- Leg dich mit dem Gesicht nach unten hin, schließ die Augen und deck deinen Kopf mit den Händen ab. Lass den Mund leicht offen – das schützt dein Trommelfell vor dem enormen Druck. Bleib liegen, bis die Druckwelle komplett vorbei ist.
- Such Schutz in festen Häusern aus Beton oder Stein. Keller sind bei einer Explosion in der Nähe deine beste Chance. Autos oder Gartenhütten sind keine sicheren Orte; sie können von der Druckwelle wie Spielzeug weggeweht werden.
Nach der Explosion hast du etwa 10 Minuten Zeit, bevor der gefährliche radioaktive Staub (der sogenannte Fallout) zu Boden sinkt. Nutze diese Zeit, um einen sicheren, massiven Schutzraum wie einen Keller oder eine Tiefgarage aufzusuchen. Danach solltest du den Raum nicht mehr verlassen.
Das ist zu tun, wenn du dich im Gebäude befindest:
Aber was ist, wenn du dich im Haus aufhältst? Wenn dich der Lichtblitz erwischt, während du drinnen bist, hast du keine Zeit mehr, das Gebäude zu verlassen. Jetzt zählt jede Sekunde, um dich vor Glassplittern und Trümmern zu schützen:
- Weg von den Fenstern – das ist die wichtigste Regel. Die Druckwelle lässt Fensterscheiben zerbersten und schleudert die Splitter mit enormer Geschwindigkeit in den Raum.
- Such dir sofort einen Raum ohne Fenster, am besten im Inneren des Gebäudes. Das Badezimmer ist ideal, da die Wände dort oft massiv sind und die Leitungen zusätzliche Stabilität bieten können.
- Wenn kein fensterloser Raum erreichbar ist, leg dich unter einen stabilen Tisch oder ein Bett, weg von Glasflächen und schweren Schränken, die umkippen könnten.
- Auch im Haus gilt: Sofort flach auf den Boden legen, Kopf schützen und den Mund leicht öffnen, um den Druck auszugleichen.
- Wenn du dich bereits in Sicherheit befindest (und nur dann!!) und die unmittelbare Gefahr (Druckwelle, Trümmer) vorüber ist, nutze die ersten zwei bis fünf Minuten (nicht länger!), um Wasser in der Wanne, in Töpfen und in verschlossenen Behältern zu sichern. Priorisiere aber niemals Wassersammeln über das sofortige Aufsuchen von Deckung.
Schutz vor radioaktivem Staub: Die erste Stunde
Radioaktiver Fallout besteht aus winzigen, unsichtbaren Partikeln. Wenn du diese Partikel von deinem Körper fernhältst, senkst du dein Gesundheitsrisiko enorm.

Wichtige Schritte zur Reinigung (Dekontamination):
- Kleidung ausziehen: Bevor du deinen Schutzraum betrittst, zieh die äußere Kleidung (Jacke, Schuhe) aus. Pack alles in Plastiktüten und verschließ diese fest. Damit entfernst du bereits rund 80 Prozent des radioaktiven Materials von deinem Körper.
- Richtig waschen: Wasch dir zuerst gründlich die Hände und das Gesicht, damit kein Staub in Augen oder Mund gelangt. Danach kannst du den Körper vorsichtig abduschen. Wichtig: Nicht zu fest schrubben, damit die Partikel nicht in die Haut gerieben werden.
- Alles abdichten: Schließ Fenster und Türen. Klimaanlagen und Lüftungen müssen sofort ausgestellt werden, damit keine Außenluft reinkommt. Kleb Ritzen an Fenstern und Türen am besten mit Klebeband ab.
- Haustiere schützen: Bring Tiere in einen extra Bereich, bürste ihr Fell gründlich aus und wasch sie, damit sie keinen gefährlichen Staub im Haus verteilen.
Die ersten 24 Stunden: Verhaltensregeln im Schutzraum
In den ersten 24 Stunden ist Disziplin dein wichtigster Begleiter. Damit du genau weißt, was zu tun ist und was du unbedingt lassen solltest, haben wir hier die wichtigsten Regeln für dich gegenübergestellt:
- Der sicherste Ort im Haus
- ✅ Richtig: Halte dich im Keller oder in der Mitte eines massiven Gebäudes auf. Je mehr Stein und Beton zwischen dir und der Außenwelt liegen, desto besser ist die Abschirmung.
- ❌ Gefährlich: Bleib niemals in der Nähe von Fenstern oder Außenwänden. Geh auf keinen Fall ins Freie.
- Kommunikation und Infos
- ✅ Richtig: Nutze ein batteriebetriebenes Radio. Das ist im Ernstfall oft die einzige Verbindung zur Außenwelt. Ein elektromagnetischer Impuls (EMP) kann bei einem Nuklearangriff Stromnetze, Mobilfunk und Internet schlagartig lahmlegen – und unter Umständen auch Fahrzeuge und medizinische Geräte. Wer auf lebensnotwendige elektrische Geräte angewiesen ist, sollte das bei seiner Vorbereitung besonders bedenken.
- ❌ Gefährlich: Verlass dich nicht auf das Internet oder dein Handy.
- Lüftung und Atemluft
- ✅ Richtig: Bleib in innenliegenden Räumen und sorge dafür, dass alle Öffnungen nach draußen (Ritzen, Schlüssellöcher) abgedichtet sind.
- ❌ Gefährlich: Benutze keine Ventilatoren oder Klimaanlagen, die Luft von draußen ansaugen. Das würde den radioaktiven Staub direkt zu dir bringen.
- Essen und Trinken
- ✅ Richtig: Iss nur Lebensmittel aus versiegelten Packungen oder Konserven. Trink ausschließlich Wasser aus verschlossenen Flaschen.
- ❌ Gefährlich: Finger weg von frischem Obst oder Gemüse aus dem Garten oder Milch von Tieren, die draußen standen.
- Sauberkeit und Hygiene
- ✅ Richtig: Wische Staub im Raum nur mit feuchten Tüchern auf, um ihn zu binden. Wasch dir vor dem Essen immer gründlich die Hände.
- ❌ Gefährlich: Kehre niemals trocken und benutze keinen Staubsauger. Das würde den radioaktiven Staub nur in der Luft verteilen, die du einatmest.
Langzeitstrategie: Wie es weitergeht
Nach dem ersten Tag geht es darum, mit deinen Vorräten klug umzugehen und geduldig zu sein.
- Verlass deinen Unterschlupf erst, wenn die Behörden es über das Radio ausdrücklich erlauben. Auf eigene Faust loszuziehen, kann dich direkt in verstrahlte Gebiete führen.
- Achte auf deine Gesundheit. Anzeichen wie Übelkeit oder Erbrechen können Symptome der Strahlenkrankheit sein. Such ärztliche Hilfe, sobald es sicher ist.
- Teile deine Vorräte gut ein. Rechne mit 2 Litern Trinkwasser pro Person am Tag. Plan zusätzlich Wasser für die Hygiene ein. Die Krise kann Wochen dauern, also teile gerade dein Essen gut ein.
- Bereite dich mental auf eine schwere Zeit vor und schütze deine Vorräte. In Notfällen musst du deine Ressourcen sichern können.
Checkliste: Was du im Haus haben solltest

Wenn du diese Dinge bereitstehen hast, erhöhst du deine Sicherheit enorm.
Essen & Trinken
- [ ] Trinkwasser für 2 Wochen (ca. 4–6 Liter pro Person/Tag für alles).
- [ ] Haltbares Essen (Dosen, Riegel, Nudeln).
- [ ] Babynahrung oder Futter für Haustiere.
- Lies dazu unbedingt auch: Diese Dinge sollte jeder im Haus haben
Technik & Werkzeug
- [ ] Batterie-Radio mit Ersatzbatterien.
- [ ] Taschenlampe und Powerbanks.
- [ ] Klebeband (Duct Tape) und starke Folien zum Abdichten.
- [ ] Messer, Hammer und anderes Werkzeug.
Medizin & Erste Hilfe
- [ ] Verbandskasten (besonders für Brandwunden).
- [ ] Desinfektionsmittel.
- [ ] Kaliumjodid-Tabletten (nur nach offizieller Anweisung nehmen!).
- [ ] Deine persönlichen Medikamente für mehrere Wochen.
Kleidung & Schutz
- [ ] Gummistiefel und Regenponchos (lassen sich leicht abwaschen).
- [ ] FFP3-Masken (schützen davor, Staub einzuatmen).
- [ ] Einweg-Schutzanzüge oder alte Kleidung, die entsorgt werden kann.
Planung
- [ ] Feste Schutzorte kennen (eigener Keller, Tiefgaragen).
- [ ] Ein Notfallplan für die ganze Familie.
Wichtig! Kaliumiodid-Tabletten: Was sie können – und was nicht
In der Checkliste findest du Kaliumiodid-Tabletten. Dazu ist ein wichtiger Hinweis nötig, den viele falsch verstehen: Diese Tabletten sind kein Allheilmittel gegen Strahlung. Sie schützen ausschließlich die Schilddrüse davor, radioaktives Jod aufzunehmen – und das auch nur, wenn sie rechtzeitig, also vor oder kurz nach der Exposition, eingenommen werden. Gegen alle anderen Formen radioaktiver Strahlung sind sie wirkungslos. Nimm sie deshalb nur auf ausdrückliche Anweisung der Behörden ein – eine falsche oder zu frühe Einnahme kann schaden, besonders bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen oder Jodallergien.
Bitte nicht vergessen! Sprich vorher (!) mit deiner Familie
Vorbereitung ist das Einzige, was du in einer solchen Lage selbst kontrollieren kannst. Deswegen ist der Punkt „Planung“ in der Checkliste so entscheidend.
Klärt vorab ab, in welchen Raum ihr euch im Haus zurückzieht, wenn es schnell gehen muss. Bedenkt, dass das Internet zusammenbrechen wird und ihr vielleicht tagelang niemanden kontaktieren könnt. Macht deshalb bereits jetzt mit euren wichtigsten Kontakten einen konkreten Treffpunkt aus – für den Moment, wenn die Behörden Entwarnung geben.
Besprecht auch klare Regeln: Kinder suchen Schutz in der Schule und bleiben dort – sie laufen nicht nach Hause. Jeder weiß vorab, wo er am Arbeitsplatz oder unterwegs Schutz findet. Niemand versucht, während des Fallouts zu anderen zu gelangen.
Sobald Behörden Entwarnung geben – erfahrungsgemäß nach 24 bis 72 Stunden – kannst du das Haus wieder relativ gefahrlos verlassen und den vereinbarten Treffpunkt aufsuchen.
Was tun, wenn ein Angehöriger trotzdem vor der Tür steht?
Zunächst das Wichtigste: Das sollte die absolute Ausnahme bleiben. Jedes Öffnen der Tür ist ein Risiko für alle im Schutzraum – und je öfter die Tür aufgeht, desto mehr radioaktive Partikel gelangen herein. Wäge also sehr genau ab, bevor du handelst.
Falls es dennoch unumgänglich ist: Bitte die Person, draußen die Oberbekleidung auszuziehen und abzuschütteln. Falls möglich, abduschen mit einem Gartenschlauch. Dann öffnest du die Tür kurz, die Person tritt schnell ein, und du schließt sofort wieder. Das klingt hart – aber es schützt alle im Raum vor einer ernsthaften Kontaminierung.
Der beste Schutz vor genau dieser unmenschlich schweren Entscheidung ist ein vorab vereinbarter Plan – damit niemand auf die Idee kommt, während des Fallouts loszulaufen.
Bleibt zu hoffen, dass dieser Ratgeber das Unnötigste bleibt, was du je gelesen hast. Aber falls der Ernstfall doch eintreten sollte: Du weißt jetzt, was zu tun ist. Und vielleicht noch wichtiger – du kannst es weitergeben. Denn Vorbereitung schützt nicht nur dich.
