E-Auto gebraucht kaufen: Darauf kommt es wirklich an

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Wer ein E-Auto gebraucht kaufen möchte, hat viele Fragen. Wie gut ist die Batterie noch? Welche Reichweite hat der Gebrauchte? Und gibt es eigentlich eine Förderung vom Staat auch für gebrauchte Elektroautos? Wir beantworten diese und viele weitere Fragen.
E-Auto gebraucht kaufen: Alles, was du wissen musst
E-Auto gebraucht kaufen: Alles, was du wissen musstBildquelle: David von Diemar / Unsplash

Langsam, aber stetig wächst der Markt für gebrauchte Elektroautos. Wer sich gegen Diesel und Benziner entschieden hat und in Zukunft ein E-Auto fahren möchte, dem stellen sich beim Gebrauchtwagenkauf viele Fragen. Ist es beim Verbrenner die Laufleistung des Motors und Verschleißteile wie die Kupplung, die man beim Gebrauchtwagenkauf unter die Lupe nimmt, gibt es diese Dinge beim E-Auto nicht. Hier rücken eher die Restkapazität der Batterie und die Reichweite in den Vordergrund. Neben den generellen Regeln, die man beim Autokauf beachten sollten, gibt es bei der Besichtigung eines Stromers also einige neue Aspekte.

Die Angst vor niedriger Reichweite und neuer, teurer Ersatz-Batterie

Beim Elektroauto ist die Batterie das wohl wichtigste und teuerste Element. Kauft man ein gebrauchtes E-Auto, kann sie zur Kostenfalle werden. Es ist wie beim Handy. Je öfter der Akku geladen wird, desto stärker die Alterung. Während beim Handy der Akku nach etwa zwei bis drei Jahren zunehmend schwächer wird und nach immer kürzeren Zeitabständen ans Ladegerät muss, ist das beim E-Auto nicht ganz so dramatisch. Beim Kauf sollte man sich durch den Verkäufer den Gesundheitszustand der Batterie („State of health“, kurz SoH) nachweisen lassen. Das ist kein Problem, wenn der Verkäufer alle Wartungen und Kontrollen in einer Werkstatt hat durchführen lassen. Denn hier wird die Batterie regelmäßig auf ihren Zustand überprüft und die Werkstatt erstellt Prüfprotokolle. Hat der Verkäufer auch noch ein gepflegtes Scheckheft, ist das schon einmal ein erstes gutes Zeichen.

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Sind beim Verbrenner viele Kilometer auf dem Tacho ein Zeichen für einen hohen Verschleiß von Kolbenringen, Dichtungen und Kupplung, deutet eine hohe Laufleistung beim E-Auto auf eine zunehmend schwache Batterie hin. Hat der Stromer also 10 Jahre auf dem Buckel und bereits 200.000 Kilometer gelaufen, wurde er entsprechend oft geladen. Die Kapazität der Batterie dürfte also bei Weitem nicht mehr dem entsprechen, was der Hersteller beim Verkauf angab. Ein Austausch der Batterie, wenn er überhaupt noch möglich ist, kann ordentlich ins Geld gehen. Eine neue Batterie für ein E-Auto kann 10.000 bis 15.000 Euro kosten. Auch wenn nicht immer die ganze Batterie getauscht werden muss, sondern nur ein Modul, muss man mit mindestens 2.000 Euro (inklusive Einbau) rechnen. Es lohnt sich dann womöglich eher, 1.000 Euro für ein gebrauchtes E-Auto mehr auszugeben, wenn es jünger ist und weniger Kilometer gelaufen hat.

Was ist mit der Restkapazität?

Der ADAC zeigt in einer Liste, wie lang die Herstellergarantien auf Akkus sind. VW, Audi und BMW etwa geben eine Garantiedauer von 8 Jahren und 160.000 Kilometern. Die Mindestkapazität liegt dann noch bei 70 Prozent. So lautet zumindest das Versprechen der Autobauer. Während ein Verbrenner mit 400.000 Kilometern bei entsprechender Pflege noch einmal problemlos 200.000 Kilometer fahren kann, ist das beim E-Auto nicht so einfach. Zwar gibt die Toyota-Tochter Lexus auf den UX300e eine Garantie von 10 Jahren und einer Million Kilometern. Doch bei älteren E-Auto-Modellen, die Batterien der ersten Generationen mit sich herumfahren, sind solche Werte im Hinblick auf die Lebensdauer utopisch.

Die Batterie eines VW ID.Buzz
Die Batterie eines VW ID.Buzz

Willst du mit deinem neuen gebrauchten E-Auto täglich Strecken von 50 Kilometern pendeln, langt ein zehnjähriges Modell wie ein Renault Zoe oder Nissan Leaf aus. Doch willst du auch mal 100 Kilometer fahren, könnte es mit den eben genannten Modellen samt gealterter Batterie schon eng werden.

E-Auto gebraucht kaufen: Wie kann ich die Batterie prüfen?

Beim Gebrauchtwagenkauf sollte man sich hinsichtlich der Reichweite nicht auf das verlassen, was der Verkäufer sagt. Denn es kommt nicht nur auf die Fahrweise an. Auch andere Gegebenheiten wie der Wohnort (ist es eher bergig oder flach?) und die Temperaturen spielen eine Rolle und wirken sich positiv wie negativ auf die Reichweite aus. So kommt man mit einem E-Auto im Sommer womöglich noch 200 Kilometer weit, während man im Winter nach bereits 100 Kilometern wieder an die Ladesäule muss.

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Wie weit man mit dem gebrauchten E-Auto und seiner Batterie noch kommt, lässt sich bei einem Privatkauf kaum ermitteln. Es ist zwar absehbar, dass es bald Geräte geben wird, mit denen jeder über die OBD-Schnittstelle des E-Autos den Zustand der Batterie auslesen kann. Doch noch können nur Werkstätten oder Prüforganisation wie die GTÜ näheres über den Zustand der Batterie sagen.

Inzwischen bietet der ADAC gemeinsam mit Aviloo eine Box für rund 50 Euro an (Aktionspreis bis zum 13. Juni 2022, anschließend 99 Euro), die man sich zusenden und in den OBD-Steckplatz des E-Autos einstecken kann. Die Box prüft die Batterie im Rahmen von Alltagsfahrten und sendet die Daten zur Auswertung via Mobilfunk an die Aviloo-Cloud. Das Problem: Der Test beginnt, wenn das Elektroauto vollgeladen ist und man es so weit fährt, bis der Ladazustand unter 10 Prozent sinkt. Das lässt sich bei einem Kauf eines gebrauchten Elektroautos in der Praxis aber kaum umsetzen. Hat der Verkäufer eines E-Autos also keinen aktuellen Prüfbericht einer Werkstatt, bist du bei den Preisverhandlungen im Vorteil.

Test-Box für E-Auto-Akku von Aviloo
Test-Box für E-Auto-Akku von Aviloo

Interessant dabei ist in diesem Zusammenhang, dass man den Gesundheitszustand der Batterie zwar relativ einfach auslesen kann, Autos diesen ihren Fahrern aber nicht anzeigen. Stattdessen verlangen Hersteller und Werkstätten teils hohe Gebühren für ein Prüfprotokoll.

Ladetechnologien im Blick behalten

Was für den Verbrenner die Zapfsäule ist, ist für das E-Auto die Wallbox oder Ladesäule. Ist ein Benziner innerhalb weniger Minuten vollgetankt, dauert das beim Stromer deutlich länger. Dabei entscheiden Ladetechnologie und Ladeleistung maßgeblich darüber, wie schnell und flexibel ein Elektroauto einsetzbar ist. Kann man ein Elektroauto auch schnellladen (DC-Gleichstrom), ist es in relativ kurzer Zeit wieder für eine längere Strecke einsatzbereit. Lässt sich der Stromer aber nur per Wechselstrom (AC) normal laden, benötigt es einige Stunden oder sogar die ganze Nacht, um seine volle Reichweite aufzubauen.

Ladetechnologien beim Kauf des gebrauchten E-Autos im Blick behalten
Ladetechnologien beim Kauf des gebrauchten E-Autos im Blick behalten

Zudem gibt es auch beim AC-Laden Unterschiede. Manche Bordladegeräte können nur eine, manche zwei und im Idealfall können sie drei Phasen nutzen. Die möglichen Ladeleistungen variieren somit von 3,6 bis 22 Kilowatt. Ein gebrauchtes E-Auto mit alter Batterie, einer Reichweite von nur 100 Kilometern und einer langen Ladedauer kann so den Spaß am Fahren schon nach kurzer Zeit rauben.

Nicht nur auf die Batterie achten

Achtet man beim Kauf eines Benziners oder Diesel-Fahrzeugs auf Dinge wie einen möglicherweise durchgerosteten Auspuff oder einen undichten Motor, ist das beim E-Auto anders. Der Elektromotor ist wartungsfrei, es gibt weder Auspuff noch Kupplung oder Getriebe. Doch auch ein Elektroauto hat eine Karosserie, die rosten kann und Reifen, die eine Mindestprofiltiefe haben müssen. Übrigens: Die Reifen verschleißen beim E-Auto aufgrund des höheren Drehmoments schneller als beim Verbrenner.

Im Internet gibt es Checklisten zum Herunterladen und Ausdrucken. Der TÜV Nord etwa bietet eine solche Gebrauchtwagen-Checkliste an. Der ADAC gibt in seiner Checkliste auch noch zusätzliche Tipps zu Händlertricks und Besonderheiten bei Elektroautos.

Gibt es auch beim gebrauchten E-Auto einen Bonus vom Staat?

Ja, aber … Der Staat bezuschusst zwar auch gebrauchte Elektroautos und zahlt beim Kauf 6.000 Euro. Allerdings darf das gebrauchte E-Auto nicht länger als 12 Monate erstzugelassen gewesen sein. Hinzu kommt: Der Stromer darf höchstens 15.000 Kilometer auf dem Tacho haben, und der Vorbesitzer darf noch keine Förderung beantragt haben. Wer also einen etwa fünf Jahre alten Gebrauchten kaufen will, wird keinen Bonus erhalten.

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E-Auto gebraucht kaufen: Wie günstig geht es?

Bekommt man beim Kauf eines jungen Gebrauchten keinen Bonus vom Staat, ist der Preis meistens viel zu hoch. Die Preise liegen oft sogar über jenem, den der Neuwagenkäufer abzüglich Kaufprämie bezahlt hat. Hat der Käufer für einen Neuwagen beispielsweise 39.000 Euro bezahlt und einen Bonus von 9.000 Euro bekommen, kann er das Auto nach einem Jahr und einem Wertverlust von 5.000 Euro immer noch für 34.000 Euro verkaufen. Somit bezahlt man für einen Gebrauchten mehr, als würde man sich einen Neuwagen anschaffen.

E-Auto: Das ist das größte Problem

Anders sieht es aus, wenn man mit einem E-Auto liebäugelt, dass bereits 8 oder 10 Jahre alt ist. Diese Modelle gibt schon für unter 10.000 Euro. Im Vergleich zu ähnlich alten Verbrennern sind diese Modelle aber immer noch teuer. Hinzu kommen Folgekosten für bestimmte Reparaturen, die höher sind, als bei Fahrzeugen mit Benzin– oder Diesel-Motor.

Das solltest du wissen, wenn du dein gebrauchtes E-Auto wieder verkaufen willst

Am Ende bleibt der Restwert. Möchte man sein gebrauchtes E-Auto irgendwann wieder verkaufen, bekommt man, insbesondere wenn man ein E-Fahrzeug der ersten Generation hat, deutlich weniger dafür, als für einen Verbrenner. Die stetige Weiterentwicklung von Batterie und Ladetechnik und immer höhere Reichweiten machen ältere Elektroautos uninteressant. Und das macht sich beim Wiederverkaufswert bemerkbar.

Bildquellen

  • Die Batterie eines VW ID.Buzz: Volkswagen
  • Test-Box für E-Auto-Akku von Aviloo: Aviloo
  • Ladetechnologien beim Kauf des gebrauchten E-Autos im Blick behalten: myenergi / Unsplash
  • EU sagt Verbrennern den Kampf an: Jacek Dylag/Unsplash
  • E-Auto gebraucht kaufen: Alles, was du wissen musst: David von Diemar / Unsplash

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