Smartwatches sind bequem, solange du hinschaust, tippst und wischst. Aber was, wenn dein Handgelenk selbst zum Eingabegerät wird? Genau hier setzt Xiaomi an – und bringt eine Idee auf die Uhr, die mehr nach Science-Fiction als nach klassischem Wearable klingt. Die Watch 5 zeigt, wie viel Potenzial noch in scheinbar bekannten Formfaktoren steckt.
Ein großes Gehäuse mit Premium-Ambitionen
Auf den ersten Blick macht die Watch 5 klar, dass sie nicht dezent sein will. Das 47-mm-Gehäuse sitzt präsent am Arm und richtet sich an alle, die eine Smartwatch nicht verstecken möchten. Im Zentrum thront ein 1,54-Zoll-AMOLED-Display, das mit bis zu 1.500 Nits auch bei direkter Sonneneinstrahlung nicht einknickt.
Edelstahlrahmen und Saphirglas auf Front und Rückseite sorgen für den nötigen Premium-Eindruck. Trotz des großen Akkus bleibt die Uhr mit 56 Gramm angenehm tragbar. Sie wirkt massiver als eine Watch S4, ohne in die klobige Region mancher Outdoor-Modelle abzurutschen. Dazu kommt eine Wasserdichtigkeit bis 5 ATM – Schwimmen eingeschlossen.

Gestensteuerung, die nicht auf Zufall basiert
Der eigentliche Star steckt unsichtbar im Gehäuse: ein EMG-Sensor. Statt nur Bewegungen zu interpretieren, liest er elektrische Impulse deiner Muskeln aus. Faust ballen, Finger reiben – und die Uhr versteht, was du willst. Anruf annehmen, Musik steuern, ohne das Display zu berühren.
Der Unterschied zu bekannten Lösungen ist entscheidend: EMG erkennt auch feinste Muskelaktivitäten, selbst wenn sich dein Arm kaum bewegt. Das macht die Steuerung präziser und vor allem zuverlässiger. Es fühlt sich weniger nach „Trick“ an und mehr nach natürlicher Interaktion – als würde die Uhr einen Ticken früher reagieren als Modelle von Apple oder Samsung.
Gesundheitsfunktionen mit technischer Tiefe
Der EMG-Sensor arbeitet nicht allein. Kombiniert mit EKG-Funktionen ermöglicht er Herzrhythmusanalysen inklusive Vorhofflimmer-Erkennung. Dazu kommen die klassischen Sensoren für Herzfrequenz, Blutsauerstoff und Schlaftracking.
Auf einen Temperatursensor verzichtet Xiaomi zwar, gleicht das aber an anderer Stelle aus: Über 150 Sportmodi, animierte Trainingsanleitungen und farbige Offline-Karten für Outdoor-Aktivitäten machen die Uhr vielseitig. Egal ob Fitnessstudio oder Wanderpfad – die Watch 5 will mehr sein als ein reiner Schrittzähler.

Zwei Chips für mehr Ausdauer
Unter der Oberfläche setzt die Watch 5 auf eine Dual-Chip-Architektur. Ein leistungsstarker Hauptprozessor (Snapdragon W5) kümmert sich um System und Grafik, während ein sparsamer Zweitprozessor (Hengxuan-Prozessor (BES) 2800) kontinuierlich Gesundheitsdaten verarbeitet. Das Ziel ist klar: Leistung dort, wo sie nötig ist – Effizienz überall sonst.
Das Ergebnis zeigt sich im Alltag. Der 930-mAh-Akku hält im normalen Smartwatch-Betrieb rund sechs Tage durch. Mit aktiviertem Energiesparmodus sind sogar bis zu 18 Tage drin. Das nimmt dem täglichen Lade-Ritual seinen Schrecken und macht die Uhr deutlich alltagstauglicher.
Preis, der konkurrenzfähig bleibt
Die Watch 5 erscheint wahlweise mit GPS und WLAN oder als eSIM-Variante mit Mobilfunk. Farblich stehen Schwarz und Silber zur Auswahl, kombiniert mit unterschiedlichen Armbändern. In China startet der Preis bei umgerechnet rund 285 Dollar. Sollte dieser Preis international ähnlich bleiben, positioniert sich die Watch 5 selbstbewusst im High-End-Segment – mit einer Funktion, die andere Hersteller bislang nicht bieten. Die spannendere Frage lautet daher weniger, ob Xiaomi aufgeholt hat, sondern wer diesem Ansatz als Nächstes folgen wird.
