In Deutschland läuft aktuell ein Test einer neuen Benzinsorte. Schon seit Oktober 2023 erfolgt der Praxistest. Bislang wird sie nur in einem geschlossenen Flottentest abgegeben, unter anderem an Fahrzeuge der Südzucker AG. Der Kraftstoff heißt Super E20 und kommt von CropEnergies, einem Ethanol-Hersteller aus der Südzucker-Gruppe. Technisch geht es um Superbenzin mit einem höheren Anteil Bioethanol als bisher üblich (E10). Der ADAC begrüßt den Versuch ausdrücklich und verweist auf zusätzliche CO₂-Einsparpotenziale gegenüber dem heutigen Standard. Schon bald soll er an allen Tankstellen zu haben sein.
Warum du an der Tankstelle nicht einfach drauflos tanken solltest
Der entscheidende Punkt ist die Fahrzeugfreigabe. Eine höhere Ethanol-Beimischung ist nicht automatisch für jedes Auto geeignet. Gerade bei älteren Fahrzeugen oder Sonderfällen (zum Beispiel bestimmte Motorvarianten) kann das zu Problemen führen – und dann ist nicht der Sprit „schuld“, sondern das falsche Tanken. Das Risiko dabei: Du stehst an der Zapfsäule, siehst „Super“ und gehst davon aus, dass es schon passen wird. Genau das ist der Fehler. Solange Hersteller nicht klar freigeben, dass dein Modell die neue Sorte verträgt, solltest du E20 dann nicht tanken.
Welche Autos voraussichtlich freigegeben werden – und wo es Ausnahmen gibt
Aus dem Volkswagen-Konzern gibt es bereits konkrete Hinweise: Zur möglichen Markteinführung der neuen Benzinsorte (als Zeitraum werden 2027 oder 2028 genannt) sollen bei VW, Audi, Skoda, Seat, Cupra und VW Nutzfahrzeuge „so gut wie alle“ Modelle rückwirkend ab Modelljahr 2016 freigegeben sein. Gleichzeitig werden Ausnahmen genannt: Bestimmte Hochleistungsvarianten der 2.0 T(F)SI-Motoren oberhalb von 221 kW (300 PS), etwa im Golf R oder in Sondermodellen.
Auch BMW und Mercedes werden im Kontext als Hersteller genannt, die für große Teile ihrer Flotten Freigaben erteilt haben. Das heißt aber nicht, dass jedes Modell automatisch dabei ist. Am Ende zählt die Freigabe für genau dein Fahrzeug und genau deinen Motor. Da bleibt nur ein individueller Check.
So prüfst du das bei deinem Auto schnell und sauber
- Blick in die Tankklappe bzw. auf den Aufkleber am Fahrzeug: Ist die Sorte ausdrücklich genannt?
- In die Betriebsanleitung schauen: Dort muss die zulässige Kraftstoffspezifikation stehen.
- Im Zweifel Hersteller oder Werkstatt fragen – nicht raten.
- Nicht an der Tankstelle fragen, die Mitarbeiter dort sind in der Regel nicht geschult.
Preis, Verbrauch und die offene Norm-Frage
Beim Preis wird eher eine Nähe zum heutigen Super E10 erwartet, nicht ein klarer Abstand. Das bleibt aber Spekulation, weil sich Preise nicht nur über Herstellungskosten, sondern auch über Steuern, Markt und Abgaben bewegen.
Damit die neue Sorte breit verfügbar werden kann, muss die Kraftstoffnorm (DIN EN 228) angepasst oder erweitert werden. Sie lässt aktuell nur bis 10 Prozent Ethanol zu. Solange das nicht geregelt ist und Hersteller nicht flächendeckend freigeben, bleibt es in der Praxis bei Tests und punktuellen Angeboten.
