Stellantis, Muttergesellschaft von zahlreichen großen Pkw-Marken wie Opel, Peugeot und Citroën, hat unter der Woche auf seinem Investor Day eine weitreichende Neuausrichtung präsentiert. Unter dem Namen „FaSTLAne 2030″ plant der Konzern in den kommenden fünf Jahren Investitionen von 60 Milliarden Euro – und ordnet dabei seine 14 Marken in eine klare Hierarchie ein. Für den deutschen Traditionshersteller Opel bedeutet das einen deutlichen Rückschritt.
Opel bei Stellantis keine Kernmarke mehr
Künftig konzentriert Stellantis seine Ressourcen auf vier sogenannte globale Kernmarken: Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Auf diese Marken sowie auf das Nutzfahrzeuggeschäft Pro One sollen rund 70 Prozent der gesamten Produkt- und Markeninvestitionen entfallen. Sie sind sozusagen die tragenden Säulen im Konzern. Opel hingegen wird gemeinsam mit Citroën, Alfa Romeo, Chrysler und Dodge lediglich als Regionalmarke eingestuft. Lancia (unter Regie von Fiat) und DS Automobiles (unter Regie von Citroën) sind als Spezialmarken vorgesehen. Sie sollen weiter neue Autos unter eigener Marke an den Kunden bringen.
Beim Zusammenschluss von PSA und Fiat Chrysler im Jahr 2021 hatte Stellantis noch versprochen, alle Marken gleichwertig zu fördern. Jetzt klingt das anders. Auch wenn der Konzern betont, keine der Marken aufzugeben. Was das konkret bedeutet? Noch unklar. Doch es gibt klare Tendenzen. Neue Automodelle der oben genannten Regionalmarken dürften Plattformen und Technologien der vier Kernmarken nutzen. Dadurch lassen sich Kosten senken. Die Regionalmarken bleiben zwar eigenständig, verlieren aber an Exklusivität, da sie unterschiedlichen Designs bei identischer Technik bieten dürften.
In Summe ist geplant, bis 2030 60 komplett neue Modelle und rund 50 Facelifts, also bestehende Modelle mit optischen Anpassungen, an den Start zu schicken. Knapp 30 davon sollen mit einem rein elektrischen Antrieb fahren.
STLA One kommt
Zentrales Element der Neuaufstellung ist die universelle Fahrzeugplattform STLA One. Sie soll ab 2027 mehrere bisher getrennte Architekturen ersetzen und Modelle verschiedener Marken auf derselben technischen Basis zusammenführen – ausgelegt für Elektroautos, Hybride und Verbrenner gleichermaßen. Bis 2030 ist geplant, 50 Prozent des weltweiten Jahresabsatzes auf insgesamt drei globalen Plattformen zu produzieren.
Für Opel ist die Herabstufung trotzdem brisant. Denn der Entwicklungsstandort Rüsselsheim ist in den vergangenen Jahren ohnehin bereits stark geschrumpft. Einst waren dort rund 7.000 Ingenieure tätig, künftig sollen es laut Branchenberichten nur noch rund 1.000 sein. Stellantis spart sich also rund 85 Prozent seines Fachpersonals bei Opel in Rüsselsheim ein. Eine Zäsur!
Opel soll E-Auto mit Leapmotor entwickeln
Zugleich setzt Stellantis auf externe Partnerschaften, um Kosten zu senken. Gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor entwickelt Opel ein neues Elektro-SUV für die Kompaktklasse, das ab 2028 in Spanien gebaut werden soll. Leapmotor liefert dabei zentrale Teile der Elektroplattform sowie Batterie- und Softwaretechnik, während Opel Design, Fahrwerk und Anpassungen für den europäischen Markt übernimmt.
Stellantis begründet die Strategie mit dem Ziel langfristigen, profitablen Wachstums. Bis 2028 sollen die Kosten nach immensen Verlusten konzernweit um sechs Milliarden Euro sinken, der Umsatz bis 2030 auf 190 Milliarden Euro steigen. Für Opel-Fans bleibt die Frage, ob eine Marke mit deutlich weniger Eigenentwicklung und globalem Gewicht langfristig ihre Identität bewahren kann.
Die neue Strategie von Stellantis wirkt weniger wie ein Aufbruch als wie ein hektischer Rückzug. Nach Milliardenverlusten bei der Elektro-Offensive setzt der Konzern nun wieder stärker auf Hybrid- und Verbrennertechnik, verteilt Investitionen auf 14 Marken und hofft gleichzeitig auf Effizienz durch Plattformen, Partnerschaften und Kostensenkungen.
Das Problem: Genau diese Vielgleisigkeit war schon bisher ein Kernproblem des Konzerns. Statt klarer Prioritäten entsteht erneut der Eindruck eines Gemischtwarenladens mit zu vielen Marken, zu vielen Plattformen und zu wenig Identität. Dass 70 Prozent der Investitionen künftig nur noch in wenige Kernmarken fließen, zeigt zudem indirekt, wie wenig Zukunftsperspektive viele andere Marken offenbar noch haben.
Die Strategie klingt nach Pragmatismus – könnte aber auch als Zeichen strategischer Orientierungslosigkeit gelesen werden.
