Hast du ein Revolut-Konto, kannst du dort jetzt auch deinen Handyvertrag abschließen. Das Netz kommt von Telefónica Deutschland, also o2. Vertrag und Technik liefert der Mobilfunkdienstleister 1GLOBAL, Revolut tritt nur als Vermittler auf. Freigeschaltet wird das Angebot in den kommenden Wochen nach und nach für die laut Revolut mehr als drei Millionen Kunden in Deutschland. Ohne Revolut-Konto bleibt die Tür zu. Und ohne Handy mit eSIM auch.
So sieht der Tarif aus
Revolut Mobile kostet 14,99 Euro im Monat. Kündbar ist der Tarif monatlich. Eine Anschlussgebühr gibt es nicht. Enthalten sind eine Telefon- und SMS-Flat in alle deutschen Netze und 120 GB Datenvolumen. Du surfst mit bis zu 100 Mbit/s im Download und 32 Mbit/s im Upload. Das ist mehr als ausreichend für die Nutzung auf dem Handy.
Aber auch danach ist nicht Schluss. Sind die 120 GB aufgebraucht, geht es mit 2 Mbit/s weiter, und zwar unbegrenzt. Für Messenger, Musikstreaming und Navigation reicht das. Volles Tempo zurückkaufen kannst du allerdings nicht. Dennoch ist Revolut Mobile damit schneller als die meisten anderen Tarife in Deutschland, die nach Ablauf des Datenvolumens auf 32 oder 64 kbit/s gedrosselt werden.
eSIM ist Pflicht
Eine SIM-Karte aus Plastik gibt es nicht. Revolut Mobile funktioniert nur als eSIM, also als digitales SIM-Profil, das du direkt aufs Smartphone lädst. Dein Handy muss das unterstützen. Deine bisherige Rufnummer kannst du mitnehmen. Ein NordVPN-Abo ist inklusive, solange der Tarif läuft. Bis zu drei Zusatznummern kosten je 2 Euro im Monat, sie nehmen aber nur Anrufe und SMS an. Dafür hast du mit ihnen die Möglichkeit, bestimmten Kontakten eine andere Nummer zu geben als deine eigentliche private Handynummer. Eine besonders einprägsame VIP-Nummer kostet einmalig 10 Euro. Bezahlen kannst du die Rechnung für deinen Handytarif mit RevPoints, den Bonuspunkten aus dem Revolut-Konto.
Und dann ist da noch der Einführungspreis. Kunden, die sich vorab auf die Warteliste gesetzt haben, zahlen 12,50 Euro im Monat. Laut Revolut-Hilfeseite läuft das Angebot bis zum 28. Oktober 2026. Wer bis dahin bucht, zahlt den Preis „bis auf Weiteres“. Eine Preisgarantie klingt anders.
Was im Kleingedruckten steht
Roaming in der EU: 40 GB pro Monat kannst du im EU-Ausland nutzen. Sind die verbraucht, ist Schluss. Keine Drossel. Kein Weitersurfen. Erst im nächsten Abrechnungsmonat geht es weiter, so regelt es die Fair-Use-Policy. Revolut verweist dann auf Datenpakete, die du in der App zukaufen kannst. Telefonate und SMS im EU-Ausland sind unbegrenzt. Aufgepasst bei Großbritannien und der Schweiz: Beide gehören nicht zur Roaming-Zone. Moldau und die Ukraine dagegen schon.
Bei Reisen außerhalb Europas greift ein kostenloser Messaging-Pass. 1 GB alle 30 Tage, nutzbar in rund 140 Ländern von den USA bis Japan. Klingt großzügig. Doch die Bedingungen nennen eine geschätzte Höchstgeschwindigkeit von 16 kbit/s. Zum Vergleich: Das ist nicht einmal ein Hundertstel des gedrosselten Inlandstempos. WhatsApp-Texte gehen mit Ach und Krach durch. Schon ein Urlaubsfoto kannst du faktisch vergessen.
Anrufe ins Ausland gibt es nicht. Laut Leistungsbeschreibung sind Gespräche zu ausländischen Rufnummern ausgeschlossen, ebenso Premium- und andere Sonderrufnummern sowie Auskunftsdienste. Rufst du regelmäßig Familie oder Freunde im Ausland an, brauchst du einen anderen Weg, zum Beispiel WhatsApp-Anrufe.
Dein Vertragspartner ist nicht Revolut. Du schließt den Vertrag mit der 1GLOBAL Germany Operations GmbH aus Eschborn. Revolut vermittelt nur und zieht das Geld ein. Hakt es im Netz oder bei der Rufnummernmitnahme, richtet sich deine Beschwerde formal an 1GLOBAL. Für solche Streitigkeiten will Revolut laut eigenen Bedingungen nicht haften.
Warum Revolut den Markt nicht aufmischt
Große Worte gab es reichlich. Schon im Frühjahr 2025 hatte Revolut seinen Handytarif angekündigt. Mobilfunk sei in Deutschland rund 22 Prozent teurer als im EU-Schnitt, die etablierten Anbieter wolle man unter Druck setzen. Versprochen waren unbegrenztes Highspeed-Datenvolumen und ein Start noch im selben Jahr. Und jetzt? Kommt der Tarif anderthalb Jahre später. Mit 120 GB statt echter Flat. Und für Neukunden ab Ende Oktober mit 14,99 statt 12,50 Euro.
„Wir beweisen, dass Mobilfunk unglaublich unkompliziert sein kann“, lässt sich Elyas Sadou, bei Revolut für das Mobilfunkgeschäft zuständig, in der Pressemitteilung zitieren. Unkompliziert? Ja. Günstig? Nicht wirklich. Zum Vergleich: Lebara verlangt im selben o2-Netz seit Anfang Oktober 11,99 Euro für 100 GB, ebenfalls monatlich kündbar. Beim Tempo liegt Revolut vorn, Lebara begrenzt laut Tarifbeschreibung auf 50 Mbit/s, hat dafür aber 100 Freiminuten in 50 Länder inklusive. Deutlich günstiger ist Revolut dagegen als der direkte Konkurrent N26. Die Berliner Neobank verkauft seit Mai 2025 ebenfalls Handytarife über 1GLOBAL, allerdings im Vodafone-Netz. Für 100 GB zahlst du dort nach einer Preissenkung 29,99 Euro im Monat. Doppelt so viel.
Am meisten profitiert womöglich Telefónica Deutschland. Der Netzbetreiber hat zuletzt große Großhandelskunden verloren, also Anbieter, die das o2-Netz für eigene Tarife mieten. Mit Revolut kommt eine App mit Millionen Nutzern als neuer Vertriebsweg dazu. Fragt sich, wie viele man davon als Kunden gewinnen kann. Telefónica-Deutschland-Chef Santiago Argelich Hesse hatte vor wenigen Wochen angekündigt, das Partnerschaftsmodell weiter ausbauen zu wollen. Mit Simsalasim steht schon der nächste Partner in den Startlöchern.
Für wen sich Revolut Mobile lohnt
Hast du schon ein Revolut-Konto, bist mit dem o2-Netz zufrieden und brauchst viel Datenvolumen? Dann passt der Tarif. 100 Mbit/s bieten längst nicht alle Discounter. Und selbst nach 120 GB bleibst du mit 2 Mbit/s brauchbar online. Standest du auf der Warteliste, solltest du bis zum 28. Oktober buchen. Für 12,50 Euro ist das Angebot deutlich attraktiver.
Weniger gut passt Revolut Mobile, wenn du oft außerhalb der EU unterwegs bist. Wenn du regelmäßig nach Großbritannien oder in die Schweiz reist. Oder wenn du ins Ausland telefonierst. Und ohne Revolut-Konto lohnt sich der Umweg kaum. Ein Bankkonto nur für den Handytarif? Muss nicht sein. Vergleichbare Angebote im o2-Netz gibt es auch ohne. Nur mit Funktionen wie den zusätzlichen Telefonnummern und den unbegrenzten 2 Mbit/s hebt sich der Tarif von der Masse ab.
Unterm Strich liefert Revolut einen ordentlichen Tarif mit sauberer App-Integration. Nicht mehr, nicht weniger. Den angekündigten Angriff auf die etablierten Anbieter sucht man darin vergeblich.
