Notstromaggregate: Wenn die vermeintliche Rettung zur tödlichen Gefahr wird

5 Min. Lesezeit Teilen/Speichern
Ein Generator im Keller, Benzin im Kanister – und die Angst vor dem Blackout scheint gebannt. Doch genau hier beginnt das Problem. Experten warnen: Notstromaggregate sind für Privathaushalte oft gefährlicher als hilfreich.
Notstromaggregate - Wenn die vermeintliche Rettung zur tödlichen Gefahr wird

Notstromaggregate - Wenn die vermeintliche Rettung zur tödlichen Gefahr wird

Ein Stromausfall fühlt sich heute bedrohlicher an als früher. Kein Licht, kein Internet, keine Heizung – da wirkt ein Notstromaggregat wie die ultimative Versicherung. Einfach anwerfen und weitermachen. Doch genau diese Vorstellung ist trügerisch. Denn was nach Kontrolle klingt, kann sich im Ernstfall als echtes Risiko entpuppen: für deine Wohnung, deine Gesundheit und im schlimmsten Fall für dein Leben. Warum du lieber nicht zum Notstromaggregat für Stromausfälle greifen solltest.

Lebensgefahr statt Sicherheit mit Notstromaggregat

Die größte Gefahr geht oft nicht vom Strommangel aus, sondern vom Aggregat selbst. Benzin- oder dieselbetriebene Generatoren produzieren Abgase – darunter Kohlenmonoxid. Dieses Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos und blockiert den Sauerstofftransport im Blut. Schon wenige Minuten reichen aus, um bewusstlos zu werden. Deshalb warnen Experten wie der TÜV-Verband unmissverständlich: Notstromaggregate dürfen niemals in Innenräumen betrieben werden. Nicht im Keller, nicht in der Garage, nicht im Wohnzimmer. Auch halb geöffnete Fenster helfen nicht. Wer hier leichtfertig handelt, riskiert sein Leben. Dazu kommt, dass bereits bei niedrigen Temperaturen so viel Flüssigkeit verdampft, dass sich eine explosionsfähige Atmosphäre bilden kann, so der TÜV-Verband. Im Endeffekt schaffst du dir somit in deinen eigenen vier Wänden eine doppelt tödliche Gefahr, der du das Risikopotenzial auf den ersten Blick nicht ansiehst.

Die Leistung reicht oft nicht einmal für den Alltag

Ein weiteres Problem ist die Realität der Zahlen. Kleine, mobile Notstromaggregate liefern meist um die 1.000 Watt. Das reicht für zwei Laptops, eine Kochplatte oder eine Kühlbox. Aber schon ein Wasserkocher zieht oft mehr als 1.000 Watt. Von Kühlschrank, Waschmaschine oder gar der ganzen Wohnung ganz zu schweigen. Damit wird schnell klar: Das Aggregat rettet keinen normalen Haushalt. Stattdessen müsstest du Geräte nach draußen tragen oder spezielle Campingtechnik anschaffen. Verlängerungskabel erhöhen zusätzlich das Risiko von Überlastung und Kabelbrand. Komfort sieht anders aus.

Mit einem Stromspeicher, der eine AC-Steckdose für den Notbetrieb einzelner Geräte hat, kommst du in den meisten Fällen hier besser weg. Vor allem auch mit wesentlich mehr Leistung, um deine Elektrogeräte zu versorgen. Doch auch dort sind natürlich Grenzen gesetzt, wie viel Stromausfall du real damit überbrücken kannst. Wer sich gegen längere Stromausfälle absichern möchte, braucht ein Heimspeichersystem, das unabhängig vom Netz betrieben werden kann. Bisher war das in Deutschland in der Regel dank stabiler Stromnetze nicht notwendig. Doch Fälle wie die Brandanschläge, die nun häufiger zu Stromausfällen in Berlin geführt haben, rücken das Thema verstärkt in den Fokus.

Anschluss ans Hausnetz: kompliziert und teuer

Die Idee, das Aggregat einfach ins Hausnetz einzuspeisen, klingt clever – ist aber heikel. Dafür braucht es eine spezielle Infrastruktur mit Netztrenner und Einspeisepunkt. Der Anschluss darf ausschließlich durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen. Für Mieter ist zudem die Zustimmung des Vermieters Pflicht, oft ist sogar eine Meldung beim Bauamt nötig. Leistungsstärkere Aggregate, die so etwas überhaupt leisten können, sind teuer, laut und wartungsintensiv. Die vermeintlich einfache Lösung wird schnell zu einem technischen Großprojekt.

Kraftstoff: knapp, gefährlich und nicht haltbar

Auch der Kraftstoff selbst ist ein unterschätztes Problem. Gesetzlich darfst du nur begrenzte Mengen lagern: maximal 20 Liter in Garage oder Keller, einen Liter in der Wohnung. Je nach Verbrauch reicht das oft nur für wenige Stunden Betrieb. Hinzu kommt: Benzin und Diesel altern. Besonders Diesel kann schon nach wenigen Monaten Probleme verursachen, Stichwort Diesel-Pest. Wer sein Aggregat nicht regelmäßig betreibt und den Kraftstoff austauscht, steht im Ernstfall oft vor einem Gerät, das schlicht nicht anspringt. Die vermeintliche Rettung versagt genau dann, wenn sie gebraucht wird.

Wartungspflicht statt „hinstellen und vergessen“

Ein Notstromaggregat ist kein Feuerlöscher, den man einmal kauft und vergisst. Es muss regelmäßig getestet, unter Last betrieben und gewartet werden. Vergaser können verkleben, Batterien entladen sich, Kraftstoff verharzt. Ohne Routine wird aus dem Notfallhelfer schnell ein totes Stück Metall. Diese Wartung kostet Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – etwas, das viele im Alltag unterschätzen.

Teurer als Netzstrom – und keine Dauerlösung

Auch wirtschaftlich überzeugen Notstromaggregate nicht. Rechnet man Benzinkosten von rund zwei Euro pro Liter und einen typischen Verbrauch, landet man schnell bei etwa 1,25 Euro pro Kilowattstunde. Haushaltsstrom kostet im Schnitt rund 30 Cent. Für eine längere Versorgung sind Generatoren daher ungeeignet. Im Katastrophenfall kommt noch hinzu, dass Nachschub an Kraftstoff nicht garantiert ist.

Sinnvoll nur in klaren Ausnahmefällen

Es gibt Szenarien, in denen ein Notstromaggregat sinnvoll sein kann – etwa für lebenswichtige medizinische Geräte oder um die Umlaufpumpe einer Heizung am Laufen zu halten. Das sind jedoch klar begrenzte Anwendungen mit fachgerechter Planung. Für die breite Blackout-Vorsorge empfehlen Experten stattdessen einfache Maßnahmen: Vorräte, Notfallradio, Kocher, Decken. Weniger Technik, mehr Verlässlichkeit.

Gefahrenübersicht Notstromaggregate

Fazit: Mehr Risiko als Rettung

Notstromaggregate vermitteln Sicherheit, liefern sie aber selten. Hohe Risiken, begrenzte Leistung, Wartungszwang und gefährliche Abgase machen sie für Privathaushalte zu einer zweifelhaften Lösung. Wer sich vorbereiten will, fährt mit modernen Stromspeichern oder ganzen Heimspeicher-Backuplösungen oft deutlich besser – und vor allem sicherer. Wenn die Verwendung eines Notstromaggregats dringend erforderlich ist, sollte man sich stets um eine fachmännische Installation kümmern. Denn nur so kann die Technologie auch tatsächlich sinnvoll und möglichst risikoarm genutzt werden.

Keine Kommentare

[-AMP Version-]