Neue Kennzeichen: Deshalb haben viele Autos ab 2027 ein L-Schild in der Heckscheibe

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Bald taucht ein neues Schild an deutschen Autos auf: ein weißes „L“ auf blauem Grund. Doch was bedeutet das L-Schild? Und wie sollte man sich als Autofahrer verhalten, wenn man jemanden mit einem solchen Schild sieht?
Neue Kennzeichen: Deshalb haben viele Autos ab 2027 ein L-Schild in der HeckscheibeMit KI verändertes Bild
Neue Kennzeichen: Deshalb haben viele Autos ab 2027 ein L-Schild in der HeckscheibeBildquelle: inside digital

Die Bundesregierung will den Führerschein reformieren. Er soll vor allem eines werden: günstiger. Weniger Fahrschule, mehr Praxis im echten Leben. Das klingt nach Entlastung für junge Menschen und ihre Eltern.

Ausgedacht hat sich das Patrick Schnieder, der im Juli als Verkehrsminister gehen musste. Sein Nachfolger Steffen Bilger (beide CDU) führt die Reform weiter. Der Kern: Nahe Angehörige oder vertraute Personen sollen einen Teil der Fahrpraxis übernehmen dürfen. Begleitetes Fahren, aber nicht nur mit Fahrlehrer, sondern mit Laien.

Das Ganze ist als Experiment angelegt und zunächst auf fünf Jahre begrenzt. Danach will man sehen, ob es mehr Sicherheit bringt oder mehr Blechschäden. Und damit alle anderen wissen, wer da übt, kommt ein neues Schild ans Auto: das L-Schild.

Das bedeutet das L-Schild am Auto

Das Modell gilt nur für den Führerschein der Klasse B. Und ganz ohne Regeln geht es nicht. Jeder Fahrschüler darf höchstens zwei Begleitpersonen benennen, und die müssen ihm nahestehen. Wer anleiten will, muss den Führerschein seit mindestens sieben Jahren besitzen. Maximal ein Punkt in Flensburg ist erlaubt. Mehr nicht. Der Staat traut also nur denen Verantwortung zu, die sich halbwegs benommen haben.

→ Führerschein weg: So kostet dich die Lichthupe deinen Lappen

Vor der ersten privaten Fahrt muss die Theorieprüfung bestanden sein, so der Gesetzentwurf der Bundesregierung. Dazu kommen sechs Fahrstunden in der Fahrschule und eine Einweisung, zu der Fahrschüler und Begleitperson gemeinsam antreten.

Dann geht es 500 bis 600 Kilometer mit Mama oder Papa auf die Straße: Einparken üben, im Kreisverkehr richtig blinken. Die Autobahn bleibt tabu. Es folgen eine Beobachtungsfahrt mit Fahrlehrer und mindestens sechs weitere Fahrstunden, darunter Überland, Nacht und Autobahn. Erst danach geht es auch privat auf die Autobahn, für mindestens 500 weitere Kilometer. Jede Fahrt landet im Protokoll. Macht unterm Strich mindestens 1.000 Kilometer mit einem Laien auf dem Beifahrersitz.

Am Auto hängt dabei vorne und hinten ein quadratisches Schild, 16 mal 16 Zentimeter: weißes „L“ auf blauem Grund, darunter der Schriftzug „Übungsfahrt“. So beschreibt es zumindest der Verordnungsentwurf, ein amtliches Muster gibt es noch nicht. Das „L“ steht für „Learner“ – Lernender. Das L-Schild bedeutet also: Hier sitzt jemand am Steuer, der noch übt. Mit Familie. Mit Freunden. Mit Menschen, die keine Fahrlehrer sind.

2027 geht es los

Wer jetzt an Fahren ohne Fahrerlaubnis denkt: Die Genehmigung zum Üben soll rechtlich wie eine Fahrerlaubnis behandelt werden. Für das Übungsauto muss ausreichender Haftpflichtschutz bestehen.

Wann es losgeht, ist offen. Das Kabinett hat die Reform am 20. Mai beschlossen, der Bundestag hat sie am 24. September in erster Lesung beraten. Bei der Anhörung im Verkehrsausschuss am 5. Oktober warnten Fahrlehrerverbände vor sinkender Verkehrssicherheit. Der ADAC hält die Pläne grundsätzlich für richtig und stört sich vor allem am Wort „Laienausbildung“: Ausgebildet werde weiter in der Fahrschule, die Eltern begleiteten nur.

Beschlossen ist noch nichts, auch der Bundesrat muss zustimmen. Das Üben mit Begleitperson soll nach aktuellem Plan frühestens im Juli 2027 starten. Und selbst dann nicht überall, denn jedes Bundesland entscheidet selbst, ob es mitmacht.

Abstand halten und ruhig bleiben

Neu ist das alles nicht. Deutschland hat sich das Modell ziemlich offensichtlich in Österreich abgeschaut. Vorbild sind dort die sogenannten L-Übungsfahrten mit 1.000 Kilometern, nicht das bekanntere „L17“ mit 3.000. Es funktioniert offenbar gut genug, um es jetzt zu kopieren.

Die alte Bundesrepublik kannte das übrigens auch schon. Bis 1986 durften Laien Fahrschüler ausbilden. Dann schaffte die Regierung Kohl das ab, mit Verweis auf die Unfallzahlen junger Fahrer. Vierzig Jahre später holt es eine CDU-geführte Regierung zurück.

Und auch Spanien kennt das „L“. Allerdings erst nach bestandener Prüfung. Wer dort seinen Führerschein bekommt, muss ein Jahr lang ein L-Schild an die Heckscheibe seines Autos hängen. Zwölf Monate offizieller Anfängerstatus. Eine etwas andere Regelung, aber die Bedeutung bleibt dieselbe: Jemand fährt hier mit wenig Erfahrung.

Wer also in Zukunft hierzulande ein „L“ am Heck des Wagens vor sich sieht, hält ein bisschen Abstand. Und ist vielleicht etwas nachsichtiger, statt direkt loszuhupen, wenn die Ampel auf Grün springt und der Vordermann nicht binnen Sekundenbruchteilen losfährt.

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21 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Joe2

    Das jetzige Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem dieses Zeichen bisher keine Anwendung findet.

  2. Nutzerbild Mina

    Im Grunde nicht schlecht, aber ob das hier funktioniert…..
    und was ist mit dem Aspekt der Versicherung, wieso dürfen auch Freunde und Bekannte die Verantwortung übernehmen etc…
    Erst am Wochenende gab es den Bericht das man nicht so einfach anderen Kindern schwimmen beibringen darf….
    verstehe Mal einer dieses Deutschland…..

  3. Nutzerbild HarryHH

    Ein sehr schöner Artikel bis auf die Tatsache, im Auto sitzt man am Lenkrad und nicht am Steuer.

    • Nutzerbild BunterHund

      „Lenkrad“ ist ein lediglich im Alltagsgebrauch sehr häufig verwendetes Synonym für „Steuer“. Befrage hierzu gerne den Duden.

  4. Nutzerbild Matze

    Also in der Schweiz ist das so, seit gefühlt 100 Jahren (nicht EU im übrigen) und da funktioniert das auch Versicherungstechnisch usw. Wird auch Zeit, dass sich in DE was ändert. Total überteuertes System. Und die Fahranfänger sind in DE echt teils überfordert könnt man meinen, wenn man hinter sonem Fahrschulauto fährt. Jedoch sollte man schon VOR den Pflichtstunden diese Begleitfahrten machen mMn.

  5. Nutzerbild Ella

    …hatten wir doch schon mal. in der ehemaligen DDR.
    Aber es muss ja wieder einmal das Rad neu erfunden werden 😕

  6. Nutzerbild Günni

    Ja das ist Deutschland .
    War vor längerer Zeit in den USA
    Für 6 Monate zum arbeiten (Austausch). Habe 6 Fahrstunden mit
    einen Polizisten absolviert danach
    bekam ich meine Drivercard. Ob das
    Heute noch möglich ist keine Ahnung

  7. Nutzerbild Norbert

    Genauso ist es Ella. 1974 wo ich meinen Mopedführerschein gemacht habe hatten wir das „L“ schon auf dem Rücken. Wie gesagt hatten wir schon damals 😁

  8. Nutzerbild Frank Ahmann

    Gerade hier im Ruhrpott, aber auch in Großstädten ist die Verkehrsdichte extrem. Wenn jetzt jeder meint „Ausbilder“ zu sein, sehe ich da ein Problem. Es gibt doch Verkehrsübungsplätze.

  9. Nutzerbild Leandra Schuster

    Im dichten deutschen Verkehr absolut fahrlässig. Ich möchte keinen Anfänger oder Eingriffsmöglichkeiten von nebenan hier in den Städten fahren sehen. Oder auf unseren Autobahnen. Etwas mit den Eltern Anfahren und Schalten auf einem Übungsplatz üben okay aber mehr bitte nicht. Fahrlässig.

  10. Nutzerbild Reinhard Riek

    wieder eine neue Erfindung, die so neu ist, dass wir sie schon in der DDR kannten.

    • Nutzerbild BunterHund

      Ja, ich erinnere mich an den Autoverkehr in der DDR… 🏎️
      … absolut vergleichbar mit den aktuellen Gegebenheiten 😉

  11. Nutzerbild Winkler peter

    In Österreich L 1000km. L17 3000km.

  12. Nutzerbild Gerhard Mergard

    Privatbesitz ist Privatbesitz warum sollten die für das nachts Parken keine Gebühr nehmen wenn ich damit nicht einverstanden binn muss ich ins Parkhaus dann weiß ich was es kostet!! und wo gibt es in der Stadt schon kostenlose Parkplätze ??

  13. Nutzerbild drache444444

    warum in der heckscheibe? warum nem lernenden noch etwas sicht nehmen? macht das schild an die stoßstange. oder die klappe, aber doch nicht ans fenster

    • Nutzerbild BunterHund

      Und was macht man dann eigentlich bei einem offenen Cabriolet? 😉

  14. Nutzerbild Dschäiaar

    So ein Schild in der Heckscheibe behindert die sicht.
    in der BRD hat man bisher festgestellt, daß sowas unnötig ist. Andere Länder haben das immer noch nicht verstanden.
    Die Fragen an sich sind zu überdenken.
    meine Tochter z.B. ist beim ersten mal durch gefallen weil sie z.B. Eis auf dem Schiebedach entfernt hat, im Fragebogen meinte man Reif und das Entfernen gab Fehlerpunkte.
    Ich lernte, daß eis und Schnee zu entfernen sind.
    Solche dummen Fragen machen den FS zu teuer.

  15. Nutzerbild Get to da Chopper

    Das Problem ist, dass man als Privatmensch im Auto keinen zweiten Satz Pedale hat, wo man notfalls eingreifen kann. Höchst bedenklich.

  16. Nutzerbild Rainer Austel

    Deutschland,Europa…..Flasche leer!!!

  17. Nutzerbild Wolfgang Bäumler

    WolfgangWie verhält es sich bei einer Verkehrskontrolle (Fahren ohne Fahrerlaubnis).

  18. Nutzerbild My2cents

    Also wenn ich mir ansehe was jetzt schon für Granaten am Straßenverkehr teilnehmen halte ich diese Menschen für keine guten Vorbilder um den Straßenverkehr zu lernen. in anderen Ländern gibt es das System schon ewig da sind alle dran gewöhnt. hier wird es in der Umbruchphase nich mächtig Knirschen. übrigens erhält man mit Klasse B auch die Klasse AM für Roller. da sollte es auch mindestens eine Pflichtstunde drauf geben. erstens weil man das ding dann fahren darf und zweitens damit man als Autofahrer weiß wie die Roller im Straßenverkehr immer geschnitten werden.

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