Längst haben sich digitale Coupons durchgesetzt. Jeder Supermarkt, jede Fastfood-Kette nutzt sie, um die Kunden an sich zu binden und sie mit mehr oder weniger attraktiven Deals zu ködern. Teilweise lassen sich dabei auch tatsächlich echte Schnäppchen erzielen – sofern man nicht etwas kauft, das man gar nicht braucht. Doch in der McDonald’s-App ist jetzt ein Coupon aufgetaucht, der Fragen aufwirft. Er gilt für ein Happy Meal, das kleinste Menü des US-Burger-Riesen. Eigentlich für Kinder gedacht, aber von jedem bestellbar. Der Preis in der App: 4,49 Euro, gültig bis zum 03.03.2026. Das wirkt wie eine klassische Preisaktion. Die Logik dahinter ist für viele klar: Mit Coupon wird’s günstiger – und nach dem Stichtag eben wieder teurer.
Dieser Spar-Coupon ist keiner
Nur: Genau diese Ersparnis scheint es in der Praxis nicht zu geben. Denn McDonald’s hat den Happy-Meal-Preis zum 1. Januar 2026 ohnehin gesenkt. Im Zusammenhang mit der gesunkenen Mehrwertsteuer für Restaurant-Essen fiel der Preis für das Menü. Das hat das Unternehmen auch groß beworben. Der Preis: 4,49 Euro. Wir haben diesen Preis bundesweit in zahlreichen Filialen überprüft. Und auch wenn die Preise bei anderen Produkten schwanken (Beispiel: Chicken Big Mac einzeln zwischen 6,39 und 7,49 Euro), bleibt das Happy Meal immer gleich. Aber wenn das Happy Meal ohne Coupon ebenfalls 4,49 Euro kostet, ist der App-Coupon faktisch wertlos.
Warum ein Coupon ohne Vorteil so schlecht aussieht
Der Knackpunkt ist nicht, ob 4,49 Euro „gut“ oder „schlecht“ sind. Es geht um Erwartungsmanagement. Ein Coupon steht in der Wahrnehmung fast immer für „Rabatt“. Dazu kommt das Ablaufdatum, das Druck erzeugt: Du sollst den Deal mitnehmen, bevor er weg ist.
Wenn am Ende aber derselbe Preis an der Kasse steht, bleibt ein schaler Eindruck. Der Coupon sieht aus wie ein Vorteil, ist aber keiner. Und damit wird aus einem simplen App-Angebot schnell eine Vertrauensfrage: Warum wird ein normaler Preis als zeitlich begrenzter Deal verpackt? Und wie oft macht McDonald’s das bei anderen Produkten, wo es nicht so auffällt?
Andere Coupons sparen wirklich Geld – je nach Filiale
Das Problem betrifft nicht alle Coupons. Bei anderen aktuellen App-Angeboten ist die Ersparnis real. Wir haben mehrere Coupons getestet und kommen je nach Produkt auf 1 oder 2 Euro Unterschied. Beim McWrap sind es in vielen Filialen rund 1 Euro gegenüber dem Regelpreis. Und auch bei Menü- und Bundle-Angeboten kannst du ein bisschen gegenüber dem Regelpreis sparen.
Hier spielt auch die Struktur von McDonald’s rein: Das Unternehmen arbeitet in Deutschland als Franchise-System. Viele Preise werden nicht bundesweit zentral festgelegt, sondern von den Franchisenehmern vor Ort. Dadurch kann derselbe Artikel je nach Standort unterschiedlich teuer sein.
Coupons sind in so einem System grundsätzlich sinnvoll, weil sie einen verbindlichen Preis setzen: Du weißt, was du zahlst – auch wenn die Filiale sonst mehr verlangt. Genau deshalb erwarten Nutzer aber auch, dass ein Coupon in der Regel unter dem Preis liegt, den man ohne Coupon in derselben Filiale zahlen würde. Beim Happy Meal wird diese Logik derzeit ausgehebelt: Wenn 4,49 Euro ohnehin schon der Preis ist, macht der Coupon nichts günstiger. Das ist wie ein Streichpreis im Supermarkt, der genauso hoch ist wie der reguläre Preis. Aber: Streichpreise und rote Angebotsschilder sind absatzfördernd – selbst wenn das Angebot schlecht ist. Auch Coupons sind ein starker Trigger, damit du die App öffnest und darüber bestellst. Dafür reicht oft schon der Eindruck „hier gibt’s Deals“. Nur ist das ein gefährliches Spiel, wenn der Deal keiner ist.
Auf Reddit wurde das Muster schon vor Monaten beschrieben
Dass solche Coupons Nutzer stutzig machen, zeigt auch eine Diskussion auf Reddit. Dort ging es vor sieben Monaten konkret um einen Coupon, der einen Cheeseburger für 2,50 Euro „bewarb“ – obwohl der normale Preis laut einem Nutzer ebenfalls bei 2,50 Euro lag. Genau daraus entstand die Frage, ob das nicht irreführend wirkt, weil ein Coupon eben automatisch als günstiger verstanden wird.
Unterm Strich bleibt deshalb eine simple Frage offen: Wenn der Preis fürs Happy Meal bereits gesenkt und beworben wurde, warum braucht es zusätzlich einen Coupon mit Ablaufdatum, der keinen Unterschied macht? Oder aber steht kurzfristig ein Auslaufen der Steuersenkungs-Werbung bevor, sodass der Preis für das Happy Meal wieder steigt?
