Das Kindergeld in Deutschland ist so etwas wie der heilige Gral der Familienpolitik. Geld, das unabhängig vom Kontostand der Eltern fließt. Aktuell fließen 259 Euro pro Kind. Rund 18 Millionen Kinder haben Anspruch darauf. Rechnet man das kurz im Kopf durch, ergibt das satte 4,5 Milliarden Euro, die die Regierung monatlich unters Volk bringt. Eine gewaltige Summe, für die wohl jede Familie dankbar ist. Und es funktioniert. Zumindest solange man brav in der Bundesrepublik gemeldet ist. Doch kaum wandert der Blick über die Landesgrenzen, wird es in den politischen Hinterzimmern ungemütlich. Besonders, wenn die Union den Taschenrechner zückt und genauer hinschaut, wohin das Kindergeld fließt.
So viel Kindergeld fließt ins Ausland
Denn ein Teil dieses Geldes verlässt regelmäßig das Land. 2025 überwies Deutschland erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro Kindergeld auf Konten im Ausland. Betroffen sind rund 255.000 Kinder. Hauptempfängerländer: Polen, Rumänien und Tschechien. Ob diese Kinder tatsächlich dort leben, deutsche Staatsbürger sind oder Familien zugewanderter Arbeitnehmer angehören, weiß niemand genau. Die Statistik endet an der Grenze.
Die Union findet das zunehmend unerträglich. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann spricht von einer wachsenden Betrugsmasche. „Kindergeldbetrug ist leider immer mehr zu einer Masche krimineller Banden geworden“, sagte er der Bild am Sonntag. Und weiter: „Es ist nur konsequent, das Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn es ins EU-Ausland, zum Beispiel nach Rumänien oder Bulgarien, überwiesen wird.“ Der volle Satz von 259 Euro sei bei dortigen Preisen „völlig überproportional“.
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Dass man sich damit erneut mit der EU-Kommission anlegt, die das Prinzip „Gleiches Geld für gleiche Bürger“ hochhält, nimmt man in Kauf. Bayern hat sich da ja bereits – wie so oft – als Vorreiter die Finger verbrannt. Der Vorstoß ist also nicht neu. Schon einmal hat Bayern die Auslandszahlungen gekürzt und wurde prompt von der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Begründung: gleiche Rechte für gleiche EU-Bürger. Nach Rumänien dürften nicht nur 125 Euro Kindergeld fließen, wenn in Deutschland 250 gezahlt werden. Das Verfahren läuft noch.
„Es kann nicht sein …“
Laut IW wird das System Kindergeld von den Gutverdienern getragen. Ein Single, der mindestens 5.300 Euro brutto nach Hause bringt, zahlt im Laufe seines Lebens rund zwei Millionen Euro ein, bekommt aber nur 720.000 Euro an Kindergeld zurück. Am anderen Ende der Skala stehen die Geringverdiener. Wer bis zu 2.500 Euro verdient, zahlt 300.000 Euro ein und kassiert über eine Million. Eine Solidargemeinschaft, die jedoch Risse bekommt, wenn das Gefühl entsteht, dass das mühsam erwirtschaftete Geld der Leistungsträger in dunkle Kanäle sickert. „Es kann nicht sein, dass Deutschland den vollen Kindergeldsatz für Kinder zahlt, die gar nicht in unserem Land leben“, poltert Klaus Holetschek von der CSU.
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Jetzt will die CDU bundesweit durchgreifen. Datenbanken von Meldeämtern, Familienkassen und Sozialbehörden sollen vernetzt werden. Wer betrügt, soll schneller bestraft werden. Die Union fordert sogar die „leichtere Ausweisung von EU-Ausländern inklusive der Möglichkeit einer Wiedereinreisesperre“. Fairness für Steuerzahler, Härte gegen Mitnahmeeffekte: So lautet das neue Mantra. Wie es weitergeht, ist offen. Ende Februar berät die CDU auf ihrem Bundesparteitag über den Antrag. Klar ist nur: Das Kindergeld wird mal wieder zum Streitfall.
Und noch etwas: Die Chancen auf eine rechtssichere Umsetzung liegen praktisch bei 0 Prozent. Es handelt sich primär um ein politisches Signal für den Wahlkampf. Wenn die CDU das wirklich durchziehen wollte, müsste sie entweder aus dem EU-Sozialsystem aussteigen oder eine Revolution in Brüssel anzetteln.
