Führerschein: Viele warten auf den billigeren Lappen. Das könnte teuer werden.

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Fast 4.000 Euro für den Führerschein. Weil er billiger werden soll, melden sich viele erst gar nicht an. Eine Fahrlehrerin erklärt, warum die Rechnung komplizierter ist, als viele glauben. Und warum der Führerschein am Ende gar nicht günstiger werden könnte.
Führerschein: Viele warten auf den billigeren Lappen. Das könnte teuer werden.
Führerschein: Viele warten auf den billigeren Lappen. Das könnte teuer werden.Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Es gibt zurzeit einen verblüffend guten Grund, keinen Führerschein zu machen: den, dass er bald billiger werden soll. Klingt verdreht. Ist es auch. Wer heute 18 wird oder gerade die Ausbildung beginnt, schaut auf Preise von rund 4.000 Euro und fragt sich zwangsläufig: Soll ich jetzt anfangen oder lieber warten? Schließlich hat die Politik angekündigt, den Führerschein günstiger machen zu wollen.

Der Ablauf ist absurd. Die Politik verspricht einen billigeren Führerschein. Prompt warten viele Interessenten mit der Anmeldung. Wer zahlt schon 4.000 Euro, wenn es in absehbarer Zeit weniger sein könnte? Die Fahrschulen bleiben auf leeren Terminkalendern sitzen. Und der Minister, der die Ersparnis versprochen hat, muss die Menschen nun bitten, bloß nicht auf sie zu warten. Willkommen in der deutschen Reformdebatte. Manchmal reicht schon eine Ankündigung, damit genau das Gegenteil passiert.

So soll der Führerschein günstiger werden

Vorweg die Zahl, um die sich alles dreht: Rund 4.000 Euro kostet der Pkw-Führerschein inzwischen, in manchen Städten sogar deutlich mehr. Für viele junge Menschen ist das keine Anschaffung mehr, sondern eine Grundsatzentscheidung. Führerschein oder erstes eigenes Auto. Führerschein oder das erste halbe Jahr Miete. Auf dem Land, wo der Bus eher ein Gerücht als ein Verkehrsmittel ist, stellt sich diese Frage oft gar nicht. Dort braucht man den Führerschein, ob man ihn sich leisten kann oder nicht.

Genau hier setzt Ex-Verkehrsminister Patrick Schnieder an. Er will den Führerschein einfacher, flexibler und günstiger machen. Sein Plan: den Fragenkatalog um ein Drittel kürzen, mehr Theorie digital vermitteln, Fahrsimulatoren einsetzen und Pflicht-Sonderfahrten reduzieren. Vorbild ist Frankreich.

Führerschein: Das ändert sich ab 2027 für alle

Dort fahren Jugendliche schon mit 15 im begleiteten Modell. Nach rund 20 Fahrstunden mit dem Profi sammeln sie weitere 3.000 Kilometer mit den Eltern. Das spart teure Fahrstunden und erhöht die Bestehensquote deutlich. Klingt nach der Lösung.

Das Problem daran

Nur passiert in der Praxis etwas ziemlich Kritisches. Junge Fahrer verunglücken in Frankreich häufiger tödlich als in Deutschland. Fachleute führen das nicht allein auf die Ausbildung zurück, sondern auch auf andere Straßen, mehr Landverkehr und einen höheren Anteil an Rollern und Motorrädern. Trotzdem bleibt genau hier die entscheidende Frage: Lässt sich der Führerschein wirklich billiger machen, ohne dass am Ende jemand den Preis auf der Straße bezahlt?

Die Reform, die ihren eigenen Markt einfriert

Seit die Reform angekündigt wurde, warten viele mit der Anmeldung. Manche Fahrschulen berichten von deutlich weniger Neuanmeldungen, teilweise um mehr als die Hälfte. Die Betriebe, die künftig günstiger ausbilden sollen, geraten dadurch schon heute unter Druck.

Schnieder musste deshalb etwas sagen, das man von einem Minister eher selten hört: Abwarten lohnt sich nicht. Frühestens 2027 könne der Führerschein günstiger werden, wenn überhaupt.

Alles neu beim Führerschein: Regierung bringt Billig-Lappen, TÜV warnt

Kaum kündigt der Staat billigere Führerscheine an, muss derselbe Staat erklären, warum jetzt bitte niemand auf billigere Führerscheine warten soll. Dieses Kunststück muss man erst einmal hinbekommen.

Was eine Fahrlehrerin dazu sagt

Nach unserem letzten Kostenartikel zum Führerschein schrieb uns eine Fahrlehrerin. Sie könne die ständigen Abzocke-Vorwürfe nicht mehr hören. Wenn man ihre Rechnung liest, versteht man zumindest, warum.

Bevor sie überhaupt unterrichten durfte, musste sie selbst Fahrlehrerin werden. Kein Wochenendkurs, sondern eine Ausbildung, die schnell fünfstellige Summen verschlingt. Allein der Grundkurs kostet knapp 15.000 Euro, dazu kommen Prüfungsgebühren von rund 1.300 Euro. Je nach Anbieter liegen die Gesamtkosten zwischen rund 7.000 und 15.000 Euro, bevor überhaupt der erste Euro verdient wird.

Wer sich fragt, warum überall Fahrlehrer fehlen, findet hier einen Teil der Antwort. Ein Mangelberuf mit fünfstelligem Eintrittspreis füllt sich nicht von allein. Und dann kommen die Autos.

Führerschein im Portemonnaie
Fast 4.000 Euro für den Führerschein. Weil er billiger werden soll, melden sich viele erst gar nicht an. Image source: Blasius Kawalkowski / inside digital

Nicht eines, sondern meist zwei. Seit der Regelung B197 lernen viele auf Automatik, müssen für den Nachweis aber trotzdem Schaltwagen fahren. Für die Fahrschule bedeutet das: zwei Fahrzeuge, zwei Versicherungen, doppelte Wartung.

Dazu Miete, Kraftstoff, Strom, Versicherungen und Schüler, die heute im Durchschnitt mehr Fahrstunden brauchen als früher. Interessant ist dabei vor allem, was nicht der größte Kostentreiber ist. Die staatlichen Gebühren, über die oft geschimpft wird, machen laut Statistischem Bundesamt nur gut zwölf Prozent der Gesamtkosten aus.

Teuer ist also nicht der TÜV. Teuer ist die Ausbildung. Der Satz der Fahrlehrerin bleibt trotzdem hängen: Den Führerschein macht man im besten Fall nur einmal im Leben. Ein neues Handy oder der Jahresurlaub kosten ebenfalls Geld und kommen regelmäßig wieder. Sie hat recht. Und sie liegt trotzdem daneben. Denn dieser Vergleich hilft niemandem, der die 4.000 Euro genau jetzt schlicht nicht aufbringen kann.

Lohnt sich das Warten auf den billigen Führerschein?

Damit zurück zu der Frage, wegen der vermutlich viele überhaupt hier gelandet sind. Lohnt es sich, auf die Reform zu warten? Die ehrliche Antwort lautet: eher nicht.

Frühestens 2027 könnten Änderungen greifen. Ob sie den Führerschein tatsächlich spürbar günstiger machen, weiß heute niemand. Bis dahin steigen die Preise voraussichtlich weiter, und wenn alle Wartenden gleichzeitig zurückkehren, dürften sich auch die Wartezeiten verlängern.

Wer heute sparen möchte, hat eher diese Möglichkeiten:

  • die Prüfung über die B197-Regelung auf Automatik absolvieren,
  • Preisunterschiede zwischen Stadt und Umland vergleichen,
  • die Ausbildung möglichst ohne lange Unterbrechungen durchziehen,
  • die Theorie ernst nehmen und unnötige Wiederholungsprüfungen vermeiden,
  • beim Arbeitgeber nach Zuschüssen fragen, etwa im Handwerk oder in der Pflege.

Eine Hoffnung sollte man allerdings begraben: Wie in Frankreich privat mit den Eltern Fahrpraxis sammeln, bevor die Prüfung bestanden ist, ist in Deutschland bislang nicht erlaubt.

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Was wirklich helfen würde

Vielleicht lohnt sich deshalb weniger der Blick nach Frankreich als nach Österreich. Dort gibt es ebenfalls begleitetes Fahren. Der entscheidende Unterschied: Die Fahrschule bleibt eng eingebunden. Die Eltern sammeln Fahrpraxis mit dem Nachwuchs, der Profi behält die Ausbildung in der Hand.

Das spart Geld, ohne den Qualitätsanspruch einfach zu streichen. Genau deshalb wirkt die deutsche Debatte im Moment so seltsam. Statt ein konkretes Modell vorzulegen, hat die Politik vor allem eine Hoffnung angekündigt. Das genügte bereits, um den Markt auszubremsen.

Der billige Führerschein ist durchaus möglich. Im Moment produziert die Reform aber vor allem eines: Menschen, die warten. Fahrschulen, die um Schüler kämpfen. Und einen Minister, der erklären muss, warum sein eigenes Versprechen bitte noch niemand ernst nehmen soll.

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