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Handy richtig laden: Welche Reihenfolge wirklich wichtig ist

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Ladekabel ran, Stecker rein, fertig. So laden die meisten ihr Handy. Dabei hält sich hartnäckig der Rat, beim Anschließen eine feste Reihenfolge einzuhalten, weil sonst angeblich Schäden drohen. Wir erklären, was hinter der Empfehlung steckt und worauf es beim Laden wirklich ankommt.
Smartphone wird an einem USB-C-Ladekabel geladen.
Beim Laden des Handys sind Regeln zu beachten. Wir zeigen dir, was wirklich wichtig ist.Bildquelle: Gemini / inside digital

Die allgemein geläufige Regel beim Handyladen ist schnell erklärt. Zuerst kommt das Ladegerät an den Strom, danach schließt du dein Handy an das Ladekabel an. Beim Abstecken drehst du die Reihenfolge um: Erst trennst du das Smartphone vom Kabel, danach ziehst du das Netzteil aus der Dose.

Handy richtig laden: Erst die Steckdose, dann das Smartphone

Der Hintergrund: In dem Augenblick, in dem das Netzteil mit dem Stromnetz verbunden wird, schwankt die Spannung kurz. Diese Ausschläge dauern nur Millisekunden und lassen sich nicht ganz verhindern. Ist dein Smartphone dann schon über das Kabel verbunden, bekommt es die Schwankung womöglich direkt ab.

Die Liste möglicher Folgen, die in manchen Hersteller-Hinweisen dazu auftaucht, ist lang. Sie reicht von einem langsameren System, kürzerer Akkulaufzeit, Bildschirmflimmern, Einfrieren und spontanen Neustarts bis hin zu Datenverlust und Schäden an den Schaltkreisen. Ein einzelner Ausrutscher dürfte kaum ins Gewicht fallen. Problematischer wäre es, wenn du es dir dauerhaft so angewöhnt hast, denn mit jeder Wiederholung soll die Gefahr steigen, dass es zu Problemen kommen kann.

Das Handy zu laden, ist einfach. Doch ein paar wichtige Aspekte solltest du kennen. Bildquelle: ChatGPT / inside digital

Warum das Risiko bei Markenzubehör gering ist

Mit Markenzubehör ist die Gefahr allerdings gering. Aktuelle Netzteile sind nämlich keine simplen Trafos, sondern Schaltnetzteile mit Regelung und Filtern. Der kurze Stromstoß beim Einstecken, Fachleute sprechen vom Einschaltstrom, betrifft primär die Netzseite des Ladegeräts. Dort laden sich in diesem Moment die Kondensatoren auf. Bis zur USB-Buchse sollte davon bei einem ordentlich konstruierten Gerät nichts durchkommen.

Dazu kommen mehrere Schutzschichten. Markennetzteile bringen in der Regel einen Überspannungsschutz (OVP), einen Überstromschutz (OCP), einen Temperaturschutz und einen Kurzschlussschutz mit. Auch im Smartphone selbst sitzen Schutzschaltungen: Der Lade-Chip und die Elektronik des Akkus überwachen Spannung, Strom und Temperatur und brechen den Ladevorgang im Zweifel ab.

Bei Verbindungen von USB-C zu USB-C kommt ein weiterer Mechanismus hinzu. Ein normgerechtes USB-C-Netzteil legt an der Buchse zunächst gar keine Spannung an. Erst wenn es über die Steuerleitung erkennt, dass ein Gerät angeschlossen ist, liefert es die Basisspannung von 5 Volt. Höhere Spannungen für das Schnellladen gibt es erst, nachdem Netzteil und Smartphone sie per USB Power Delivery ausgehandelt haben. Das Handy bekommt also nicht einfach blind volle Leistung.

Das eigentliche Problem: Billig-Netzteile und Schrottkabel

Spannend wird es aber im untersten Preissegment. No-Name-Netzteile für ein paar Euro sparen gern genau an den Stellen, die dein Handy schützen sollen. Typisch sind fehlende oder unzureichende Entstörfilter, minderwertige Kondensatoren und ein zu geringer Abstand zwischen Netz- und Ausgangsseite. Bei solchen Geräten können Spannungsspitzen tatsächlich bis zum Smartphone durchschlagen. Im Extremfall wird ein solches Netzteil sogar für dich selbst gefährlich.

Ein Blick aufs Etikett hilft nur bedingt. Das CE-Zeichen ist eine Erklärung des Herstellers, keine unabhängige Prüfung, und lässt sich leicht fälschen. Aussagekräftiger ist das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“), das von unabhängigen Stellen wie TÜV oder VDE vergeben wird.

Unterschätzt wird oft auch das Kabel. Für hohe Ladeleistungen braucht es passende Leitungen: Für das 45-Watt-Schnellladen schreibt Samsung etwa ein 5-Ampere-Kabel vor. Ein billiges oder beschädigtes Kabel bremst im besten Fall nur das Tempo. Im schlechtesten Fall wird es heiß.

Bei diesen Warnsignalen solltest du ein Netzteil sofort austauschen: Es wird beim Laden sehr heiß, riecht verschmort, knistert, oder das Gehäuse hat sich verformt.

Was für deinen Akku wirklich zählt

Für die Lebensdauer deines Akkus sind andere Faktoren deutlich wichtiger als die Steckreihenfolge. Der größte Feind ist Hitze. Lade dein Handy daher nicht in der prallen Sonne oder im aufgeheizten Auto. Viele Smartphones bieten zudem eine Ladegrenze in den Akkueinstellungen. Bei Samsung heißt die Funktion Akkuschutz, bei Apple seit dem iPhone 15 Ladelimit. Damit stoppt das Laden etwa bei 80 Prozent, was die Zellen spürbar schont. Ebenfalls sinnvoll: das Handy nicht regelmäßig bis auf null Prozent leerlaufen lassen.

Gewohnheit ja, Panik nein

Die empfohlene Reihenfolge, erst am Schluss das Ladekabel mit dem Handy zu verbinden, schadet nicht und kostet dich keine Sekunde. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, gewöhn sie dir ruhig an. Mit einem Markennetzteil und einem ordentlichen Kabel ist das Risiko durch die Steckreihenfolge aber gering. Viel entscheidender ist, dass du kein Billig-Zubehör verwendest und dein Handy nicht in der Hitze lädt.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Ich gebe zu: Ich stecke mein Handy seit Jahren so an, wie es gerade passt. Kaputt gegangen ist dabei nie etwas. Trotzdem halte ich den Tipp mit der Reihenfolge für sinnvoll, einfach weil er nichts kostet und in zwei Sekunden zur Gewohnheit wird. Viel wichtiger finde ich aber die Frage, was da eigentlich in der Steckdose steckt. Ein Markennetzteil mit sauberen Schutzschaltungen ist mir die 25 bis 50 Euro wert. Das Fünf-Euro-Teil vom Wühltisch dagegen kommt mir nicht mehr an ein Smartphone für 1.000 Euro.

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