Diesel ist gerade unfassbar teuer. Wer an die Tankstelle fährt, sieht Zahlen, bei denen man kurz überlegt, ob man nicht doch lieber schiebt. Besonders absurd: Der Rohölpreis ist zuletzt deutlich gefallen. An der Zapfsäule merkt davon allerdings niemand etwas. Experten rechnen sogar damit, dass der Dieselpreis bald auf 2,50 Euro pro Liter klettern könnte. Da fängt der deutsche Dieselfahrer an zu rechnen. Und manchmal auch zu improvisieren.
Salatöl statt Diesel: Ja, das geht!
Eine Idee, die dann immer wieder auftaucht: Warum nicht einfach Pflanzen-Öl tanken? Das Zeug steht schließlich literweise im Supermarktregal. Rapsöl, Sonnenblumenöl, Speiseöl im Allgemeinen ist sogar immer wieder im Angebot. Tatsächlich funktioniert das sogar. Ein Dieselmotor kann Pflanzen-Öl verbrennen. Chemisch gesehen ist das kein völlig fremder Stoff. Gerade ältere Dieselautos liefen früher gelegentlich mit Pflanzen-Öl. Manche Bastler schwören noch heute darauf.
Das Problem ist nur: Moderne Dieselmotoren sind ziemlich empfindlich. Pflanzen-Öl ist deutlich dickflüssiger als Diesel. Fachleute etwa vom ADAC erklären, dass genau dieser Unterschied Probleme macht. Der Motor startet schlechter, die Leistung sinkt, und auf Dauer leidet die Technik. Einspritzpumpe und Düsen sind für den zähflüssigen Stoff schlicht nicht gebaut.
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Dazu kommt, dass sich Ablagerungen in Leitungen und Filtern bilden können. Unverbranntes Öl gelangt im schlimmsten Fall sogar ins Motoröl. Dann wird es richtig teuer. Auch Dichtungen mögen die sauren Bestandteile von Pflanzenölen nicht besonders. Kurz gesagt: Der Motor fährt vielleicht eine Weile damit. Aber besonders lange freut er sich nicht darüber.
Typisch deutsch: Speiseöl im Tank ist Steuerhinterziehung
Bei älteren Dieseln sieht es etwas anders aus. Motoren mit einfacheren Einspritzsystemen vertragen Pflanzen-Öl eher, zumindest zeitweise. Trotzdem leidet auch dort langfristig die Lebensdauer. Wer es ernst meint, müsste den Motor umbauen lassen. Das kostet schnell bis zu 5.000 Euro. Dann ist der vermeintlich günstige Liter aus dem Supermarkt plötzlich gar nicht mehr so günstig.
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Und es gibt noch einen kuriosen Punkt, neben dem Fakt, dass es vermutlich etwas merkwürdig erscheint, wenn man mit 40 Flaschen Sonnenblumenöl im Einkaufswagen an der Kasse auftaucht. Wer nämlich Salatöl statt Diesel in den Tank kippt, begeht streng genommen Steuerhinterziehung. Seit 2008 wird Pflanzenöl als Kraftstoff besteuert. Wer es also zum Fahren nutzt, müsste das beim Zoll anmelden und Energiesteuer zahlen. Macht natürlich niemand.
Die wahre Alternative
Am Ende bleibt die unbequeme Wahrheit: Weder Salatöl noch Heizöl sind wirklich gute Lösungen. Wer die hohen Preise für den Liter Diesel nicht zahlen will, hat im Alltag oft nur zwei echte Alternativen. Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Für viele Menschen ist das natürlich keine realistische Option. Gerade auf dem Land. Aber die aktuelle Spritpreis-Krise zeigt zumindest eins: Vielleicht ist das Elektroauto doch keine so dumme Idee, wie es jahrelang seitens der Diesel-Befürworter klang. Denn wenn Diesel wirklich Richtung 2,50 Euro marschiert, wirkt die Steckdose plötzlich erstaunlich attraktiv.
