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Die GEZ-Gebühren sind kein Skandal. Der Apparat dahinter schon.

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Fast 9 Milliarden Euro GEZ-Gebühren. Offiziell. In Wahrheit fließen über 10 Milliarden in die Kassen von ARD, ZDF und Co., während Sender-Chefs bis zu 428.000 Euro abgreifen und wegen 58 Cent vor Gericht ziehen. Nicht die Idee ist das Problem. Das System ringsum hat sich einfach nur sattgefressen.
Die GEZ-Gebühren sind kein Skandal. Der Apparat dahinter schon.
Bildquelle: inside digital mit Material von Fran Jacquier / Unsplash

Fast 9 Milliarden Euro. So viel haben die GEZ-Gebühren 2025 wieder eingespielt, wie der Beitragsservice diese Woche aus Köln meldet. Ja, GEZ heißt offiziell längst Rundfunkbeitrag, aber der alte Name hält sich hartnäckiger als jede Behördenumbenennung. Wer bei „fast 9 Milliarden“ schon schluckt, sollte sich setzen. Die Zahl, die ARD, ZDF und Deutschlandradio tatsächlich durchs Jahr trägt, liegt bei über 10 Milliarden – Werbung, Sponsoring und sonstige Erträge inklusive. Für 2026 sind planmäßig sogar 10,6 Milliarden budgetiert. Der Rundfunkbeitrag ist also nicht die Rechnung. Er ist die halbe Wahrheit, verpackt als ganze.

Wohin das Geld tatsächlich fließt

Der Reflex, jetzt nach den Produktionskosten für den „Tatort“ zu fragen, ist verständlich und trotzdem der falsche. Das große Geld verschwindet nicht im Programm. Es versickert im Maschinenraum. Allein die ARD hat 2021 rund 564 Millionen Euro für betriebliche Altersvorsorge ausgegeben. Mehr als jeder neunte Beitragseuro, der bei den Landesrundfunkanstalten ankommt, fließt in Pensionszusagen, nicht ins Programm. Das ist keine Verschwörung, das ist eine Bilanz. Und Bilanzen lügen selten. Sie tragen nur Krawatte, wenn sie es tun.

Die zweite Geschichte heißt Führungsebene. Als die ARD im Oktober ihre Gehaltsliste veröffentlichte, stand fest: Der scheidende WDR-Intendant Tom Buhrow kam zuletzt auf 427.900 Euro Grundgehalt, plus Sachbezüge. Seine Nachfolgerin Katrin Vernau liegt bei 348.000 Euro. ZDF-Intendant Norbert Himmler bei 382.560 Euro, SWR-Chef Kai Gniffke bei 392.530 Euro. Selbst Radio Bremen, die kleinste Anstalt im Verbund, zahlt ihrer Intendantin über 284.000 Euro. Verglichen mit DAX-Vorständen ist das bescheiden. Verglichen mit dem, was ein Redakteur oder eine freie Mitarbeiterin im selben Haus verdient, liegt dazwischen locker eine zweite Miete.

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Der Wasserkopf, den keiner gern zeigt

Wer im WDR gearbeitet hat, kennt das Bild von innen: Redakteure mit Assistenz, Assistenz mit eigener Aushilfe, darüber ein Verwaltungsbiotop, das sich über Jahrzehnte Schicht für Schicht übereinandergelegt hat wie Sedimentgestein. Arm ist in diesen Häusern kaum jemand. Außer den freien Mitarbeitern, die das Programm eigentlich produzieren und deren Honorare seit Jahren hinter der Inflation zurückbleiben, während oben Betriebsrenten gepflegt werden wie Familienerbstücke aus einer Zeit, in der das Wort „Unkündbarkeit“ noch wie ein Naturgesetz klang.

GEZ-Gebühren: Jetzt steht fest, wann wir keinen Rundfunkbeitrag mehr zahlen müssen

Das ist die Verschwendung, die sich niemand gern anschaut: nicht die nostalgische Samstagabendshow, nicht der „Tatort“, nicht das dritte Regionalmagazin über Spargelernte und Schützenfest, sondern die Struktur selbst. Ein Apparat, der längst begonnen hat, vor allem sich selbst zu erhalten. Gewachsen über Jahrzehnte, kaum rückbaubar, weil jede Ebene ihre eigene Existenzberechtigung verteidigt.

Und trotzdem: ein gutes System

Jetzt der Teil, der in dieser Debatte gern untergeht. Der Rundfunkbeitrag ist, bei aller Verschwendung, eine der wenigen verlässlich funktionierenden Ideen der deutschen Nachkriegsordnung. Er ist mit Absicht kein Steuertopf, den Finanzminister nach Kassenlage kürzen können. Die Politik hat keinen direkten Zugriff auf die Höhe des Beitrags. Dazwischen steht die KEF. Eine Art fiskalischer Türsteher, erfunden aus historischem Misstrauen.

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Denn ein Sender, der jedes Jahr um seine nächste Rate betteln muss, stellt irgendwann nur noch die Fragen, die dem Geldgeber gefallen. „Staatsferne“ klingt wie Verwaltungsdeutsch aus dem Bleisatzzeitalter. Gemeint ist etwas sehr Simples: Wer den Sender bezahlt, sollte nicht gleichzeitig das Drehbuch schreiben dürfen.

Der Blick über die Grenze

Wer wissen will, wie es anders geht, muss nicht weit reisen. In Großbritannien zerbröckelt gerade der Vertrag zwischen BBC und Publikum. Die Lizenzgebühr liegt seit April bei 180 Pfund, die Umgehungsquote bei über zwölf Prozent, und die Regierung diskutiert offen über Abschaffung, ein Streaming-Abo oder eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer. Das Ergebnis ist keine Reform, sondern ein Sender im Dauerfieber: ständig auf der Intensivstation seiner eigenen Zukunft, während das Publikum Richtung Netflix abwandert.

In Frankreich ist die Rundfunkgebühr 2022 komplett verschwunden. France Télévisions und Radio France hängen seither direkt am Staatshaushalt, finanziert über einen festen Mehrwertsteueranteil. Klingt bequem. Ist aber das Gegenteil von Staatsferne. Wenn das Budget jedes Jahr neu verhandelt wird, sitzt jedes Jahr auch ein Stück journalistische Unabhängigkeit mit am Tisch. Meistens auf dem schlechten Platz.

Die Schweiz hat gerade das Gegenexperiment gemacht. Im März stimmte das Land über eine Initiative ab, die die Serafe-Gebühr von 335 auf 200 Franken kappen wollte. Ergebnis: 62 Prozent Nein, in sämtlichen Kantonen. Die SRG bekommt trotzdem eine Diät verordnet, schrittweise auf 300 Franken bis 2029, mit schärferer Kante bei Sport und Unterhaltung. Aber die Grundidee, für unabhängigen Rundfunk zu zahlen, hat eine polternde Mehrheit gefunden. Selbst in einem Land, das sonst beim Trinkgeld nervös wird.

GEZ-Gebühren: Wer keinen Fernseher hat, zahlt keinen Rundfunkbeitrag

Italien zahlt für sein Programm über die Stromrechnung, günstiger als Deutschland. Der Preis dafür: Der Sender Rai gilt als politisch durchregiert, je nach Regierung wird umbesetzt. Staatsferne ist dort eher eine Anekdote als ein Prinzip.

Der Befund: Wer die Gebühr abschafft, bekommt nicht automatisch bessere Medien. Man bekommt entweder einen Sender im Dauerkrisenmodus wie die BBC oder eine Nachrichtenanstalt, die stärker an der Kette der Regierung hängt wie in Frankreich. Deutschland hat, verglichen damit, das unaufgeregtere Problem: zu viel Apparat, nicht zu wenig Unabhängigkeit.

Was, wenn man einfach fragen würde?

Bleibt die Systemfrage: Warum eigentlich nicht freiwillig zahlen, wie bei einem Streaming-Abo? Die ehrliche Antwort: Weil dann vor allem die zahlen würden, die sich ohnehin für Nachrichten interessieren. Und genau die brauchen unabhängige Informationen am wenigsten dringend. Wer sich schon informiert, informiert sich meistens auch ohne Zwangsbeitrag. Die Lücke entstünde bei denen, die ARD und ZDF nebenbei konsumieren, ohne es bewusst zu merken, und die dann in Informationsblasen abwandern würden, die deutlich weniger Sorgfaltspflicht kennen als eine Redaktion mit Compliance-Abteilung. Ein freiwilliges System würde die publizistische Grundversorgung nicht demokratisieren, sondern privatisieren – an jene, die sowieso schon gut informiert sind. Der Rest bekäme das, was Informationsmärkte immer liefern, wenn man sie sich selbst überlässt: das Lauteste, das Billigste, das Schrillste.

Deshalb geht es bei den gut 19 Euro im Monat nie nur um 19 Euro im Monat. Es geht darum, ob eine Gesellschaft sich leisten will, dass Information ein Grundrecht bleibt statt ein Abo-Produkt. Das entlässt niemanden aus der Pflicht, den Apparat zu verschlanken, die Pensionen zu reformieren und die Führungsetagen kleiner zu schneiden. Ein gutes Prinzip, eingegipst in Jahrzehnte Verwaltungsfett, ist immer noch ein gutes Prinzip. Es müsste nur dringend abnehmen. Aber wer macht das schon freiwillig?


Übrigens: Wir haben in unserem WhatsApp-Kanal gefragt, was unsere Community schätzt, wie viel die Öffentlich-Rechtlichen wirklich insgesamt einnehmen – inklusive Werbung und Sponsoring. Hier kommst du zur Umfrage und dem Ergebnis. Und folge uns gern, wenn du mehr zu den Themen Geld & Finanzen lesen willst.

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