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Briefe und Pakete werden 2027 teurer. Doch das ist nicht alles

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Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post die stärkste Portoerhöhung ihrer Geschichte erlauben. Briefe dürfen im Schnitt um 20,35 Prozent teurer werden, Pakete um 10,72 Prozent. Doch im Entscheidungsentwurf steckt mehr:.
Ein Paket wird gescannt
DHL & Post: Änderungen ab 2027Bildquelle: Jens Wegener / DHL Group

Der Brief wird zum Luxusgut. Na ja, fast. Ab dem 1. Januar 2027 darf die Deutsche Post das Porto für Briefe und Postkarten im Schnitt um 20,35 Prozent anheben. Für Päckchen und Pakete von Privatkunden sind es 10,72 Prozent. Das steht in einem Entscheidungsentwurf, den die Bundesnetzagentur jetzt veröffentlicht hat. Würde die Post alle Briefprodukte gleichmäßig verteuern, kostete der Standardbrief künftig 1,14 Euro statt 95 Cent. Zum Vergleich: In der letzten Runde 2024 lag der Spielraum für Briefe bei 10,48 Prozent. Damals stieg das Porto für den Standardbrief zum Januar 2025 von 85 auf 95 Cent. Jetzt ist der erlaubte Aufschlag fast doppelt so hoch. Die neuen Preise sollen zwei Jahre gelten, also bis Ende 2028.

Was Briefe und Pakete 2027 kosten könnten

Wichtig vorab: Die Bundesnetzagentur legt keine einzelnen Preise fest. Sie gibt einen Rahmen vor. Wie die Post ihn verteilt, entscheidet sie selbst. Der Standardbrief kann also stärker steigen und der Großbrief schwächer. Oder umgekehrt. Entscheidend ist nur, dass der Durchschnitt über alle Produkte eines Bereichs die Grenze nicht überschreitet. Zum Briefbereich gehören neben Inlandsbriefen und Postkarten auch Zusatzleistungen wie das Einschreiben sowie Briefe ins Ausland.

Neue Preise ab 2027 im Überblick und Vergleich

Unsere Tabelle zeigt deshalb eine Modellrechnung. So sähen die Preise aus, wenn die Post jedes Produkt um genau den erlaubten Prozentsatz anhebt.

ProduktPreis heutePreis 2027 (Modellrechnung)
Standardbrief / Postkarte0,95 Euro1,14 Euro
Kompaktbrief1,10 Euro1,32 Euro
Großbrief1,80 Euro2,17 Euro
Maxibrief2,90 Euro3,49 Euro
Brief / Postkarte ins Ausland1,25 Euro1,50 Euro
Päckchen S4,19 Euro4,64 Euro
Päckchen M5,19 Euro5,75 Euro
Paket bis 2 kg6,19 Euro6,85 Euro
Paket bis 5 kg7,69 Euro8,51 Euro
Paket bis 10 kg10,49 Euro11,61 Euro

Bei Groß- und Maxibrief hinkt der Vergleich etwas, denn beide Formate ändern sich zum Jahreswechsel. Dazu gleich mehr. Das Paket bis 31,5 Kilogramm fehlt bewusst in der Tabelle. Es gehört nicht zum regulierten Bereich, der nur Pakete bis 20 Kilogramm umfasst.

Fix sind die Preise aber bei weitem noch nicht. Bis zum 30. Oktober können die Post, ihre Wettbewerber und Verbraucherschützer den Entwurf kommentieren. Die endgültige Entscheidung erwartet die Bundesnetzagentur im November. Erst danach beantragt die Post konkrete Preise für jedes einzelne Produkt. Mit den neuen Portowerten ist also frühestens Ende November zu rechnen.

Warum Briefe so viel stärker teurer werden als Pakete

Warum trifft es Briefe fast doppelt so hart wie Pakete? Die Rechnung dahinter ist simpler, als das 171 Seiten starke Entscheidungsdokument vermuten lässt. Die Bundesnetzagentur setzt für die beiden Jahre eine Inflation von 4,04 Prozent an. Dazu kommt die sogenannte Produktivitätsfortschrittsrate. Normalerweise drückt sie den Preis, weil ein Unternehmen mit der Zeit effizienter wird. Bei der Post ist sie negativ: minus 16,31 Prozent bei Briefen, minus 6,68 Prozent bei Paketen. 4,04 plus 16,31 ergibt die 20,35 Prozent für Briefe. 4,04 plus 6,68 ergibt die 10,72 Prozent für Pakete. Die Post wird also unproduktiver.

Der Grund für die negative Produktivität: Es werden immer weniger Briefe verschickt. „Wesentlicher Grund für das steigende Porto sind die stark abnehmenden Briefmengen“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Unternehmen, Behörden und Verbraucher kommunizieren zunehmend digital. Ab 2028 kommt für Unternehmen die Pflicht zur elektronischen Rechnung dazu.

Die Kosten sinken aber nicht im selben Tempo. Die Briefzentren laufen weiter. Die Zusteller gehen weiter ihre Runden. Die Lkw fahren weiter. Die Post muss ganz Deutschland versorgen, egal wie viele Briefe im Kasten landen. Ihre Kosten verteilen sich also auf immer weniger Sendungen, und jeder einzelne Brief wird teurer. Bei Paketen ist der Effekt deutlich schwächer, weil die Mengen dort eher wachsen.

Großbrief und Maxibrief: Neue Formate ab 2027

Bisher kaum beachtet: Die Post baut zum 1. Januar 2027 auch die Briefformate um. Auslöser ist ein Beschluss des Weltpostkongresses in Dubai vom September 2025, der die internationalen Formate neu regelt. Die Post zieht im Inland nach. Darüber hatten wir bereits berichtet.

Der Großbrief gewinnt. Er darf künftig 3 statt 2 Zentimeter dick sein und bis zu 1.000 statt 500 Gramm wiegen. Länge und Breite bleiben gleich. Laut Entwurf schaffen die Sortieranlagen für Großbriefe Sendungen bis 3 Zentimeter Höhe.

Beim Maxibrief ist das Bild gemischt. Er wird größer: bis zu 38,1 mal 30,5 Zentimeter statt bisher 35,3 mal 25 Zentimeter. Er darf schwerer sein: bis 2.000 statt 1.000 Gramm. Aber er wird dünner. Statt 5 sind nur noch 3 Zentimeter erlaubt. Wer bisher einen 4 Zentimeter dicken Maxibrief verschickt hat, braucht ab 2027 also ein anderes Produkt. Ersatzlos gestrichen wird außerdem der Maxibrief mit Zusatzentgelt, auch Maxibrief Plus genannt. Mit ihm konnte man bisher für 5,10 Euro Sendungen bis 2 Kilogramm und bis zu 60 mal 30 mal 15 Zentimetern als Brief verschicken.

Auch international ändert sich einiges. Der bisherige Großbrief International heißt künftig Midibrief und wird etwas größer. Aus dem Maxibrief International wird der Großbrief International bis 1.000 Gramm, mit maximal 3 statt 5 Zentimetern Dicke. Der Maxibrief International bis 2 Kilogramm entfällt.

Auch bei den Päckchen plant die Post Änderungen. Sie begründet sie damit, dass die Sendungsverfolgung für Privatverkäufer auf Plattformen wie Vinted wichtiger wird. Was genau kommt, ist im Entwurf geschwärzt. Geschäftsgeheimnis. Die Bundesnetzagentur sieht einen Teil der Pläne kritisch, lässt sie aber zu.

Was die Post gern auf dich umgelegt hätte

Die Post wollte mehr. Die Bundesnetzagentur sagt, sie sei unter den geforderten Anpassungen geblieben. Denn nicht alles, was die Post beantragt hat, hat der Regulierer akzeptiert. So wollte der Konzern einen großen Posten für qualitätssteigernde Maßnahmen, die die Post ab 2027 umsetzen will, in die neuen Kosten einrechnen lassen. Darunter fallen die Vermeidung von Fehlprozessen, regionale und saisonale Qualitätsmaßnahmen, allgemeine Qualitätsstandards und eine Laufzeitoptimierung. Was genau dahintersteckt, ist ebenfalls geschwärzt. Das Ziel der Post: Sie will die gesetzlichen Laufzeitvorgaben auch künftig einhalten. Nach dem neuen Postgesetz müssen 95 Prozent der Briefe am dritten und 99 Prozent am vierten Werktag nach Einlieferung ankommen. Die Bundesnetzagentur sagt, ihr lägen keine Hinweise vor, dass die Post die Vorgaben verfehle. Die Post habe auch nicht plausibel dargelegt, dass das 2027 oder 2028 drohe. Die Maßnahmen würden das Porto einseitig verteuern, ohne dass die Kunden etwas davon hätten. Teilweise vermutet die Behörde sogar doppelte Strukturen. Ihr Urteil: ineffizient.

Eine Ausnahme gibt es. Zusätzliche Transportfahrten zu Briefzentren in Randlage, im Entwurf „Vorabzüge“ genannt, darf die Post voll einpreisen. Sie ergänzen die Lkw- und Sprinterfahrten, mit denen die Post seit dem Ende der nächtlichen Briefflüge im Jahr 2024 die Briefe durchs Land bringt. Das Ziel: Mehr Briefe sollen auch auf langen Strecken am nächsten Tag ankommen.

Gekürzt hat die Behörde auch an anderer Stelle. Einen Teil der Filialkosten hatte die Post überwiegend den Briefen zugeordnet. Angesichts des wachsenden Paketgeschäfts hält die Bundesnetzagentur das für unplausibel und verteilt um. Und dann ist da noch eine Gebühr, die die neue Konzernmutter DHL AG für die Nutzung der Marke DHL verlangen will. Auch die sollte ins Porto einfließen. Die Behörde lehnt das grundsätzlich ab.

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