Online-Shopping läuft inzwischen wie Atmen. Schuhe, Pfanne, Handy – alles kommt per Paket nach Hause. Und alles geht auch genauso schnell wieder zurück, wenn’s nicht passt oder nicht gefällt. Für Kunden bequem, für Paketdienste ein kleiner Albtraum. Schließlich waren 2025 in Deutschland 4,37 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen unterwegs, meldet der Branchenverband BPEX. Besonders rund um den Black Friday und kurz vor Weihnachten, wenn DHL & Co. kaum noch wissen, wohin mit den Kartons. Und wenn man selbst nicht zu Hause ist, landet das Päckchen beim Nachbarn. Oder beim Kiosk. Oder – Pech gehabt – im Postlager am anderen Ende der Stadt, das genau dann geschlossen ist, wenn man Zeit hätte. Alltag in Deutschland.
Pakete für Nachbarn annehmen und dafür bezahlt werden
DHL hat sich mit Packstationen geholfen: Rund 18.000 Automaten stehen inzwischen im Land herum, rund um die Uhr verfügbar. Bis 2030 sollen es 30.000 werden. Das Kölner Unternehmen DropFriends geht einen anderen Weg: Menschen statt Schränke. Nachbarn sollen Geld bekommen, wenn sie Pakete für andere annehmen. Das Prinzip ist einfach: App runterladen (gibt es für Android und das iPhone), registrieren, fertig. Wenn du bereit bist, Pakete für fremde Menschen entgegenzunehmen, wirst du in der App als sogenannter DropPoint angezeigt. Mit Foto und Vornamen. Nicht mehr.
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Wer irgendwo etwas bestellt, kann in der App nachsehen, wo in der Nähe sich einer der DropPoints befindet, und diesen als Lieferadresse angeben. Der Vorteil: Man kann den DropPoint wählen, der am besten zu den eigenen Zeiten und Terminen passt. Kein Stress mit Filialöffnungszeiten. Die App zeigt an, ob das Paket schon da ist – mit Fotos.
Jeder kann jetzt Paketshop sein: So viel Geld gibt es
Als Paketannahmestelle entscheidet man selbst, wie viele Pakete man annehmen will und wie groß und schwer die Dinger sein dürfen. Denn wohnt man in einer kleinen Wohnung, die ohnehin schon voll ist, ist irgendwann Schluss. Erst wenn Abholer ihre Pakete mitnehmen, kann man neue annehmen. Soweit, so überschaubar.
Und Geld gibt’s auch: zwischen 50 Cent und 1 Euro pro angenommenem Paket. Den vollen Euro zahlt DropFriends allerdings erst ab 150 positiven Bewertungen. Wer neu anfängt, bekommt 50 Cent. Liegt ein Paket länger als 24 Stunden bei dir, gibt es einen Aufschlag, der mit jedem Tag wächst: nach anderthalb Tagen 50 Cent, nach fünf Tagen 4 Euro. Trinkgeld per App ist auch drin.
Wie das in der Praxis aussieht, rechnet DropFriends selbst vor: Ein DropPoint mit mindestens 80 positiven Bewertungen bekommt 80 Cent pro Paket. Bei drei Paketen macht das 2,40 Euro. Zwei Abholer geben Trinkgeld, einer 50 Cent, einer einen Euro. Ein Paket wird nach 18 Stunden abgeholt, eins nach anderthalb Tagen, eins bleibt fünf Tage liegen. Macht zusammen 4,50 Euro fürs Aufbewahren. Unterm Strich: 8,40 Euro für drei Pakete. Reich wird davon niemand. Für ein paar Mal Türaufmachen ist es trotzdem mehr als der übliche Dank im Treppenhaus.
Neu: Amazon-Paketshop im Wohnzimmer
Und jetzt steigt Amazon ein. Über die DropFriends-App gibt es erstmals Amazon Counter in Privathaushalten, und zwar bundesweit. Das verkündet DropFriends-Mitgründer Martin Peters auf LinkedIn. Amazon Counter kannte man bislang nur aus Läden. Jetzt kann auch das eigene Wohnzimmer einer sein. Der Unterschied zum normalen DropPoint: Die Haushalte tauchen im Amazon-Checkout direkt als Lieferoption auf. Wer bei Amazon bestellt, muss den Umweg über die DropFriends-App also gar nicht erst gehen.
Wie viel Geld es für ein Amazon-Paket gibt, hat DropFriends bislang nicht öffentlich gemacht. Für Kooperationen mit Paketdiensten gelten laut Nutzungsbedingungen eigene Vergütungssätze, die in der App stehen. Die Rechnung oben gilt also für das normale DropFriends-Modell. Und noch etwas regeln die Bedingungen: Weder DropFriends noch der Paketdienst betreten die Wohnung. Der Kontakt beschränkt sich auf die Übergabe an der Haustür.
Und was sagen Finanzamt und Vermieter?
Ganz ohne Kleingedrucktes geht es nicht. Was DropFriends auszahlt, sind Einnahmen, und die interessieren grundsätzlich das Finanzamt. Bei gelegentlichen Einnahmen dieser Art greift in der Regel eine Freigrenze von 256 Euro im Jahr. Wer darunter bleibt, zahlt nichts. Wer drüber liegt, muss den gesamten Betrag versteuern, nicht nur den Teil über der Grenze. Wird aus dem Gefallen ein regelmäßiges Geschäft mit vielen Paketen pro Woche, kann das Finanzamt auch eine gewerbliche Tätigkeit sehen.
Dann ist da noch der Vermieter. Eine Mietwohnung ist zum Wohnen gemietet. Wer daraus eine Anlaufstelle mit ständigem Kommen und Gehen macht, braucht unter Umständen dessen Erlaubnis. Bei ein paar Paketen im Monat ist das eine Sache, bei einem voll ausgelasteten DropPoint, erst recht mit Amazon-Paketen, eine andere. Ein kurzes Gespräch vorher kostet weniger als der Ärger danach.
Die Idee ist nicht neu
DropFriends ist schon seit 2020 am Markt. Man überlebte sogar das Hermes-Pendant PaketFuxx. Hermes gab damals Corona die Schuld für das Aus. Neu ist eher, dass man mit Nachbarschaftshilfe inzwischen kleine Nebenjobs basteln kann. Positiver Nebeneffekt: Vielleicht lernt man nebenbei auch noch einen netten Nachbarn kennen. Und aus Paketabholung und Plausch werden Kartons mit Kaffeekränzchen.

So nett und verlockend das auch klingt, das ist eine gewerbliche Tätigkeit die versteuert werden muss.
Erschwerend kommt hinzu das ein Mietshaus und die einzelnen Wohneinheiten in der Regel nur für Private Nutzung vorgesehen sind. Der Vermieter müsste das also erst genehmigen. Macht man das ohne Genehmigung droht eine Abmahnung und / oder Kündigung. Durch die ständige Laufkundschaft und die Zusteller die Pakete anliefern, könnten sich weitere Mieter gestört fühlen was den Hausfrieden arg belastet.
Ja