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Preiserhöhung bei 1&1: Wer jetzt kündigt, kann Hunderte Euro sparen

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Post vom DSL-Anbieter, es wird teurer. Ärgerlich? Nicht unbedingt. Bei 1&1 zeigt sich gerade, wie aus einer Preiserhöhung eine Ersparnis wird. Und wie Nutzer darauf reagieren.

Wenn dein Internetanbieter dir schreibt, steht selten etwas Gutes drin. Diesmal kann das anders sein. Denn viele DSL- und Glasfaserverträge folgen demselben Bauplan. Das erste Jahr ist billig, manchmal sogar kostenlos. Das zweite Jahr kostet den vollen Preis. Gebunden bist du 24 Monate. Der Anbieter holt sich sein Geld also im zweiten Jahr zurück. Erhöht er in dieser Zeit den Preis, darfst du raus. Ohne Kosten und ohne die teuren Monate am Ende. Genau das passiert gerade bei 1&1.

Seit Ende August verschickt 1&1 Schreiben und E-Mails, die laufende DSL- und Glasfaserverträge teurer machen. Um bis zu 3 Euro im Monat. Wirksam wird das je nach Kunde zwischen dem 1. und dem 9. Oktober 2026. Inzwischen tauchen spätere Termine auf. In den Kommentaren unter diesem Artikel nennt ein Leser den 26. Oktober, im Forum von Finanztip ist vom 20. Oktober die Rede. Ein Reddit-Nutzer berichtet von einer Nachricht vom 1. Oktober, laut der er frühestens zum 3. November kündigen kann. Ob weitere Wellen folgen, hat 1&1 auf unsere Anfrage offengelassen.

Die Erhöhung klingt nach Kleingeld, sind aber aufs Jahr gerechnet 36 Euro mehr. Und je günstiger dein Tarif war, desto härter trifft es dich prozentual. Auf einen Grundpreis von 29,99 Euro sind 3 Euro ein Aufschlag von zehn Prozent, auf 59,99 Euro nur fünf Prozent.

„Nutzt das aus“: So reagieren Nutzer

Für manche Kunden ist der Brief keine schlechte Nachricht. Bei Reddit haben sich binnen eines Tages mehr als 200 Upvotes und über 80 Kommentare gesammelt. Verfasser qGuevon schreibt, er habe einen dieser Verträge nach dem Muster „Günstiger für X Monate, teurer für Y, Vertragsbindung für 2 Jahre“. Dank der Erhöhung komme er nun früher aus dem teuren Teil raus. Und könne „nochmal sowas abschließen“.

Er ist nicht allein. Nutzer mattgolt bilanziert: „12 Monate für 0 € und dann 2 Monate für 44 € gehabt. Sehr gutes Timing 1&1“. Läuft sein Vertrag über die üblichen 24 Monate, hätte er noch zehn Monate zu je 44 Euro vor sich gehabt. Das sind 440 Euro, die er jetzt sparen kann. Malg0 war ein Jahr Kunde und hat nach eigener Rechnung mit allen Rabatten und Gutschriften effektiv nur für viereinhalb Monate bezahlt. Sein Kommentar: „Voll nett von 1&1“. Und mrhocA hat „die 10 Monate für 9,99 € dankend mitgenommen“. Jetzt freut er sich aufs nächste Neukundenangebot.

Andere nutzen die Erhöhung als Hebel. LocoCarlito berichtet, ein Anruf bei der „VIP-Kundenhotline“ habe gereicht. Die Erhöhung sei geprüft und zurückgenommen worden, samt Bestätigungsmail. ChipmunkReal187 hatte am Telefon kein Glück, bekam im Chat aber nach eigenen Worten „direkt ein richtiges gutes Angebot“.

Sonderkündigung: Das musst du wissen

Die Grundlage ist § 57 des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Ändert dein Anbieter einseitig den Vertrag, etwa mit einer Preiserhöhung, darfst du ohne Kosten kündigen. Dafür hast du drei Monate Zeit, gerechnet ab dem Zugang der Mitteilung. Der Vertrag endet frühestens an dem Tag, an dem der neue Preis gelten soll. Nach Berichten von Kunden weist 1&1 in den Schreiben selbst auf dieses Recht hin. Entscheidend ist, wo du in deinem Vertrag stehst. Bist du schon aus der Mindestlaufzeit raus, bringt dir das Sonderkündigungsrecht wenig. Dann kannst du nach § 56 TKG ohnehin jeden Monat mit einem Monat Frist kündigen. Der eigentliche Hebel ist das teure zweite Vertragsjahr. Steckst du mittendrin, kommst du Monate früher raus, als dein Vertrag es vorsieht.

Diese Tarife sind betroffen

Ob dein Anschluss dabei ist, lässt sich noch nicht sicher sagen. Ein Originalschreiben liegt uns nicht vor; die konkreten Zahlen stammen von Kollegen und aus Leserberichten. So hat beispielsweise teltarif.de zwei Fälle dokumentiert: Bei 1&1 DSL 50 steigt der Grundpreis von 29,99 auf 32,99 Euro, bei 1&1 Glasfaser 300 von 39,99 auf 42,99 Euro. Weitere Berichte sprechen von einer Erhöhung beim Tarif 1&1 DSL 250 von 34,99 auf 37,99 Euro. In den Kommentarspalten und auf Reddit melden sich weitere Betroffene. Genannt werden dort auch DSL 100 und Glasfaser 1000. Letzterer steigt von 59,99 auf 62,99 Euro. Ein Kunde schreibt, ihm sei dieser Tarif mit „dauerhaft 59,99 Euro“ verkauft worden.

Auffällig war von Anfang an das Muster. In fast allen dokumentierten Fällen sind es genau 3 Euro. Egal ob DSL oder Glasfaser. Egal bei welcher Bandbreite. Uns gegenüber sprach 1&1 dagegen von „bis zu 3 Euro“. Inzwischen melden Leser auch Abweichungen. Einer soll statt 44,90 künftig 47 Euro zahlen, ein anderer statt 32,99 nun 37,99 Euro. Das wären 5 Euro mehr. Ob dahinter etwa ein wegfallender Rabatt steckt, ist offen.

Und es bleibt nicht bei der Marke 1&1. Bei sim24, das zum Drillisch-Portfolio des Konzerns gehört und dessen DSL-Anschlüsse auf der 1&1-Plattform laufen, berichten Kunden von E-Mails am 31. August mit identischem Aufschlag. Einer nennt eine Erhöhung von 19,99 auf 22,99 Euro, ein anderer von 29,99 auf 32,99 Euro zum 1. Oktober. Hast du deinen Anschluss über eine der günstigen Konzernmarken gebucht, bist du also nicht automatisch außen vor.

Das sagt 1&1

Wir haben in Montabaur bei 1&1 angefragt. Der Konzern bestätigt die Erhöhung und stellt sich zunächst als der Anbieter dar, der lange verzichtet hat: „1&1 hat die Preise für Breitband-Bestandskunden viele Jahre stabil gehalten. Während Wettbewerber ihre Preise in den vergangenen Jahren teils mehrfach angepasst haben, zuletzt die Deutsche Telekom ab April 2026, konnten wir auf Preiserhöhungen bislang verzichten.“ Die Deutsche Telekom hat zum 1. April 2026 ältere DSL-Verträge um 2 Euro erhöht und betonte dabei ausdrücklich, Bestandskunden zahlten danach immer noch 2 Euro weniger als Neukunden.

Zur Begründung heißt es: „Konstant steigende Energie- und Betriebskosten sowie höhere Vorleistungspreise bei unseren lokalen Ausbaupartnern gehen allerdings auch an uns nicht spürbar vorbei, so dass wir für einen Teil unserer Bestandsverträge eine moderate Anpassung der monatlichen Grundgebühr vornehmen müssen.“

In den Kundenschreiben verweist 1&1 laut teltarif zusätzlich auf eigene Netzinvestitionen in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr. Uns gegenüber fällt dieses Argument weg; es bleiben Energie, Betrieb und Vorleistungen. Dazu passt die Rolle, die 1&1 im Festnetz tatsächlich spielt: Ein eigenes Zugangsnetz für Privatkunden hat der Anbieter nicht. Die Leitung bis in deine Wohnung kauft er ein, bei der Telekom, bei OXG, bei der Deutschen Glasfaser und bei regionalen City-Carriern.

Warum du künftig zahlst wie ein Neukunde

Der wichtigste Satz der Antwort: „Die Anpassung betrifft größtenteils Verträge, deren monatliche Grundgebühr unter dem Preisniveau heute neu abgeschlossener Verträge liegt. Nach der Anpassung bewegen sich diese Verträge auf einem vergleichbaren Preisniveau.“ Was in dem Satz fehlt: Neukunden zahlen in den ersten Monaten oft deutlich weniger. Die Reddit-Beispiele oben zeigen, wie das in der Praxis aussieht. 0 Euro. 9,99 Euro. Ein ganzes Jahr lang.

Auf unsere Fragen hat 1&1 nur zum Teil geantwortet. So gab es keine Antwort auf die Frage, warum es offenbar auch Erhöhungen im Rahmen der Mindestvertragslaufzeit gibt. Mehrere Kunden berichten, die Erhöhung treffe sie mitten in der Bindung; einer davon habe noch neun Monate Restlaufzeit. Wir haben gefragt, ob das zutrifft und auf welche Regelung in den AGB sich 1&1 in diesen Fällen stützt. Die schwammige Antwort: „Grundsätzlich kann 1&1 im Falle eines Anstiegs von Gesamtkosten unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen Preise für bestehende Verträge anpassen.“

Offen bleibt außerdem, wie viele der 3,85 Millionen Breitbandverträge, die 1&1 zum 30. Juni 2026 gemeldet hat, überhaupt betroffen sind. Ebenso offen ist, welche Tarife und Tarifgenerationen es genau trifft, ob die Erhöhung bundesweit gilt, ob weitere Wellen folgen und was mit deinem Anschluss passiert, wenn du der Erhöhung widersprichst, ohne zu kündigen. Zu den Konzernmarken bleibt es in der Antwort bei einem Halbsatz: „Auch bei einzelnen Verträgen weiterer Konzernmarken können vergleichbare Anpassungen vorgenommen werden.“

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  • Nach Gerichtsurteil: 1&1-Kunden können nach Verlängerung schneller aus dem Vertrag: 1&1

5 Kommentare

  1. Volki7
    Wenn der im Artikel erwähnte sim24-Vertrag vor dem 14.8.2023 bestellt wurde, ist es ein 1&1-Vetrag geworden. Siehe https://service.sim24.de/public/contract/terminate mit Auswahl 'Festnetz-Vertrag', Drillisch-Marken-spezifisches Datum. Ab dann abgeschlossene DSL-Verträge werden in der sonst auch für Mobilfunkverträge genutzten, eigenen Servicewelt verwaltet.
  2. Helmut Hamm
    Ich bin auch betroffen Vertraglich bis zum Ende der Vertragslaufzeit ist vereinbart ein Betrag von 44,90 und jetzt soll der Betrag während der Vertragslaufzeit auf 47.00 Euro angehoben werden. Ich bin Stinksauer und finde so etwas unseriös.
  3. Himbi
    Seit heute betroffen. Gerade erst n neuen Router dort gekauft... Der Basispreis DSL 50 liegt übrigens bei 39,99 € (neu 42,99€), nicht wie oben angegeben... Für mich absolut unverständlich, dass Kunden an Vertragslaufzeiten gebunden werden, aber der Anbieter zwischendrin immer freie Hand hat. Ich brauch den Router nun eigentlich nicht mehr, wenn ich zu einem anderen Anbieter wechsel. Waren 100€ für die Tonne
  4. Maddin
    Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich noch einen Legacy-Tarif habe - mit 10 Rufnummern und 1 TB Cloud-Speicher. :-) Und der Preis ist in der Tat seit ewigen Zeiten nicht erhöht worden. Wenn man daran denkt, dass ja auch Technik und Personal bezahlt werden muss, geht die Preiserhöhung für mich als "Alttarifler" absolut in Ordnung, selbst wenn 1&1 die Leistung einkauft - schließlich wird auch die Telekom die gestiegenen Kosten an 1&1 weiterreichen. Bei Neukunden, bei denen die Leistung ohnehin niedriger ist, finde ich die Erhöhung dagegen eher fragwürdig. Ich für mich sehe aber keinen Grund zur Kündigung.
  5. Georg
    Habe auch so eine m.E. rechtswidrige Erhöhung während der Vertragslaufzeit bekommen. Mein zweijähriger 1&1 DSL 100 Vertrag läuft bis Sept. 2027 für 32,99 Euro/Monat. Nun fordert 1und1 ab 26.10.2026 plötzlich 37,99 Euro/Monat. Dabei lassen die 1und1 AGB unter „A. 6. Entgelte“ Preisanpassungen nur bei einer Änderung der Umsatzsteuer zu. Die nun zur Begründung angeführten Kostensteigerungen „In den vergangenen Jahren (!)“ waren auch schon im September 2025 bekannt. Vor allem bestätigt die im August 2025 übersandte Vertragsbestätigung, dass der „dauerhaft günstige“ Festpreis von 32,99 Euro für 24 Monate verbindlich vereinbart ist. Bei Interesse kann ich Ihnen das Erhöhungsschreiben schicken.
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