Leapmotor will E-Autos bezahlbar machen. Und der B03X ist dafür das bislang deutlichste Statement der Marke. Der kleine Elektro-Crossover, der unter anderem in Konkurrenz zu Volvo EX30 (Test), Volkswagen ID.Cross und Kia EV2 (Test) fährt, startet bei 25.400 Euro und verspricht trotzdem ein Platzangebot wie eine Klasse darüber. Hinter dem chinesischen Hersteller steht in Europa ein Joint Venture mit Stellantis (Opel, Fiat, Peugeot etc.). Verkauft wird über das Händlernetz des französischen Automobilkonzerns.
Wir sind den B03X in der Topversion ProMax Design rund um Düsseldorf gefahren: durch die Stadt, über Landstraßen und auf der Autobahn. Unterm Strich steht ein Auto, das in vielen Disziplinen positiv überrascht. Es zeigt aber auch deutlich, wo vom Hersteller der Rotstift angesetzt wurde, um einen Preis zu ermöglichen, der eine möglichst breite Masse ansprechen kann.
Leapmotor B03X Design: unauffällig – bis du ihn von hinten siehst
Mit 4,27 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und 1,64 Metern Höhe gehört der B03X zu den kompakten Crossovern des B-Segments. Er passt problemlos in normale Parklücken und in die Standardgarage. Der Radstand von 2,61 Metern bildet die Basis für ein großzügiges Innenleben.
Optisch bleibt der B03X zurückhaltend: glatte Flächen, teilversenkte Türgriffe, ein schwebend wirkendes Dach mit sportlich anmutendem Dachkantenspoiler. Einen echten Hingucker gibt es aber: Die Rückleuchten zeigen ein lächelndes Gesicht, die sogenannte „Haha“-Lichtsignatur. Das gibt dem sonst eher braven Auftritt einen richtig angenehmen Charakter.
Im Stadtalltag hilft der Wendekreis von nur 10 Metern. Damit drehst du in engen Straßen oft in einem Zug, wo andere SUVs kräftig rangieren müssen. Das Auto lässt sich übrigens per NFC-Karte oder Bluetooth-Schlüssel auf dem Handy öffnen. Also ganz ohne klassischen Schlüssel.
Innenraum: Platz satt, Verarbeitung mit Abstrichen
Die größte Stärke des B03X zeigt sich schon beim Einsteigen. Vorne wie hinten haben auch groß gewachsene Menschen reichlich Kopf- und Beinfreiheit. Auch wenn der Fahrer seinen Sitz weit nach hinten schiebt, sitzt ein langer Erwachsener im Fond noch überraschend entspannt. Das ist selbst bei so manchen größeren Autos längst keine Selbstverständlichkeit. Möglich macht das reiche Platzangebot die reine E-Auto-Plattform mit flachem Boden. Trotz der Einordnung in die Kompaktklasse musst du also kaum Einschränkungen befürchten.
Die Sitze sind bequem, Armaturenbrett und Türen tragen Soft-Touch-Oberflächen. Das fühlt sich auf den ersten Griff wertiger an, als der Preis vermuten lässt. Beim genaueren Hinsehen fällt aber die eher einfache Verarbeitung im Cockpit auf. Zudem wirken die Oberflächen an Türen und Armaturenbrett so, als könnten sie schnell Kratzer abbekommen. Etwa durch Schlüssel, Ringe oder Fingernägel. Wie gut sie tatsächlich altern, muss ein Langzeittest zeigen.
Kofferraum und Stauraum: clever, aber ohne Frunk
Hinter der Heckklappe stehen insgesamt bis zu 475 Liter Kofferraumvolumen bis unter das Dach bereit. Darin enthalten ist ein tiefes, wasserdichtes Fach unter dem ebenen Ladeboden mit allein 105 Litern Stauvolumen. Es lässt sich dank integriertem Stöpsel einfach auswaschen und eignet sich damit für dreckige Gummistiefel oder nasse Sportsachen. Klappst du die Rückbank um, wächst das Volumen auf 1.358 Liter. Die Ladelänge beträgt dann bis zu 2,53 Meter.
Pfiffig ist die zweite Sitzreihe, die im Verhältnis 40/60 teilbar ist: Die Sitzflächen lassen sich nämlich hochklappen. So entsteht hinter den Vordersitzen Platz für hohe, sperrige Dinge, die nicht in den Kofferraum passen. Insgesamt verteilt Leapmotor 33 Ablagemöglichkeiten im Innenraum.
Was fehlt? Ein Frunk! Unter der vorderen Haube gibt es kein zusätzliches Fach, etwa für das AC‑Ladekabel, das der Hersteller ab Werk mitliefert. Das muss also mit in den Kofferraum. Und noch etwas ist uns aufgefallen: Die Zuladung gibt Leapmotor mit nur 395 Kilogramm an. Für ein Auto, das sich an Familien richtet, ist das knapp. Vier Erwachsene und Gepäck dürften recht schnell an die zugelassene Grenze stoßen. Bei der Dachlast sind maximal 75 Kilogramm erlaubt. Der Hersteller empfiehlt, dann mit maximal 120 km/h zu fahren.
Auf einen Anhänger kannst du übrigens nicht ausweichen. Es gibt auch optional keine Anhängerkupplung für den Leapmotor B03X. Entsprechend ist auch keine Stützlast für die Montage eines Fahrradträgers vorgesehen. Schade!
Bedienung: Alles auf dem Touchscreen – mit Lücken
Im Cockpit dominieren ein 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mitte und ein 8,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad als LCD‑Instrumentendisplay, das unter anderem Geschwindigkeit, Reichweite und Batteriestatus anzeigt. Die durchgehende Mittelkonsole kommt ganz ohne Knöpfe aus. Das sieht aufgeräumt aus, bedeutet aber: Fast alles läuft über den Bildschirm. Willst du während der Fahrt etwa die Klimatisierung ändern, musst du den Blick von der Straße nehmen.
Wie unfertig manches noch wirkt, zeigt die Klimaautomatik. Offiziell arbeitet sie mit zwei Zonen. Bei unserer Testfahrt fand aber nicht einmal der zuständige Produktmanager die Einstellung, mit der Fahrer und Beifahrer wirklich getrennte Temperaturen wählen können. Die Funktion soll, so wurde uns versichert, schnellstmöglich per Update nachgeliefert werden.
Positiv: Das System läuft erfreulich flüssig. Neben einem eigenen Navigationssystem gibt es kabelloses Apple CarPlay und Android Auto. Außerdem lassen sich Apps wie Spotify und andere Musikdienste oder auch die Konferenz-Software Zoom direkt im Auto nutzen. Richtig praktisch für Meetings unterwegs. Video-Apps fehlen dagegen leider.
Über die Leapmotor-App kannst du den Innenraum vorklimatisieren, den Akku vor dem Schnellladen vorkonditionieren und das Auto per digitalem Schlüssel öffnen. Neue Software-Versionen spielt der Hersteller over the air auf.
Zum Laden deiner Geräte gibt es vorn eine Qi-Ladeschale und zwei USB-C-Buchsen im Staufach der Mittelkonsole. Hinten findest du je einen USB-C- und einen USB-A-Anschluss, um etwa Smartphones oder Tablet PCs mit Strom zu versorgen.
Fahreindruck: flotter, als die Daten vermuten lassen
Im Testwagen Leapmotor B03X ProMax Design treibt ein 145 kW (197 PS) starker Elektromotor die Vorderräder an. Das Basismodell kommt auf 130 kW (177 PS). Beide liefern 200 Newtonmeter maximales Drehmoment und sprinten laut Hersteller in 8,6 Sekunden auf Tempo 100. Für ein Auto dieser Größe ist das ausreichend. Der Motor ist ölgekühlt. Das soll sicherstellen, dass die volle Leistung auch über längere Zeit abrufbar bleibt, etwa auf ausgedehnten Autobahnetappen. One-Pedal-Driving ist verfügbar.
Offiziell gibt Leapmotor 160 km/h als Höchstgeschwindigkeit an. Auf der Autobahn haben wir mit unserem Testwagen allerdings bis auf 181 km/h beschleunigen können. Der B03X ist also kein reines Stadtauto, auch wenn er sich dort am wohlsten fühlt. Die Abstimmung? Leise und komfortabel. So, wie man es sich von einem E-Auto wünscht.
Das Fahrverhalten kannst du in drei Bereichen anpassen, jeweils in drei Stufen: die Beschleunigung (Komfort, Standard, Sport), die Rekuperation (schwach, mittel, stark) und die Lenkung (Komfort, Standard, Sport). Die Lenkung haben wir als ziemlich leichtgängig empfunden. Und zwar unabhängig von der gewählten Stufe. Den Tempomat aktivierst du über einen Hebel hinter dem Lenkrad, das ist schnell verinnerlicht.
Insgesamt bringt der B03X 21 Assistenzsysteme mit, darunter einen Stauassistenten und eine Müdigkeitserkennung. Allerdings musst du damit rechnen, dass der Spurhalteassistent recht schnell ins flüssige Fahren eingreift. Das kann stören, lässt sich von Leapmotor aber per Software-Update auch noch nachjustieren.
Verbrauch und Laden: sparsam auf der Testrunde
Nach 55 Kilometern durch die Stadt, über Landstraßen und auf der Autobahn lag unser Verbrauch laut Bordcomputer bei 13,2 kWh pro 100 Kilometer. Das ist deutlich weniger als der kombinierte WLTP-Wert von 15,7 kWh. Rein rechnerisch wären mit dem 53-kWh-Akku damit rund 400 Kilometer drin. Unsere Runde war allerdings kurz, im Winter und bei viel Autobahn wird der Verbrauch steigen. Offiziell nennt Leapmotor 382 Kilometer WLTP-Reichweite für den ProMax und 292 Kilometer für das Basismodell Pro.
Beide Akkus setzen auf LFP-Zellchemie, die als robust und langlebig gilt. Am Schnelllader soll der Akkustand laut Hersteller in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent steigen. Die maximale DC-Ladeleistung liegt bei 133 kW im ProMax und bei 100 kW im Pro, an der Wallbox oder an einer Normalladesäule lädt der B03X mit 11 kW. Auf das Auto gibt Leapmotor vier Jahre Garantie bis 100.000 Kilometer, auf den Akku acht Jahre bis maximal 160.000 Kilometer.
Preise und Ausstattung: zwei Varianten, kaum Extras
Leapmotor macht die Wahl einfach: Es gibt nur zwei Versionen, die Akkugröße ist fest an die Ausstattung gekoppelt. Der B03X Pro Life mit 39,8-kWh-Akku kostet 25.400 Euro. Serienmäßig an Bord sind unter anderem Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, sieben Airbags, Regensensor und die beiden Bildschirme. Insgesamt ist die Basisausstattung bei dieser Variante aber eher mager.
Der deutlich besser ausgestattete Leapmotor B03X ProMax Design mit 53-kWh-Akku liegt bei 29.900 Euro. Er ergänzt Kunstledersitze, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Sitz- und Lenkradheizung, eine 360-Grad-Kamera, Ambientebeleuchtung, ein Soundsystem mit zwölf Lautsprechern und 18-Zoll-Felgen. Achtung: Das Basismodell Pro ist nur mit Stahlfelgen ausgestattet, während der von uns gefahrene ProMax mit Leichtmetallfelgen unterwegs sein darf.
Zu haben ist der Wagen in sechs Außenfarben. Ohne Aufpreis aber nur in Acorn Brown. Die fünf anderen Farben kosten 650 Euro extra. Mit der staatlichen E-Auto-Förderung kann der Preis für berechtigte Haushalte weiter sinken. Zu den direkten Konkurrenten zählen neben den oben genannten Autos auch der BYD Atto 2 (Test) und der Renault 4 (Test).
Übrigens: Leapmotor legt großen Wert darauf, eine hohe Wertstabilität zu erreichen. Deswegen gibt es auf die Autos im Handel auch keine Rabatte.
Fazit: viel Auto fürs Geld, die Software braucht Feinschliff
Der Leapmotor B03X liefert mit einem Gewicht von rund 1,6 Tonnen genau das, was viele von einem bezahlbaren E-Auto erwarten: viel Platz, eine alltagstaugliche Reichweite, einen niedrigen Verbrauch und eine umfangreiche Serienausstattung. Vor allem das Raumangebot im Fond ist in dieser Preisklasse eine Ansage. Abstriche musst du bei der Materialqualität im Cockpit und bei der touchlastigen Bedienung machen.
Dass eine beworbene Funktion wie die 2-Zonen-Klimaautomatik zum Test nicht nutzbar war, wirkt unfertig. Bessert Leapmotor die Software zügig nach, ist der B03X eine klare Empfehlung für Familien und Pendler mit begrenztem Budget. Erfreulich: Eine Wärmepumpe ist bei diesem Auto grundsätzlich als Serienausstattung an Bord.
Übrigens: In Asien wird der Leapmotor B03X als A10 verkauft. Darauf hat der Hersteller in Europa aber verzichtet, um etwaigen Verwechslungen mit Audi aus dem Weg zu gehen, wo A4, A5 und A6 schon sehr etabliert sind.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Sehr viel Platz vorn und hinten, auch für große Menschen
- Günstiger Einstieg ab 25.400 Euro mit umfangreicher Serienausstattung
- Niedriger Verbrauch von 13,2 kWh/100 km auf unserer Testrunde
- Wärmepumpe serienmäßig
- Clevere Staulösungen mit 105-Liter-Fach im Kofferraum und hochklappbaren Rücksitzen
Nachteile
- Bedienung fast nur über den Touchscreen, keine Tasten in der Mittelkonsole
- 2-Zonen-Klimaautomatik im Test nicht nutzbar, Update steht noch aus
- Einfache Verarbeitung im Cockpit, Oberflächen wirken kratzempfindlich
- Großer Akku nur in Kombination mit der teureren Ausstattung
- Kein Frunk unter der vorderen Haube
Ich hätte nicht gedacht, dass ich in einem so kompakten Auto hinten so entspannt sitzen kann, selbst wenn vorn jemand den Sitz weit nach hinten schiebt. Der B03X ist für mich ein ehrliches Alltagsauto: sparsam, wendig und zu einem Preis, der E-Mobilität bezahlbar macht. Sicher gibt es komfortablere E-Autos, doch das Gesamtpaket bei diesem Fahrzeug stimmt. Gerade dann, wenn es als Stadtauto vorgesehen ist.
