Anfang September wurde die Huawei Watch D3 in München vorgestellt und ab sofort ist sie für 449 Euro (UVP) zum Beispiel im Huawei Online Store erhältlich. Schon die beiden Vorgängermodelle haben im Test überzeugt, sodass die Vorschusslorbeeren beim dritten Modell von Huaweis Blutdruck-Smartwatch groß waren. Kann das medizinisch zertifizierte Gesundheits-Wearable das halten, was man von ihm nach den guten Ergebnissen der Vorgänger erwartet?
Design & Tragekomfort: Spürbar schlanker, aber kein Leichtgewicht
Laut Huaweis eigenen Laborvergleichen ist die D3 gegenüber der D2 um 15 Prozent flacher und in Kombination mit dem neuen Armband insgesamt auch etwas leichter geworden. Wir haben mit Armband 75 Gramm gemessen. Im Alltag zeigt sich, dass die Uhr an einem recht großen Handgelenk nie als störend empfunden wird. Auch das Gewicht erweist sich als absolut alltagstauglich. Etwas klobig ist sie aber schon.
Zur Wahl stehen drei Farben: Mokka-Gold und Blassgold mit Kunstlederarmband, Schwarz mit einem Armband aus Spezialkautschuk (HNBR). Die Bandbreite beträgt 25 Millimeter, verfügbar in den Größen M (13 bis 16 Zentimeter Handgelenksumfang) und L (16 bis 21 Zentimeter). Wer mit seinem Handgelenk außerhalb dieses Bereichs liegt, muss laut Huawei mit Genauigkeitseinbußen bei der Blutdruckmessung rechnen.
Display: Hell, aber ohne unabhängige Bestätigung
Das 1,92 Zoll große AMOLED-Panel in rechteckiger Ausführung mit abgerundeten Kanten löst mit 408 x 480 Pixeln auf, was bei dieser Diagonale 328 ppi ergibt. Huawei nennt eine Spitzenhelligkeit von 3.000 Nits. In der Praxis sorgt das für gute Ablesbarkeit auch bei Sonnenlicht. Ein integrierter Helligkeitssensor sorgt dafür, dass sich die Displayhelligkeit immer automatisch an das Umgebungslicht anpasst. Ergänzend dazu kannst du die Helligkeit in den Einstellungen aber auch stufenlos manuell nachjustieren.
Blutdruckmessung: Das eigentliche Verkaufsargument
Der Kern der Watch D3 bleibt unverändert. Statt den Blutdruck wie die meisten Konkurrenzprodukte rein optisch über die Pulswelle zu schätzen, nutzt Huawei ein mechanisches Luftkissen im Armband, das sich über eine kleine Pumpe aufbläst. Kombiniert wird das Ganze mit einem präzisen Drucksensor und dem hauseigenen TruSense-System. Diese oszillometrische Methode ähnelt dem Prinzip klassischer Oberarm-Blutdruckmessgeräte, nur eben am Handgelenk.
Die D3 ist gemäß EU-Medizinprodukteverordnung CE-MDR zertifiziert, und zwar sowohl für Einzelmessungen als auch für die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABPM). Außerdem für Messungen vor und nach dem Training. Bei der ABPM orientiert sich Huawei an den Vorgaben der European Society of Hypertension: Messungen alle 15 bis 30 Minuten über 24 Stunden, mit mindestens 20 Messungen tagsüber und 7 nachts. Für Trainingsmessungen unterstützt die Uhr Laufen, Gehen und Radfahren, sowohl drinnen als auch draußen.
Blutdruck messen mit der Huawei Watch D3: So einfach geht´s
Ein Messvorgang im Alltag ist schnell erledigt, dauert knapp eine Minute. Und die Werte sind auch bei dieser Smartwatch überraschend konsistent. Das Armband zieht sich während der Messung spürbar zusammen. In der Spitze so stark, dass du deinen Puls am Handgelenk deutlich wahrnimmst. Die Software auf der Uhr rät währenddessen über den Bildschirm zum Stillhalten, Schweigen und dazu, eine Hand auf die Brust zu legen. Genau das macht die Watch D3 zu keinem Gerät, das man nebenbei nutzt. Jede Messung verlangt tagsüber bewusste Mitarbeit.
Huawei betont, dass die Messwerte nur zur Orientierung dienen und ausdrücklich nicht zur Selbstdiagnose oder Medikamentenanpassung verwendet werden sollten. Bei Herzrhythmusstörungen, Arteriosklerose, Diabetes oder Nierenerkrankungen empfiehlt der Hersteller Rücksprache mit einem Arzt, weil diese Erkrankungen die Messgenauigkeit beeinträchtigen können. Für Schwangere, einschließlich Personen mit Präeklampsie, und für Neugeborene ist die Uhr laut Huawei nicht validiert. Auch für den Einsatz in der Notfallversorgung ist sie nicht gedacht.
Und wie genau sind die Werte? Wir haben mehrere Messungen der Uhr gegen eine faktisch zeitgleiche Messung mit einem Oberarm-Blutdruckmessgerät geprüft. Dabei stand uns ein Oberarzt aus Münster hilfreich zur Seite. Das Ergebnis: verblüffend ähnliche Ergebnisse, die nur minimal voneinander abwichen. Nachts, während des Schlafens, konnten wir aber nicht prüfen, wie genau die Ergebnisse der Smartwatch-Messungen dann tatsächlich sind. Sie wichen im Test aber in aller Regel nicht nennenswert von den tagsüber gemessenen Werten ab.
EKG, Herzgesundheit und weitere Messwerte
Über die seitliche Elektrode, versteckt unter der Menütaste unterhalb der dreh- und drückbaren Krone, lässt sich zusätzlich ein EKG erstellen. Dafür genügt es, die Elektrode 30 Sekunden lang zu berühren. Eine Pulswellen-Arrhythmie-Analyse wertet über den optischen PPG-Sensor die Herzschlagfolge aus und soll frühzeitig auf mögliches Vorhofflimmern hinweisen. Im Test funktionierten die EKG-Erstellung und die anschließende Prüfung der gemessenen EKG-Werte in der Huawei Health App auf dem Smartphone anstandslos. Den EKG-Befund kannst du als PDF-Dokument zum Beispiel mit deinem Hausarzt teilen.
Ebenfalls attraktiv: Die Funktion „Health Glance“ fasst in rund 90 Sekunden elf Gesundheitsindikatoren zusammen, darunter Herzratenvariabilität und ein Wert zum emotionalen Wohlbefinden. Eine weitere App zeigt auf der Uhr außerdem verschiedene Emotionen im zeitlichen Verlauf an. Ferner kannst du mit der Huawei Watch D3 Atemübungen durchführen, deine Hauttemperatur messen, eine Pulswellenanalyse von Herzrhythmusstörungen durchführen oder die Elastizität deiner Blutgefäße prüfen. Sie ist ein wichtiger Frühindikator für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Akkulaufzeit der Huawei Watch D3: Der wunde Punkt
Für den Alltag ohne Dauerüberwachung gibt Huawei bis zu sechs Tage Laufzeit an. Wir haben im Test ohne aktiviertes Always-on-Display und mit nächtlicher Aktivierung der Ruhephase-Funktion eine Laufzeit von etwas mehr als fünf Tagen ermittelt. Während dieser Zeit haben wir eine 24-Stunden-Blutdrucküberwachung mit halbstündigen Messungen am Tag durchgeführt, aber keine GPS-unterstützten Workouts getätigt. Wenn man die Uhr auch intensiv beim Joggen, Radfahren oder anderen Trainings nutzt, sinkt die Akkulaufzeit entsprechend.
Für diese Geräteklasse ist eine Akkulaufzeit von fünf Tagen aber ein solider Wert. Anders als bei der Apple Watch musst du nicht damit rechnen, die Uhr jeden Tag ans Ladegerät hängen zu müssen. Geladen wird die Huawei Watch D3 übrigens über eine magnetische Ladeschale, die über einen USB-C-Anschluss zum Beispiel an einem Laptop die Stromversorgung herstellen kann. Ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten. Eine vollständige Aufladung dauert rund 90 Minuten.
Wasserdichtigkeit: IP68 mit vielen Ausnahmen
Und dann gibt es noch eine Einschränkung: die fehlende Wasserdichtigkeit. Huawei selbst schreibt von einer „nicht vollständigen Wasserdichtigkeit“ aufgrund ihrer besonderen Konstruktion mit einer aufblasbaren Druckluftmanschette. Gegenüber unserer Redaktion wurde vom Hersteller zwar eine IP68-Zertifizierung bestätigt, doch es gibt deutliche Einschränkungen, auf die auch in der Verpackung mit deutlichen Indikatoren hingewiesen wird.
Die Uhr soll nicht beim Duschen oder Schwimmen getragen werden, während einer Blutdruckmessung ist sie zudem generell nicht wasserfest. Nutzer sollen zudem darauf achten, die Uhr keinem Duschgel und keinen Sonnenschutzmitteln oder Saunabesuchen auszusetzen. Auch vor Autowäschen oder Wassersport sei es besser, die Uhr zu ihrem eigenen Schutze abzunehmen. Wassersport-Profile zum Tracking der eigenen Workouts fehlen der Uhr zudem komplett.
Wird sie beim Händewaschen oder im Regen nass, muss sie vor der nächsten Blutdruckmessung erst abgetrocknet werden. Sonst drohen laut Hersteller Fehlmessungen oder ein verlangsamtes Entlüften des Luftkissens. Für eine Uhr, die dauerhaft am Körper getragen werden soll, ist das ein spürbarer Kompromiss im Alltag.
Software, Kompatibilität und ein fehlendes Detail
Die Watch D3 lässt sich sowohl mit Android-Geräten ab Version 8.0 als auch mit iOS-Geräten ab Version 13.0 koppeln. Dafür steht die Huawei-Health-App in den jeweiligen App-Stores zur Verfügung. Für Konnektivität sorgen Bluetooth 6.0 und NFC, unter anderem für Tap-to-Pay-Zahlungen, die in Deutschland aber nur über Curve verfügbar sind. Bluetooth-Telefonie, Kalender, Notizen und ein Sprachrekorder runden die Alltagstauglichkeit ab. Dazu kommen 96 Trainingsmodi von Golf bis Wintersport.
Auf den ersten Blick etwas überraschend: In der offiziellen Sensorliste taucht kein eigenständiger GPS-Chip auf. Tatsächlich ist aber ein eigener GPS-Empfänger sehr wohl an Bord. Wichtig für alle, die gerne draußen Sport treiben. Der GPS-Fix geht teilweise schon innerhalb weniger Augenblicke über die Bühne, also richtig flott.
Zubehör, Ersatzteile und offene Fragen zur Langzeitnutzung
Im Lieferumfang stecken neben der Uhr mit Luftkissen-Armband in Größe L auch ein Luftkissen-Armband in Größe M sowie ein Maßband zur Handgelenksmessung. Damit ist es binnen weniger Sekunden möglich, die richtige Größe des Luftkissen-Armbands für das eigene Handgelenk zu bestimmen. Wie teuer ein Ersatz-Luftkissenarmband für die D3 ist, lässt sich zur Stunde übrigens über die Huawei-Homepage bisher nicht ermitteln. Du solltest aber mit einem Preis von rund 100 Euro rechnen.
Huawei Watch D3: Preis und Verfügbarkeit
Die Huawei Watch D3 kostet regulär 449 Euro und ist ab dem 15. September 2026 im Huawei Online Store und anderen Onlineshops erhältlich. Bis zum 19. Oktober 2026 legt Huawei beim Kauf wahlweise ein Bundle mit den FreeBuds SE4 oder mit der Körperwaage Huawei Scale 3 dazu. Wer bereits eine Huawei Watch D besitzt, erhält unabhängig vom Bundle einen Rabatt von 100 Euro. Der nachfolgende Preisvergleich zeigt dir, wo du die Uhr ggf. bereits mit Rabatt kaufen kannst.
Huawei Watch D3 kaufen?
Wer regelmäßig seinen Blutdruck beobachten muss und dafür bislang zur Oberarmmanschette gegriffen hat, bekommt mit der Huawei Watch D3 die aktuell einzige Smartwatch am Markt, die diesen Wert nach demselben physikalischen Prinzip statt per optischer Schätzung ermittelt. Wer dagegen in erster Linie eine schlanke, unauffällige Alltags- und Sportuhr sucht, dürfte am voluminösen Gehäuse, der begrenzten Laufzeit und den zahlreichen Nutzungseinschränkungen wenig Freude haben. Hier lohnt sich aus dem Huawei-Lager dann viel mehr ein Blick auf die Huawei Watch GT 7 (Test) oder die noch besser ausgestattete Huawei Watch GT 7 Pro (Test).
Fazit: Beeindruckendes Konzept, klare Kompromisse
Die Huawei Watch D3 hält, was ihre beiden Vorgängerinnen versprochen haben. Im direkten Vergleich mit einem Oberarm-Blutdruckmessgerät, durchgeführt unter ärztlicher Aufsicht, lieferte die Uhr verblüffend genaue Werte. Damit bleibt sie die einzige Smartwatch am Markt, die Blutdruck nach demselben physikalischen Prinzip wie klassische Messgeräte bestimmt, statt ihn optisch zu schätzen. Dazu kommt ein rundum überzeugendes Gesundheits-Ökosystem aus EKG, Arrhythmie-Analyse, Health Glance und Schlaftracking, verpackt in ein gegenüber der Huawei Watch D2 schlankeres Gehäuse.
Wer aber eine unauffällige Alltags- und Sportuhr sucht, wird an mehreren Ecken ausgebremst. Die Akkulaufzeit bleibt im Alltag unter einer Woche und schmilzt bei aktivierter 24-Stunden-Messung und aktiviertem Always-On-Display noch weiter zusammen. Im Wasser oder unter der Dusche sollte die Uhr hingegen nicht dein Begleiter im Alltag sein.
Und all das kostet auch nicht gerade wenig: 449 Euro. Dafür bekommst du aber ein hochspezialisiertes medizinisches Messgerät mit Smartwatch-Ambitionen. Wer aus medizinischen Gründen wirklich engmaschig seinen Blutdruck im Blick behalten will, bekommt aktuell nichts Vergleichbares.
Vorteile:
- Einzige Smartwatch am Markt mit echter oszillometrischer Blutdruckmessung statt optischer Schätzung
- automatische 24-Stunden-Blutdrucküberwachung
- Helles, großes AMOLED-Display
- Umfangreiches Gesundheits-Ökosystem: EKG, Arrhythmie-Analyse, Schlafanalyse
Nachteile:
- Akkulaufzeit von unter einer Woche
- dünner, aber trotzdem noch vergleichsweise klobig am Handgelenk
- ausdrücklich nicht fürs Duschen oder Schwimmen gedacht
- kein Schnäppchen
Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 7.0.0.103. Etwaige Änderungen oder Erweiterungen werden nicht berücksichtigt.
Die Huawei Watch D3 überzeugt mich hauptsächlich mit ihrem Gesundheits-Ökosystem. Echte Blutdruckmessung, EKG und Health Glance in einem Gerät sind beeindruckend, und meine eigene Vergleichsmessung gegen ein Oberarmgerät bestätigt: Die Werte stimmen. Trotzdem nervt mich, wie viele Kompromisse ich dafür eingehe: kein eigenständiges GPS, Akku unter einer Woche und striktes Duschverbot. Dreimal habe ich mich unter der Dusche erschrocken, als ich die Uhr noch am Handgelenk trug. Für Gesundheitsbewusste ist dieses Wearable zweifelsohne ein Gewinn, als Alltagsuhr aber irgendwie mit zu vielen Einschränkungen verbunden.
