40.000 Pa. Das ist fast die höchste Saugkraftangabe, die mir bislang auf einem Datenblatt begegnet ist, und sie steht nicht auf einem Flaggschiff für 1.599 Euro, sondern auf einem Saugwischroboter für 599 Euro. Zum Einordnen: Der Roborock Saros 20 Sonic (Test) wirbt mit 36.000 Pa, Ecovacs‚ eigenes Flaggschiff, der Deebot X12S OmniCyclone (Test), mit 27.000 Pa bei 1.299 Euro. Entweder hat Ecovacs den Markt gerade umgeschrieben, oder die Zahl bedeutet weniger, als sie suggeriert. Der Test klärt, welches von beidem stimmt.
Design und Einrichtung des ECOVACS T90 MAX PRO OMNI
Der Roboter ist 9,5 cm hoch und damit flacher als der X12S OmniCyclone und der Deebot T80 Omni (Test), die beide auf 9,8 cm kommen. Zum Bestwert im Markt fehlt trotzdem einiges: Der Roborock Saros 20 Neo (Test) misst 7,98 cm mit eingefahrenem Turm. Ecovacs verzichtet auf einen ausfahrbaren LiDAR-Turm und baut das dToF-Modul mit 190-Grad-Sichtfeld vollständig ins Gehäuse. Das kostet keinen Millimeter Bauhöhe, bringt aber auch keinen dazu.
Der wichtigste Unterschied zum 100 Euro günstigeren T90 MAX OMNI steckt in der Station: Nur der Pro wäscht die Wischwalze laut Ecovacs mit bis zu 100 Grad heißem Wasser und trocknet sie anschließend mit 45 Grad warmer Luft. Beim Roborock Saros 20 Neo sind es dieselben 100 Grad beim Waschen, aber 55 Grad beim Trocknen. Zehn Grad weniger Trocknungstemperatur klingen nach wenig, entscheiden aber darüber, ob die Walze nach ein paar Wochen müffelt.
Die Einrichtung läuft über die ECOVACS-Home-App. QR-Code unter der Haube scannen, durch das Setup klicken, Kartierung starten, fertig. Die Inbetriebnahme dauert in der Praxis nur wenige Minuten. Beim Mapping fährt der Roboter auffällig oft gegen Stuhl- und Tischbeine. Außerdem übersieht er Kabel komplett. Er stoppt nicht ab und fährt über sie drüber. Beim Grundriss passiert dem Roboter ein kleiner Fehler, der aber in der Karteneinstellung der App binnen nicht mal einer Minute korrigiert ist.
Funktionen der ECOVACS-Home-App
Die ECOVACS-Home-App legt alle Reinigungsfunktionen ins Hauptmenü: Saugstufe, Wasserdurchflussrate, Reihenfolge der Räume, Live-Karte und Stationssteuerung. Walzenwäsche, Trocknung und Absaugung lassen sich jederzeit von Hand anstoßen. Dazu kommen Sperrzonen, Zeitpläne und Raumprofile. Wer schon einen Deebot genutzt hat, findet sich sofort zurecht.
Was dem T90 MAX PRO OMNI gegenüber dem X12S OmniCyclone fehlt: die FocusJet-Düsen, die eingetrocknete Flecken vor dem Wischen einweichen. Der Roboter muss hartnäckigen Schmutz allein über Anpressdruck und Durchläufe lösen.
Saug- und Wischleistung des ECOVACS T90 MAX PRO OMNI
Zurück zu den 40.000 Pa. ECOVACS nennt sie als Ergebnis der BLAST-Funktion, also einer Kombination aus Akku in EV-Qualität, drehmomentstarkem Motor, größeren Lüfterblättern und optimiertem Luftkanal. Die Zahl allein macht keinen Teppich sauber, und die zweite Angabe im selben Absatz zeigt, warum. Denn der Luftstrom liegt bei 16,45 l/s. Beim X12S OmniCyclone sind es 27 l/s. Der 700 Euro günstigere Roboter erzeugt also den deutlich höheren Unterdruck, bewegt dabei aber gut 40 Prozent weniger Luft. Unterdruck löst Partikel aus dem Flor, Luftstrom transportiert sie in den Behälter. Genau deshalb entscheidet hier ausschließlich die Praxis.
| Testvolumen (g) | Ansaugvolumen (g) | Effizienz (%) | |
|---|---|---|---|
| Haferflocken (Fliesen) | 10 g | 8,7 g | 87 % |
| Haferflocken (Teppich) | 10 g | 8,4 g | 84 % |
| Sand (Teppich) | 10 g | 7,5 g | 75 % |
Die Saugleistung des T90 MAX PRO OMNI ist insgesamt solide. Auf Hartböden saugt der Roboter grobe und feine Partikel konsequent auf. In Ecken sieht das Ganze nicht so gut aus, da der Roboter nicht gut in schwer erreichbare Stellen gelangt. Grund hierfür ist auch die fehlende ausfahrbare Seitenbürste.
Auf Teppichen erhöht der Roboter die Saugkraft automatisch. Für einen 600-Euro-Saugroboter ist das Saugergebnis in Ordnung, aber dennoch weit unter dem Niveau der Flaggschiffe. Dafür schafft der T90 MAX PRO OMNI etwas, woran viele teure Modelle scheitern. Und zwar die Teppicherkennung. Erkennt der Robo einen Teppich, hebt er seine Wischwalze rechtzeitig an und hinterlässt keine feuchten Teppichkanten.
Stichwort Wischwalze: Diese ist ECOVACS‘ eigentliches Argument, und die ist hier nicht abgespeckt. Sie ist 27 cm lang und damit exakt so breit wie im Flaggschiff, laut Hersteller 50 Prozent länger als in der Vorgängergeneration. Sie dreht mit 200 Umdrehungen pro Minute und wird während der Fahrt kontinuierlich mit Frischwasser durchgespült. Ein Abstreifer zieht den Schmutz laufend ab. Das ist der strukturelle Vorteil gegenüber rotierenden Pads: Der Dreck landet im Abwassertank, statt auf dem Boden verteilt zu werden. Genau dieses System hat mich schon beim DEEBOT X8 PRO OMNI (Test) überzeugt.
Den Anpressdruck gibt ECOVACS mit 3.800 Pa an, beim X12S OmniCyclone sind es 4.000 Pa. Mit den Newton-Werten der Konkurrenz – 14 N beim Roborock Saros 20 Neo (Test) – lässt sich das nicht vergleichen, Ecovacs misst schlicht anders.
In der Praxis kann die Wischleistung voll überzeugen. Frische wie auch eingetrocknete Flecken schrubbt der ECOVACS-Roboter weg. Auch wenn er für die hartnäckigen Flecken einige Durchläufe benötigt, ist die Tatsache, dass er sie wegbekommt, für ein 500-Euro-Modell nicht selbstverständlich.
Zumindest beim Wischen gelangt der Sauger gut in Ecken. An Kanten und in Kanten fährt die Walze aus. Außerdem soll ein Gleitfilz mit Luftpolster den Kontakt zu Sockelleisten materialschonend halten.
Schließlich gilt es noch zu klären, ob sich der Roboter für Haustierbesitzer lohnt. Und ja, das tut er. Denn der Roboter verfügt über eine spezielle Bürste, die Haarverwicklungen verhindert. Im Test musste ich keine Haare aus der Bürste entwirren. Außerdem werden die Haare per Luftstrom in den Saugweg geleitet, statt sie um die Hauptbürste wickeln zu lassen.
Navigiert wird per dToF-LiDAR mit 190-Grad-Sichtfeld. Für Hindernisse kommt TrueDetect 3D zum Einsatz, also strukturiertes Licht. Die KI-Kamera AIVI 3D des teureren T90 PRO OMNI fehlt auch dem Pro-Modell der Max-Reihe. ECOVACS gibt an, Hindernisse ab zwei Zentimetern Größe zu erkennen. Zwei Zentimeter sind genau die Schwelle, an der es interessant wird: Ein Ladekabel ist flacher.
Ein Klettersystem gibt es nicht. Schwellen bis 20 mm bewältigt der Roboter über einen mechanischen Mechanismus. Damit liegt er unter dem X12S OmniCyclone mit 2,5 cm und weit unter dem, was Roborock und DJI in der Oberklasse anbieten: 8,8 cm Doppelstufe beim Saros 20 Neo, 8,5 cm beim DJI Romo P2 (Test). Für eine Altbauwohnung mit hohen Türschwellen ist der T90 Max Pro Omni die falsche Wahl. In dieser Preisklasse ist das aber Standard.
Im Roboter steckt ein 5.200-mAh-Akku, den ECOVACS in 3,5 Stunden vollladen will. Das PowerBoost-Schnellladen der teureren Modelle entfällt, ein Zwischenstopp bringt hier also keinen Akkugewinn. Nach 30 Minuten auf den Maximalstufen hat der Roboter noch 66 Prozent Restakku übrig. Ausgehend von der Saugkraft, mit der der Roboter werkelt, ist das ein solider Wert.
Fazit: Lohnt sich der ECOVACS T90 MAX PRO OMNI?
Der T90 MAX PRO OMNI holt zwei Dinge in die 600-Euro-Klasse, die dort bislang nicht zu haben waren: die Wischwalze aus ECOVACS‘ Oberklasse und eine Station, die diese Walze mit 100 Grad wäscht und mit 45 Grad trocknet. Keine der bisherigen Empfehlungen aus meiner Bestenliste bis 500 Euro – Tapo RV50 Pro Omni (Test), Dreame L10s Ultra Gen 3 (Test), Xiaomi Robot Vacuum 5 (Test) – bietet das.
Die 40.000 Pa würde ich dagegen als das behandeln, was sie sind: eine Herstellerangabe mit einem sehr kleinen Bruder daneben. 16,45 l/s Luftstrom sind gut 40 Prozent weniger, als das eigene Flaggschiff für 1.299 Euro bewegt.
Gespart wird sichtbar an drei Stellen: keine KI-Kamera für die Hinderniserkennung, kein Klettersystem über 20 mm Schwellenhöhe hinaus, kein PowerBoost-Schnellladen. Besonders bei Kabeln sowie Tisch- und Stuhlbeinen zeigt sich eine große Schwäche, was die Hinderniserkennung angeht. Zum Marktstart kostet der ECOVACS T90 MAX PRO OMNI 599 Euro.
Vorteile:
- Mit 9,5 cm flacher als die teureren Deebot-Modelle
- Gute Wischleistung dank verbauter Wischwalze
- Schmale Station mit 4 Litern Frischwasser und automatischer Entleerung
- Station wäscht mit 100 Grad und trocknet mit 45 Grad
Nachteile:
- Gelangt beim Saugen nicht gut in Ecken
- Schwache Hinderniserkennung, erkennt Kabel sowie Tisch- und Stuhlbeine nicht rechtzeitig
