Anfang des Jahres hat eufy mit dem S2 Omni einen der wenigen Saugroboter geliefert, bei denen ich tatsächlich von einer Innovation sprechen würde. Inzwischen hat die Konkurrenz nachgezogen, und in der Oberklasse wird längst über andere Dinge gestritten: über Bauhöhe, über Navigation, über die Frage, wie viel Platz so ein Gerät in der Wohnung beanspruchen darf. Genau dort muss sich der HydroJet E35 jetzt behaupten. Klappt das in der Praxis?
Design und Einrichtung des Anker eufy HydroJet E35
Der eckigen Grundform bleibt eufy treu, an den Maßen hat sich trotzdem einiges getan: 36,0 × 32,6 × 11,6 cm misst der HydroJet E35. Die letzte Zahl ist die entscheidende. 11,6 cm sind für diese Preisklasse ungewöhnlich viel, und der Grund sitzt sichtbar oben auf dem Gehäuse: ein klassischer Lidar-Turm, den viele Hersteller inzwischen absenkbar bauen oder ganz weglassen. Zum Vergleich: Der Roborock Saros 20 (Test) misst 7,98 cm, der aktuelle Saugroboter-Testsieger DJI Romo P2 (Test) 9,8 cm. Und das Argument „Wischwalzen bauen eben höher“ zieht nur bedingt: Der Narwal Flow 2 (Test) arbeitet ebenfalls mit einer Walze und kommt trotzdem auf 9,5 cm. Unter Sofas, Betten und Sideboards wird es beim E35 also schnell eng.
Die Basisstation dagegen gefällt mir ausgesprochen gut. 37,0 × 41,1 × 44,7 cm sind für einen Premium-Sauger erfreulich wenig und passen auch in eine Nische neben der Kommode. Anker zieht diese Linie konsequent durch, denn schon beim eufy C30 Edge (Test) war die kompakte Station ein starkes Argument. Am Funktionsumfang spart der Hersteller dabei nicht: absaugen, Wischwalze mit bis zu 60 Grad heißem Wasser waschen, mit Warmluft trocknen, Reinigungsmittel aus einem separaten Tank dosieren. Nur die 60 Grad sind kein Spitzenwert mehr: Der Romo P2 wäscht mit bis zu 80 Grad.
Die Inbetriebnahme läuft über die eufy-App: herunterladen, QR-Code am Roboter scannen und schließlich den Einrichtungsschritten folgen. Danach schickt sich der E35 selbst auf die erste Kartierungsfahrt. Das geht in der Praxis schnell. Die App hat den Roboter auf Anhieb gefunden und hinzugefügt. Nach wenigen Minuten war er startklar. Kein zweiter Anlauf, keine Fehlermeldung.
Funktionen der eufy-App
Die eufy-App kennt man aus den Vorgängermodellen. Strukturell hat sich dabei wenig geändert. Oben die Karte, darunter die Reinigungseinstellungen: Den Modus, die Saugstufe und die Wassermenge stellst du hier ein. In den weiteren Einstellungen passt du Karten an, ziehst No-Go-Zonen, teilst Räume neu ein und legst das Teppichverhalten fest.
Der wichtigste Punkt steht im Kleingedruckten: Der E35 unterstützt Matter und lässt sich damit in praktisch jedes Smart-Home-System einbinden. Dazu kommen Alexa, Google Assistant und Siri.
Im Alltag ist die App vor allem übersichtlich. An den Funktionsumfang der Roborock– oder Dreame-Apps kommt sie nicht heran. Wenn du tiefer in Reinigungsroutinen und Automatisierungen einsteigen möchtest, wirst du einiges vermissen. Dafür findest du dich auf Anhieb zurecht, wenn das dein erster Saugroboter ist.
So gut saugt und wischt der Anker eufy HydroJet E35
Auf dem Papier spielt der eufy Hydrojet E35 ganz oben mit: 35.000 Pa liegen nur knapp unter den 36.000 Pa, die Roborock im Saros 20 Sonic (Test) verbaut. Interessanter als die Zahl ist, was Anker drumherum baut. Noch vor dem Filter trennt eine Mehrfach-Zyklon-Technik Staub und Luft. Der Filter setzt sich langsamer zu, die Saugleistung soll nach TÜV-SÜD-geprüfter Herstellerangabe bis zu 365 Tage konstant bleiben. Das Problem vieler Saugroboter ist nämlich nicht die Spitzenleistung, sondern der Abfall nach ein paar Monaten. Dazu kommt ein Zertifikat als „Asthma & Allergy Friendly“, und gegen Haare arbeitet eine zweigeteilte Bürste, die Fusseln zum Staubbehälter leitet, statt sie aufzuwickeln.
| Testvolumen (g) | Ansaugvolumen (g) | Effizienz (%) | |
|---|---|---|---|
| Haferflocken (Fliesen) | 10 g | 9,3 g | 93 % |
| Haferflocken (Teppich) | 10 g | 9,1 g | 91 % |
| Sand (Teppich) | 10 g | 7,3 g | 73 % |
Die Saugleistung des eufy Hydrojet E35 ist gut. Der Sauger lässt auf Hartböden wie auf Teppichen kaum etwas liegen. An die Spitzenwerte des Romo P2 kommt der E35 dennoch nicht heran, Anlass zur Klage gibt er aber auch nicht. Richtig stark ist er an Kanten. Seitenbürste und Wischwalze fahren seitlich aus, und das merkt man: Er kommt dichter an Fußleisten heran, als seine Bauform vermuten lässt.
Beim Wischen kommt eine 29 cm lange Walze zum Einsatz, die während der Fahrt ständig mit Frischwasser versorgt und zugleich vom Schmutz befreit wird. Der Anpressdruck liegt bei 16 N. Und hier liegt die größte Stärke des E35. Beim Wischen holt die Walze mehr heraus, als ich erwartet hatte: Leichte Verschmutzungen verschwinden ohnehin, aber auch eingetrocknete Flecken schrubbt sie weg, statt sie feucht zu verteilen. Das schaffen nicht viele Roboter im ersten Durchgang.
Gibt es beim Wischen einen Haken? Ja, zwei. Auf Teppichen hebt der Roboter die Wischeinheit zwar um 1,1 cm an. Trotzdem bleiben feuchte Teppichkanten zurück. Eine absenkbare Schutzabdeckung fehlt. Und in Zimmerecken erreicht die Walze den Boden bauartbedingt nicht ganz, auch wenn sie ausfährt. Beim Saugen stört das kaum, beim Wischen bleibt dort ein schmaler Streifen stehen.
Anders als DJI setzt eufy auf klassische Technik: Ein LDS-Laserturm scannt die Umgebung, für die Hinderniserkennung kommen eine Kamera mit strukturiertem Licht und eine LED-Leuchte dazu. Das ist bewährt, aber eben auch der Grund für die 11,6 cm Bauhöhe.
Ein zweiter Punkt fällt schon beim Auspacken auf: die eckige Bauform. Sie hilft in Ecken, weil der Roboter dichter an die Wand heranfährt. Sie hat aber auch einen Nachteil, den runde Modelle nicht haben: Auf der Stelle drehen kann sie sich nicht. Wie sich das auswirkt, zeigt sich am Esstisch.
Tisch- und Stuhlbeine erkennt der E35 zuverlässig, frontal fährt er nicht dagegen. Beim Rangieren dazwischen stößt er aber immer wieder seitlich an und schiebt die Stühle ein Stück durch den Raum. Nicht die Erkennung ist das Problem, sondern die Geometrie. Kabel erkennt der E35 in den meisten Fällen und fährt außen herum. In den meisten Fällen heißt aber nicht immer. Wegräumen würde ich sie vor jeder Reinigung trotzdem.
Fazit: Lohnt sich der Kauf des eufy HydroJet E35?
Anker liefert mit dem eufy HydroJet E35 ein rundes Paket ab. Die Ausstattung stimmt: 35.000 Pa, eine selbstreinigende Wischwalze mit 16 N Anpressdruck, eine Station, die absaugt, mit 60 Grad wäscht und trocknet. Dazu noch Matter-Support und ein Allergiker-Zertifikat. Für 999 Euro, die Anker aufruft, ist das eine Ansage. Der Romo P2 kostet nur noch 1.099 Euro.
Die Reinigungsleistung stützt das: Gesaugt wird gut, gewischt sogar richtig stark. Der Haken ist die Bauhöhe von 11,6 cm. Während die Konkurrenz den Lidar-Turm absenkt oder ganz auf Kameratechnik umsteigt, baut eufy ihn fest auf die Oberseite. Wer niedrige Möbel hat, greift deshalb regelmäßig selbst zum Staubsauger. Dazu kommt die eckige Bauform, die in Ecken hilft und in engen Passagen bremst.
Unterm Strich bleibt ein starker Saugroboter mit einem klaren Zielpublikum: Wenn du offene Räume hast, auf gründliches Wischen Wert legst und keine niedrigen Möbel im Weg stehen hast, bekommst du viel Gerät fürs Geld. Wenn du eine verwinkelte Wohnung voller Stuhlbeine hast oder unter dem Sofa saubere Böden erwartest, greifst du besser zu einem flacheren, runden Modell.
Vorteile:
- Gute Ausstattung für 999 Euro
- Solide Saugleistung auf allen Untergründen
- Starke Wischleistung, auch bei eingetrockneten Flecken
- Für einen Premium-Sauger ungewöhnlich kompakte Station
Nachteile:
- Mit 11,6 cm sehr hoch gebaut
- Schiebt Stuhl- und Tischbeine beim Rangieren zur Seite
- Hinterlässt feuchte Teppichkanten
- Kommt beim Wischen nicht vollständig in die Ecken
