Cybermobbing: Wie schütze ich mein Kind?

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Die Schule fängt wieder an. Für viele Kinder bedeutet das auch Angst vor Mobbing. Und Cybermobbing geht nach der Schule noch weiter. Wie Cybermobbing aussieht und wie du dein Kind unterstützen kannst, liest du hier.
Symbolfoto Cybermobbing
Bildquelle: Unsplash

Hänseleien hast vielleicht auch du in deiner Schulzeit miterlebt. Doof, wie das war, war der Schrecken mit dem Schultag aber auch vorbei. Für Kinder ist das heute anders. Sie nehmen ihre Schulklasse im Smartphone mit nachhause. Und in der WhatsApp-Gruppe geht das Mobbing dann weiter.

Im Ernstfall kannst du das Mobbing nicht rückgängig machen. Aber du kannst dein Kind stark machen für die Situation, wenn es Mobbing erlebt oder sogar selbst zum Täter wird. Im Fall der Fälle ist es wichtig, für dein Kind da zu sein. Mobbing und genauso Cybermobbing kann jeden treffen. Denn jeder ist irgendwie anders. Lass auch dein Kind wissen: Es ist nichts Persönliches. Die anderen Kinder haben vielleicht Langeweile und suchen sich dann willkürlich ein Opfer. Das hat erstmal gar nichts mit dem Opfer zu tun.

„Sobald Mobbing passiert, kannst du dein Kind nicht schützen. Dann muss einfach die Situation von einem Erwachsenen aufgelöst werden“ Kriminalhauptkommissarin Martina Rautenberg, Opferschutz der Polizei NRW im Rhein-Erft-Kreis

Cybermobbing: Was passiert da?

Bei Mobbing passieren im Klassenraum Hänseleien wie Beleidigungen, Verbreitung von Gerüchten oder die Zerstörung von Gegenständen. Cybermobbing ist anders als Mobbing. In sozialen Netzwerken können Täter auch anonym sein. Das bringt Unsicherheit für das betroffene Kind. Auch trauen sich die Täter mehr, weil sie sich unbekannt und sicher fühlen. Auf WhatsApp, zum Beispiel in der Klassengruppe, gibt es weitere Gefahren: Gerüchte oder peinliche Bilder sind schnell verschickt. Sie können sich durch das Weiterleiten innerhalb von Augenblicken in der ganzen Schule verteilen. Das Opfer hat dann auch nach der Schule keine Ruhe mehr. Mit dem Smartphone sind die Täter mit nachhause gekommen.

Vorbeugung: Mach dein Kind stark

Mobbing und Cybermobbing passieren auf vielen Schulen. Ob Grundschule, Realschule, Gesamtschule oder Gymnasium. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass dein Kind Mobbing miterlebt. Umso wichtiger die Vorbereitung durch dich, aber auch durch zum Beispiel die Schule. Du kannst nicht alle Verantwortung alleine tragen. Die Schulen können durch Projekte zum Thema dein Kind aufklären und so die Klasse gegen Mobbing im Klassenraum und Online stark machen.

Ein paar Dinge kannst du im Schulalltag beachten:

  • Rede mit deinem Kind über Mobbing
  • Nimm‘ dir regelmäßig Zeit für dein Kind
  • Zeige Interesse an der Schule und höre deinem Kind zu
  • Nehme die Sorgen und Nöte ernst
  • Im Ernstfall keine Schuldzuweisungen: Es geht darum, die Situation zu beenden

Wie klärst du dein Kind auf

Du bist als nicht alleine mit dem Thema: Es gibt viele Informationsangebote. Bei der Polizei und verschiedenen sozialen Einrichtungen findest du einiges an Informationsmaterial. Im Internet findest du auch hilfreiche Seiten. Manche haben Informationen für dich, manche richten sich auch direkt an Kinder und Jugendliche. Informationen für Eltern stellt zum Beispiel die Seite klicksafe zusammen. Diese Initiative der Europäischen Union hat aber auch einen Bereich für Kinder.

Hier eine kurze Liste von Seiten mit Material für Eltern:

Kinder bis 10 Jahre

In diesem Alter machen viele Kinder schon erste Erfahrungen mit Mobbing in der Schule. Und immer mehr haben in dem Alter schon ihr erstes Smartphone. Nimm dir die Zeit, deinem Kind sein neues Smartphone zu zeigen. Hier zeigen wir dir, wie du ein Smartphone kindersicher einrichtest. Wichtig: Bereite dein Kind auf die Gefahren im Internet vor.

Bei der Vorbeugung von Cybermobbing können feste Regeln helfen: Wie viel Zeit darf dein Kind am Smartphone verbringen? Hier kannst du mit deinem Kind zum Beispiel den Mediennutzungsvertrag machen. Sei dabei fair: Auch für dich sollten Regeln gelten. Im Video findest du mehr Infos.

Ab der weiterführenden Schule

In diesem Alter haben die meisten Kinder schon eigene Smartphones. Es werden die ersten WhatsApp-Gruppen aufgemacht. Für Kinder ab etwa zwölf Jahren bietet klicksafe.de eine eigene Informationsseite. Bleib offen. Mach es deinem Kind einfach, über online-Erfahrungen mit dir zu reden. Es gibt auch Pädagog_innen oder Expert_innen, die an Schulen kommen und mit Klassen Wege aus dem Cybermobbing erarbeiten.

Ab der weiterführenden Schule wird es auch immer wichtiger, über die Rechte an Bildern zu reden. Das Thema kannst du ansprechen, indem du mit deinem Kind über das Video oben redest. Denn so ein Bild ist schnell mal aufgenommen und verschickt. Und: Du kannst deinem Kind Nacktbilder ab einem gewissen Alter nicht verbieten. Hier findest du mehr zum Thema Sexting und wie du dein Kind bei den ersten Erfahrungen unterstützt.

Cybermobbing erkennen

Dass dein Kind von Cybermobbing betroffen ist, merkst du schnell. Schenke deinem Kind Zeit und Aufmerksamkeit. Dann können dir im Ernstfall Veränderungen auffallen. Schläft dein Kind auf einmal schlechter? Will dein Kind nicht zur Schule gehen, hat vielleicht häufig Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen? Auch Veränderungen im Verhalten können Warnsignale sein: aggressiver, ruhiger oder auch, dass dein Kind den Kontakt mit dir sucht.

Was tun bei Cybermobbing?

Unabhängig davon, ob dein Kind betroffen ist – vielleicht bekommst du sogar mit, dass dein Kind andere online hänselt – es gibt ein paar Grundregeln. Erst einmal: Versuch, Ruhe zu bewahren. Sei für dein Kind da. Es geht nicht darum, wer schuld an dem Mobbing hat.

Meistens ist es eine schlechte Idee, andere Kinder oder deren Eltern mit dem Mobbing zu konfrontieren. Das hilft keinem. Wichtig ist, dass eine neutrale Person die Situation auflöst. Dazu wende dich zum Beispiel bei Cybermobbing in der Klasse an die Lehrpersonen der Schule. Können die nicht helfen, gibt es speziell geschulte Schulpsychologen beziehungsweise einen schulphsychologischen Dienst.

Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer kann dir eine erste Orientierung geben. Das erreichst du kostenlos unter der 0800 111 0550. Sprechzeiten:

  • Montag bis Freitag 9:00 – 11:00 Uhr und
  • Dienstag und Donnerstag 17:00 – 19:00 Uhr

Cybermobbing ist eine Form von psychischer Gewalt und stellt damit eine Straftat dar. Auch wenn „Cybermobbing“ nicht im Strafgesetzbuch steht, sind die einzelnen Handlungen Straftaten: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung (= Lügen über Person verbreiten). Trotzdem: Die Polizei einzuschalten, sollte das letzte Mittel sein. Oft kann man Cybermobbing auch ohne Polizei beendet werden. Noch ein Problem: Wer zur Polizei geht, erstattet Strafanzeige. Jugendliche unter 18 werden aber selten bestraft. Und jugendlichen Tätern unter 14 Jahren kann nichts passieren. Bei solchen Fällen wird „nur“ das Jugendamt informiert. Du kannst auf dem zivilrechtlichen Weg (also ohne Strafanzeige) auf Schmerzensgeld für dein Kind klagen. Wende dich dazu aber an einen Anwalt oder eine Rechtsberatungsstelle.

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