Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. Und zudem eine Absenkung der Höchstgeschwindigkeit außerorts auf 80 km/h sowie eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts. Demnach belaufe sich das Einsparpotential allein der ersten beiden Maßnahmen auf bis zu 11,7 Mio. Tonnen CO₂ pro Jahr. Zudem könne ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen die Zahl der Unfälle mit Verkehrstoten um 35 Prozent senken. So weit, so unspektakulär. Denn diese Argumentation dürfte mittlerweile wohlbekannt sein. Was dagegen fehlt, ist der Blickwinkel der Autofahrer selbst. Ein Blickwinkel, den der „Paceometer“ ordentlich aufwirbelt.
Es kommt ganz auf die Geschwindigkeit an
Hinter dem „Paceometer“ verbirgt sich ein Konzept, das alles andere als neu ist. Die beiden Wissenschaftler Eyal Peer und Eyal Gamliel haben dieses bereits 2013 in einem Paper untergebracht. Und aktuell macht das Konzept auch auf Reddit von sich reden, unter einem viralen Video des Werbefachmanns Rory Sutherland. Dabei steckt hinter dem Paceometer nichts als simpelste Mathematik.
Das Prinzip ist ganz einfach: Man rechnet lediglich aus, wie viele Minuten man bei einer Strecke von 10 km benötigt, um ans Ziel zu kommen. Und das für unterschiedliche Fahrzeuggeschwindigkeiten. Ein Beispiel: Bei 10 km/h benötigt man 60 Minuten, um das Ziel zu erreichen. Während es bei 20 km/h nur noch 30 Minuten sind. Der Zeitgewinn für den Autofahrer ist also enorm. Doch das ist ausschließlich bei niedrigem Tempo der Fall.

Fährt man hingegen mit 100 km/h und beschleunigt auf 120 km/h, gewinnt man lediglich eine einzige Minute pro 10 km Strecke. Wirklich lohnen tut sich das insbesondere auf kurzer Strecke also nicht. Selbst bei 50 km Entfernung spart man lediglich 5 Minuten ein. Und zeitgleich steigt der Kraftstoffverbrauch deutlich.
Wer nicht zu schnell fährt, spart Geld
Das Österreichische Umweltbundesamt analysierte die Pkw-Flotte des Landes unter anderem in Hinblick auf den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch bei verschiedenen Geschwindigkeiten. Die Analyse ergab, dass Autofahrer im Schnitt rund 8,2 Prozent Kraftstoff einsparen, wenn sie ihr Tempo von 130 auf 120 km/h drosseln. Bei 110 km/h wären es sogar 15,8 Prozent und bei 100 km/h stolze 22,6 Prozent.
| Tempo | Kraftstoffverbrauch in Prozent |
|---|---|
| 100 km/h | -22,6 Prozent |
| 110 km/h | 15,8 Prozent |
| 120 km/h | -8,2 Prozent |
| 130 km/h | 0 Prozent |
| 140 km/h | +8,2 Prozent |
| 150 km/h | +19,1 Prozent |
Auf Basis von Daten des Österreichischen Umweltbundesamts.
In Kombination mit der zuvor erwähnten geringen Zeitersparnis hätten Autofahrer also gleich mehrere gute Gründe, ihre Geschwindigkeit auf der Autobahn zu reduzieren. Einen Haken hat die Paceometer-Rechnung dann aber doch.
Lieber doch kein Tempolimit innerorts?
Auf Reddit erhielt der Nutzerkommentar „Also besser in Schulzonen rasen anstatt auf der Autobahn, verstanden!“ in nur sieben Tagen über 5.500 Upvotes. Kein Wunder, denn er trifft den Nagel auf den Kopf. Während der Paceometer einerseits zeigt, dass die Zeitersparnis bei höheren Geschwindigkeiten eher gering ausfällt, belegt dieser auch, dass sie bei niedrigem Tempo beachtlich ist.
Mit Blick auf die von der DUH geforderte 30er-Regelgeschwindigkeit innerorts bedeutet das gegenüber 50 km/h einen Zeitverlust von rechnerisch 8 Minuten auf eine Entfernung von lediglich 10 km. Natürlich ist die verringerte Regelgeschwindigkeit in erster Linie dazu gedacht, die Sicherheit für Einwohner und Kinder zu erhöhen. Doch im Kontext des Paceometers wäre das eben ein großer Nachteil.
Politisch betrachtet sprechen sich hierzulande laut einer Forsa-Umfrage 57 Prozent der Befragten für ein Tempolimit aus. Doch unter der aktuellen Regierung dürfte es ungeachtet aller Vor- und Nachteile nicht dazu kommen. Denn die Union lehnt ein generelles Tempolimit entschieden ab.

