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Wegen GEZ: Darum musst du jetzt auf den Tatort verzichten

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Zu niedrige Rundfunkgebühren, zu große Finanzlücken: Der MDR muss einsparen. Und das tut er ausgerechnet am falschen Ende. Warum den "Tatort" oder "Polizeiruf 110" pausieren? Das kann doch nicht die Lösung sein – ein Kommentar.
Die zwei Kommissarinnen aus dem Dresdner
Der MDR pausiert den "Tatort".Bildquelle: MDR/Andreas Wünschirs

Gerade erst hat die Sommerpause begonnen, schon hagelt es schlechte Nachrichten für Tatort-Fans. Der MDR pausiert den „Tatort“. Drei Jahre sollen erst einmal keine neuen Folgen mehr produziert werden. Nur bereits begonnene oder genehmigte Sendungen werden noch laufen sowie Wiederholungen. Der Grund: Sparmaßnahmen und der Rundfunkbeitrag. Wie kann das sein, dürften sich Fans jetzt berechtigterweise fragen. Denn auch mir erschließt sich der Schritt nicht ganz.

MDR pausiert „Tatort“

In der Krimisparte wird es demnächst dünn beim MDR. Drei Jahre will das Unternehmen den „Tatort“ und auch „Polizeiruf 110“ aussetzen. In der Zeit werden keine neuen Krimis produziert, es gibt nur Wiederholungen im TV zu sehen. Nur bereits fertiggestellte und bewilligte Produktionen werden umgesetzt und ausgestrahlt. Das hat MRD-Intendant Rald Ludwig am Montag (11. Mai) gegenüber dem Rundfunkrat angekündigt. Da wird wohl wenig Krimi-Nachschub kommen in den nächsten Jahren.

Hatte man zuletzt schon den „Polizeiruf“ mit Peter Kurth und Peter Schneider abgesetzt – und das wunderlicherweise trotz hoher Quoten und guter Kritiken – folgt nun also die nächste Sparmaßnahme beim MDR. Diese dürfte auf noch mehr Unverständnis bei den Zuschauern treffen. Zumal der MDR-Intendant diese mit der ausbleibenden Erhöhung des Rundfunkbeitrags begründet.

Das Problem mit der GEZ

Über alle Bundesländer hinweg zahlen die Bürger denselben Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro. Für ZDF, ARD oder WDR ist das ausreichend, für den MDR offenbar nicht. Das liegt unter anderem am Wegzug der Menschen aus dem Sendebereich. Wenn weniger Menschen zahlen, bleibt am Ende weniger übrig. Der MDR würde also in der Tat profitieren, wenn die Beiträge angehoben würden bzw. nicht länger einheitlich blieben. Die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) hat sich für eine – nun doch sehr bescheidene Anhebung auf 18,64 Euro ab 2027 ausgesprochen. Die frühere Empfehlung zu 2025 wurde nicht umgesetzt. Das Ungleichgewicht zwischen den Medienanstalten und die um zwei Jahre verzögerte Anhebung der GEZ-Gebühr schneiden dem MDR jetzt ins Fleisch, wie „DWDL“ berichtet.

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„Fakt ist: Wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen“, erklärt Ludwig. Denn die seitdem fehlenden Einnahmen könne der MDR nicht länger kompensieren. „Die ausgebliebene Beitragsanpassung erzeugt für uns eine erhebliche Finanzlücke, auf die wir deshalb ab 2027 mit einer Etatabsenkung verantwortungsvoll reagieren müssen, um den MDR insgesamt wirtschaftlich und publizistisch zukunftssicher aufzustellen.“

Darauf müssen Zuschauer und -Hörer bald verzichten

In Dresden, Magdeburg, Leipzig, Weimar und Halle wird demnächst nicht mehr ermittelt. Ein Dresdener „Tatort“ mit Kriminalhauptkommissar Peter Schnabel (Martin Brambach) und den Oberkommissarinnen Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) ist noch in der Mache und wird 2027 ausgestrahlt. Doch dann heißt es erst einmal abwarten. Auch beim „Tatort“ Leipzig mit Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke) oder „Tatort“ Weimar mit Lessing und Dorn (Nora Tschirner und Christian Ulmen) wird es für eine Weile keine neuen Fälle geben.

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Und die aktuellen Teams beim „Polizeiruf 110“ haben auch erst einmal Pause:

  • Magdeburg: Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen)
  • München: Blohm (Johanna Wokalek) und Eden (Stephan Zimmer)
  • Rostock: Böwe (Lina Beckmann) und König (Anneke Kim Sarnau)
  • Brandenburg: Vincent Ross, Alexandra Luschke und Karl Rogov

Doch das war’s noch nicht mit den Einsparungen. „MDR um 2“ wird demnächst nicht mehr linear im Fernsehen zu sehen sein. Das „Mittagsmagazin“ wird nach nicht einmal zwei Jahren wieder abgegeben an den NDR. Der Radiosender MDR Sputnik sendet ab 2027 nicht mehr über UKW. Podcasts, die monatlich weniger als 6.000 Zuhörer zählen, werden eingestampft und auch die Social-Media-Aktivitäten deutlich zurückgefahren. Nur was dem öffentlich-rechtlichen Auftrag dient, darf bleiben. So werden auch die drei Landesmagazine um 19 Uhr ab 2027 auch an Feiertagen ausgestrahlt.

„Weil wir den MDR nicht insgesamt schwächen und nicht unsere Aufgaben als öffentlich-rechtliches Haus gefährden wollen, haben wir uns entschieden, nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen.“

MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen

Kommentar

Ich verstehe zwar die Problematik des MDR und dass Einsparungen unumgänglich sind. Was ich jedoch nicht verstehen kann, ist, warum man sich ausgerechnet von den gutlaufenden Programmen vorübergehend verabschiedet. Ja, der „Tatort“ kommt mit vergleichsweise hohen Produktionskosten daher, zieht aber auch viele Zuschauer an. Es muss doch andere Formate geben, die nicht in den öffentlich-rechtlichen Anspruch einzahlen und auch sonst wenig Erfolg bringen. Der Wegfall des hochwertigen Krimi-Angebot nimmt dem MDR – meiner Meinung nach – auch stückweit die Vielfalt weg. Und ist nicht genau das für eine öffentlich-rechtliche Medienanstalt wichtig? Zuletzt gab es vermehrt Klagen wegen des vermeintlichen Wegfall der Meinungsvielfalt bei den Öffentlich-Rechtlichen. Bürger hatten im gleichen Maß das Aussetzen der Rundfunkgebühren gefordert (>>bisher allerdings ohne Erfolg). Dürfte ich also demnächst mit Verweis auf die Einsparmaßnahmen beim MDR keine GEZ mehr zahlen? Vermutlich nicht. Aber es würde mich nicht wundern, wenn demnächst weitere Bürger ihr Glück vor dem Gericht versuchen.

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