Wenn Politik bei der Reform des Heizungsgesetz von âoptimistischâ spricht, ist leider Vorsicht geboten. Auch bei der geplanten Reform des Heizungsgesetzes klingt vieles nach Ănderung, doch unter der OberflĂ€che zeigt sich ein Geflecht aus widersprĂŒchlichen Zielen, das kaum Raum fĂŒr echte Lösungen lĂ€sst. Genau hier beginnt das Dilemma vor dem CDU und SPD nun stehen. Dazu mĂŒssen mehr Vorgaben berĂŒcksichtigt werden, die das Ergebnis schon vorab in ein engeres Korsett schnĂŒren. Wie am Ende dabei ein sinnvolles Ergebnis entstehen soll? Daran dĂŒrften viele zu Recht zweifeln, auch wenn eine positive Ăberraschung nicht ausgeschlossen ist.
Die Ausgangslage: Zu viele Ziele, ein Gesetz
Das GebÀudeenergiegesetz sollte eigentlich Ordnung in die WÀrmewende bringen. Stattdessen hat es vor allem eines geschafft: Verunsicherung. Hausbesitzer zögern, Investitionen werden aufgeschoben, und selbst Fachbetriebe wissen oft nicht, worauf sie sich einstellen sollen. Die geplante Reform soll diesen Knoten lösen. Doch schon die Ausgangslage ist schwierig.
Auf der einen Seite steht der politische Anspruch, die Klimaziele im GebĂ€udesektor endlich einzuhalten. Auf der anderen Seite gibt es Millionen individuelle Entscheidungen in Eigenheimen, die sich nicht per Gesetz verordnen lassen. Genau dieser Spagat macht das Gesetz so anfĂ€llig fĂŒr Reibung  und jede Reform gleich mit. Es ist schlichtweg unmöglich jeden Individualfall angemessen in Richtlinien zu ĂŒbersetzen. Schon gar nicht, wenn dabei gegensĂ€tzliche Positionen aufeinandertreffen, fĂŒr die sich nur schwer ein Mittelweg finden lĂ€sst.
Der Kernkonflikt: Abschaffen oder festhalten?
Bis Ende Januar möchte die Koalition neue Eckpunkte fĂŒr das Gesetz festgelegt haben. Bis Ende Februar soll die neue Novelle stehen. Im Zentrum der Debatte steht die berĂŒhmte 65-Prozent-Regel fĂŒr erneuerbare Energien bei neuen Heizungen. FĂŒr die einen ist sie das HerzstĂŒck des Klimaschutzes, fĂŒr die anderen ein faktischer Zwang, der an der RealitĂ€t vieler GebĂ€ude vorbeigeht. Die Koalition versucht, beides gleichzeitig zu versprechen: weniger Zwang und dennoch ambitionierten Klimaschutz. Das Problem dabei ist offensichtlich. Wenn du zwei gegensĂ€tzliche Ziele gleichzeitig erreichen willst, bleibt am Ende oft nur ein Kompromiss, der niemanden wirklich ĂŒberzeugt.
Der Kompromiss als Bremsklotz
Bundeswirtschaftsministerin Reiche ist âoptimistischâ, zeitnah eine Lösung zu finden. Es gehe aber um Kompromisse, die lange halten sollten. Genau hier liegt der strukturelle Fehler der Reform. Statt klarer Leitplanken zeichnet sich ab, dass die Lösung ĂŒber immer neue Ausnahmen, Zusatzoptionen und alternative ErfĂŒllungswege fĂŒhren soll. EnergieeffizienzmaĂnahmen, Kombinationen verschiedener Technologien, Ăbergangsmodelle: alles darf zĂ€hlen, solange das politische Gleichgewicht gewahrt bleibt. Das klingt flexibel, erzeugt in der Praxis aber neue Unsicherheit. Denn je komplizierter die Regeln werden, desto schwerer wird es fĂŒr dich, eine verlĂ€ssliche Investitionsentscheidung zu treffen. Was heute noch gilt, kann morgen schon anders ausgelegt werden.
Warum Europa die eigentlichen Grenzen setzt
Ein zentraler Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Das Heizungsgesetz ist lĂ€ngst kein rein deutsches Projekt mehr. GroĂe Teile des GebĂ€udeenergiegesetzes setzen verbindliche EU-Vorgaben um, die Deutschland nicht einfach ignorieren oder zurĂŒcknehmen kann. Entscheidend ist dabei die EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von GebĂ€uden (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD). Diese wurde bereits im Dezember 2021 von der EuropĂ€ischen Kommission vorgelegt, trat im Mai 2024 in Kraft und muss spĂ€testens bis 2026 in nationales Recht ĂŒberfĂŒhrt werden.
Darin ist unter anderem festgelegt, dass Ăl- und Gasheizungen EU-weit ab 2040 auslaufen sollen. Also sogar frĂŒher, als es das deutsche Gesetz ursprĂŒnglich vorsah. Selbst wenn eine neue Bundesregierung das GEG politisch entschĂ€rfen wollte, mĂŒsste sie diese europĂ€ischen Mindestvorgaben weiterhin erfĂŒllen. Genau hier liegt der Kern des Problems: Nationale Reformen bewegen sich nur noch innerhalb eines engen europĂ€ischen Rahmens. Wer eine vollstĂ€ndige RĂŒcknahme verspricht, ignoriert entweder bewusst diese RealitĂ€t oder verschweigt sie. Welche Regeln auch immer in die finale Fassung einflieĂen, sie sollten nicht die Illusion erwecken, dass nun jede Heizvariante weiterhin uneingeschrĂ€nkt möglich ist. Noch sollten sie die Unsicherheiten verschĂ€rfen, die heute schon viele Investitionen hemmen.
Warum Verunsicherung das eigentliche Problem bleibt
Politik unterschĂ€tzt oft, wie stark Unsicherheit wirkt. Wenn Regeln stĂ€ndig angepasst, relativiert oder neu verhandelt werden, entsteht kein Vertrauen. Genau dieses Vertrauen brĂ€uchte es aber, damit Hausbesitzer bereit sind, hohe Summen in neue Heizsysteme zu stecken. Selbst groĂzĂŒgige Förderprogramme können diesen Effekt nur begrenzt ausgleichen. Denn Förderung ersetzt keine Planungssicherheit. Wenn unklar ist, ob Anforderungen morgen verschĂ€rft oder wieder gelockert werden, bleibt Abwarten die logische Reaktion. Insbesondere da selbst die bestehende Förderung nicht mehr als gesichert gilt, abhĂ€ngig von den Entscheidungen, die zur Heizungsreform getroffen werden.
Ein Gesetz ohne klare Richtung
Am Ende lĂ€uft alles auf eine ernĂŒchternde Erkenntnis hinaus: Die geplante Reform scheitert nicht nur an Details, sondern an ihrer inneren Logik. Sie soll beruhigen, ohne sich festzulegen. Sie soll lenken, ohne zu verpflichten. Und sie soll Klimaziele sichern, ohne Konflikte auszutragen. Das Ergebnis ist ein Gesetz, das viel erklĂ€ren muss, aber wenig Orientierung bietet. FĂŒr dich als EigentĂŒmer bleibt damit vor allem eines unerfĂŒllt: die Hoffnung, dass aus dem politischen Kompromiss irgendwann echte Klarheit entsteht. Denn genau daran fehlt es dieser Reform von Beginn an. Anstatt ein Problem zu lösen, das zu Zeiten der Vorregierung verursacht wurde, hat die amtierende Regierung den Schwebezustand der Unklarheiten erfolgreich ĂŒber viele weitere Monate gestreckt.
