KOMMENTAR

Genug! So verhindert Europa, dass uns Amerika den Saft abdreht

5 Minuten
Donald Trumps unberechenbarer Kurs zeigt Europas größte Schwäche: Die totale Abhängigkeit von US-Technik. Erfahre hier, warum die digitale Verbindung in die USA zum Risiko geworden ist und wie wir uns jetzt aus der Macht der großen Tech-Konzerne befreien wollen.
Ein Handy, auf dem WhatsApp eine Fehlermeldung anzeigt, weil der Dienst nicht verfügbar ist.
Stemmt sich die EU jetzt wirklich gegen die USA und nabelt sich digital ab?Bildquelle: inside digitial

Stell dir für einen Moment vor, die Freundschaft über den Atlantik hinweg wäre eine felsenfeste Konstante. Ein schöner Gedanke, aber leider falsch. In Washington ordnet Donald Trump die Weltpolitik nach Lust und Laune neu, oft per Social-Media-Post. Europa wirkt dabei oft machtlos und starrt wie gebannt auf die USA. Wir haben uns in eine digitale Abhängigkeit manövriert, die uns jetzt gefährlich werden kann.

Ändert sich das jetzt? Zumindest berichtet das Wall Street Journal lesenswert, dass in der EU jetzt eine enorme Betriebsamkeit herrscht, um endlich unabhängiger zu werden.

Das Silicon Valley gehorcht Trump

Es ist ein seltsames Schauspiel: Auf der einen Seite stehen die US-Tech-Riesen aus dem Silicon Valley, die sich sofort dem Weißen Haus beugen, wenn der Wind sich dreht. Sie suchen die Nähe zu einem Mann, dessen Entscheidungen kaum vorhersehbar sind. Und wir? Wir in Europa hoffen inständig, dass der Stecker, an dem unsere gesamte Verwaltung, die Wirtschaft und unser Privatleben hängen, nicht zum Spielball einer Laune wird. Wir sind faktisch nur ein einziges Dekret des US-Präsidenten von einer Katastrophe entfernt.

Dieses Verhalten der Konzerne zeigt deutlich: Wenn es hart auf hart kommt, zählt nicht der Datenschutz bei uns vor Ort, sondern der Aktienkurs in New York und der Frieden mit der US-Regierung. Unsere Abhängigkeit von Microsoft, Google und Apple ist kein Komfort mehr – sie ist ein Risiko. Es ist Zeit, die digitale Nabelschnur zu kappen, bevor uns jemand den Saft abdreht. Europa muss endlich lernen, technologisch auf eigenen Beinen zu stehen.

In dieser Analyse schauen wir uns an, wo die Gefahren liegen – von rechtlichen Problemen bis zur Übermacht am Markt. Wir zeigen, warum manche Angebote der US-Firmen nur Schein-Lösungen sind und wie Europa das Fundament für echte digitale Freiheit legt.

Das Kernproblem: Wir hängen am Tropf

Die Abhängigkeit von US-Technik ist keine abstrakte Sorge, sondern eine reale Gefahr für uns. Ein Blick auf die Zahlen ist erschreckend: Über 80 Prozent unserer digitalen Produkte kommen von außerhalb der EU. Bei Cloud-Diensten – also dem Speichern von Daten im Netz – kontrollieren US-Anbieter sogar 83 Prozent des Marktes. Das bremst Firmen bei uns aus und macht uns erpressbar.

Dazu kommt ein rechtlicher Streit: Unser europäischer Datenschutz (DSGVO) passt nicht zum US-Gesetz namens „CLOUD Act“. Dieses zwingt US-Firmen dazu, Daten herauszugeben – egal, wo auf der Welt sie gespeichert sind. Da helfen auch Verträge mit Kunden wenig, US-Recht geht vor. Wie ernst es ist, zeigte sich Mitte 2025: Ein Top-Anwalt von Microsoft konnte vor dem französischen Senat nicht garantieren, dass Daten ohne Zustimmung an US-Behörden fließen.

Die Angst vor einem „digitalen Ausschalter“ durch Washington ist kein Film-Szenario mehr. Ein einfacher Befehl könnte uns morgen handlungsunfähig machen.

Die US-Antwort: Souveränität als Marketing-Gag?

Um die EU zu beruhigen, bieten Microsoft, Amazon und Google nun „souveräne“ Lösungen an. Das bedeutet: Deine Daten liegen zwar auf ihren Servern, aber diese stehen immerhin in Europa. Auf diese Weise probieren es beispielsweise Google in München und Amazon in Brandenburg. Doch Vorsicht: Das ist oft mehr Schein als Sein. Kritiker nennen es „Sovereignty-Washing“.

Zwar gibt es technische Kontrollen und lokale Partner (wie Delos Cloud in Deutschland), aber am US-Recht ändert das erst einmal nichts. Am Ende sind diese Angebote oft nur taktische Manöver, um Kunden zu behalten, ohne die echte Kontrolle abzugeben. Europa muss sich entscheiden: Wollen wir Abhängigkeit mit neuem Aufkleber oder echte Alternativen?

Europas Aufbruch: Der Weg zum „Eurostack“

Europa wartet nicht mehr länger ab. Der Wille zur Unabhängigkeit ist da: Anfang 2026 forderte das EU-Parlament deutlich mehr technologische Eigenständigkeit. Der Trend heißt: „Kauf europäisch“.

Um technologisch wieder mitzuspielen, plant die EU für Anfang 2026 den „Cloud and AI Development Act“ (CADA). Während alte Gesetze oft nur sagten, was Künstliche Intelligenz (KI) nicht darf, soll der CADA aktiv fördern. Das Ziel: Der Aufbau großer europäischer Rechenzentren. Wir brauchen eigene Power unter EU-Kontrolle, damit wir unsere KI-Modelle nicht mehr auf US-Servern trainieren müssen. Das ist das Rückgrat für einen eigenen europäischen Technik-Standard, den „Eurostack“.

Infografik zeigt, wie s ich die EU digital unabhängig von den USA machen will.
Der Cloud and AI Development Act (CADA) kurz erklärt.

Aber: Was nützt die Förderung lokaler Firmen, wenn diese kurz darauf von US-Giganten geschluckt werden? Die Übernahme des niederländischen Anbieters Solvinity durch Kyndryl Ende 2025 war ein Weckruf. Souveränität braucht nicht nur Aufträge, sondern auch Schutz vor Ausverkauf.

Digitalisierung im All? Hört dazu unbedingt in unseren überMORGEN-Podcast rein:

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Es gibt sie, die europäischen Lichtblicke

Gleichzeitig zeigen Open-Source-Projekte, dass es auch ohne Silicon Valley geht:

  • OpenDesk: Die vom deutschen Innenministerium vorangetriebene Alternative zu Microsoft 365. Sie nutzt Tools wie LibreOffice und Nextcloud und wird bereits erfolgreich eingesetzt – sogar beim Internationalen Strafgerichtshof.
  • Nextcloud: Diese Plattform beweist täglich bei Behörden in ganz Europa, dass sicheres Arbeiten in der eigenen Infrastruktur möglich ist.

Das Ziel ist eine Industriepolitik auf drei Säulen: Europäische Produkte bevorzugen, private Investitionen fördern und gezielt Geld vom Staat bereitstellen. Wir wollen uns nicht abschotten, aber wir brauchen einen stabilen Marktanteil von etwa 30 bis 40 Prozent, um nicht mehr am Tropf der USA zu hängen.

Fazit: Handeln statt Hoffen

Die Zeit der Naivität gegenüber der Technik-Weltmacht USA ist vorbei. Wer glaubt, unsere digitale Welt sei bei einem Partner sicher, der heute so und morgen so entscheidet, ignoriert die Realität. Trumps Kurs zeigt unmissverständlich: Verlässlichkeit ist in Washington derzeit kaum noch etwas wert.

Wenn die USA bereit sind, langjährige Partner für einen schnellen Deal zu opfern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch unsere Daten zum Verhandlungschip werden. Wer sich heute noch freiwillig in diese Abhängigkeit begibt, darf sich morgen nicht wundern, wenn er die Zeche zahlt.

Eines ist klar: Digitale Unabhängigkeit ist kein Thema nur für IT-Experten, sondern eine Überlebensfrage für unseren Kontinent. Der Weg dorthin wird Geld kosten und Mut erfordern, aber er ist alternativlos.

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