Warum deine Miete um bis zu 400 Euro pro Monat steigen wird

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Ein geplanter politischer Beschluss könnte deine monatlichen Fixkosten bald spürbar verändern. Während viele auf eine Entlastung am Wohnungsmarkt hoffen, braut sich im Heizungskeller eine neue finanzielle Herausforderung zusammen. Vor allem Mietern drohe hohe Mehrkosten.
Euroschein mit Hausbutton darüber, Sinnbild für Miete
Warum deine Miete um bis zu 400 Euro pro Monat steigen wirdBildquelle: Marek Studzinski/Unsplash

Wer zur Miete wohnt, hat kaum einen Einfluss darauf, welches Heizsystem der Vermieter im Heizungskeller stehen hat oder welches Einzug darin halten wird. Die aktuellen Pläne zum Gebäudemodernisierungsgesetz aus dem Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche sehen vor, alte Vorgaben aufzuheben. Künftig dürfen wieder fossil betriebene Heizungen installiert werden. Was auf den ersten Blick wie eine willkommene Flexibilisierung für Eigentümer wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als schleichender Kostentreiber. Die Integration einer sogenannten Biotreppe zwingt Betreiber neuer Anlagen dazu, sukzessive teure grüne Gase beizumischen. Da Biomethan und grüner Wasserstoff rar sind, steigen die Betriebskosten unweigerlich an. Eine aktuelle Kurzstudie des Instituts Fraunhofer ISI im Auftrag des BUND rechnet diese Entwicklung nun schonungslos vor.

Die Mathematik hinter der Kostenfalle

Die nackten Zahlen der Fraunhofer Studie zeichnen ein klares Bild. Mieter in einer siebzig Quadratmeter großen Wohnung zahlen über einen Zeitraum von neunzehn Jahren rund 18.600 Euro mehr, wenn der Vermieter eine neue Gasheizung statt einer Wärmepumpe einbaut. Teilst du diesen Betrag durch die Monate über 19 Jahre, landest du bei einem durchschnittlichen Aufschlag von knapp 81 Euro.

Dieser Durchschnittswert verschleiert jedoch die tatsächliche Dynamik, die vor allem zukünftig noch deutlich düsterer erscheint. Die Kosten explodieren nicht sofort, sondern schleichen sich über die Jahre ein. Der Grund dafür ist die gesetzlich geplante Quote für erneuerbare Gase. Im Jahr 2029 müssen 10 Prozent beigemischt werden, 2035 bereits 30 Prozent und 2045 schließlich 100 Prozent. Da diese Brennstoffe primär in der Industrie gebraucht werden, treibt die hohe Nachfrage den Preis für private Haushalte kontinuierlich nach oben.

Briefumschlag mit Aufschrift Mieterhöhung
Mieten steigen um 81 Euro pro Monat – Das sind die Gründe Image source: VRD/Adobe Stock

Der schleichende Anstieg für Mieter in der Praxis

Betrachten wir die zeitliche Entwicklung der Mehrkosten im Detail. In etwa fünf Jahren schlägt die erste Stufe der Quote zu Buche, was gepaart mit dem steigenden CO2 Preis zu einer monatlichen Mehrbelastung von schätzungsweise 30 Euro gegenüber der strombetriebenen Alternative führt. Das mag noch ein moderater Anstieg sein, den Mieter dabei verkraften müssen. Leider bleibt die Quote nicht lange auf diesem Niveau. In zehn Jahren, also um 2036, greift die dreißigprozentige Beimischungsquote. Hier klettert der Unterschied auf rund 70 Euro im Monat.

Richtig schmerzhaft wird die Lücke auf der Abrechnung nach fünfzehn Jahren. Um das Jahr 2041 herum greift bereits die strenge Vorgabe von sechzig Prozent. Das bedeutet konkret, dass deutlich mehr als die Hälfte des verbrannten Gases aus knappem und entsprechend teurem Biomethan bestehen muss. Die monatlichen Mehrkosten im Vergleich zur Wärmepumpe verdoppeln sich in dieser Phase nahezu und springen auf rund 150 Euro an.

Nach neunzehn Jahren erreichst du im Jahr 2045 schließlich das gesetzliche Endstadium von einhundert Prozent. Erst dann erreichst du das absolute Maximum und liegst bei jener markanten monatlichen Differenz von über 270 Euro, da die Gasrechnung auf 454 Euro eskaliert, während die Stromkosten für die Wärmepumpe sich bei verhältnismäßig moderaten 181 Euro einpendeln.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis: So teuer wird es im Haus

Betrachten wir die zeitliche Entwicklung der Mehrkosten an einem realen Beispiel, das du so vielleicht ähnlich kennst. Vor unserem Hauskauf im Jahr 2024 haben wir in einem gemieteten Haus mit einer klassischen Gastherme gewohnt. Unser jährlicher Verbrauch lag dort bei recht sparsamen 9.600 Kilowattstunden. Ich habe die prognostizierten Preissteigerungen durch die neue Biotreppe kürzlich für genau dieses alte Szenario durchgerechnet. Einfach, weil es mich interessiert hat, wie viel Unterschied es zu unseren heutigen Bedingungen gemacht hätte. Bei einem realistischen Mischpreis von rund 25 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2045, getrieben durch teures Biomethan und unweigerlich steigende CO2-Preise, klettern allein die reinen Verbrauchskosten auf über zweihundert Euro monatlich. Zusammen mit den Grundgebühren läge unsere Belastung drastisch höher als in der Vergangenheit.

Wärmepumpe in Eigennutzung - Fazit nach drei Monaten
Nie war ich erleichterter schon Wärmepumpen-Besitzer zu sein als bei dieser Gesetzesänderung Image source: Lisa-Marie Karzick/inside digital

Noch extremer fällt diese Rechnung für ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus, das oft gut 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr benötigt. Hier explodieren die reinen Verbrauchskosten im selben Zeitraum auf weit über 400 Euro im Monat. Ich bin heute persönlich enorm froh, nicht mehr in diesem alten Mietverhältnis zu stecken. Unsere Entscheidung für die eigene Wärmepumpe fühlt sich angesichts dieser Prognosen richtiger an denn je. Selbst wenn die Strompreise künftig anziehen sollten, kommen wir mit der ergänzenden Photovoltaikanlage auf dem Dach langfristig deutlich besser weg. Diese Unabhängigkeit schützt uns effektiv vor der tickenden Preisbombe am Gasmarkt. Mir ist jedoch völlig klar: Nicht jeder kann ein Haus kaufen und mal eben auf eine Wärmepumpe umsteigen. Die Personen, die es also am stärksten trifft, sind unweigerlich die Mieter, die das nicht beeinflussen können. Du suchst nach einer eigenen Wärmepumpe? Dann könnte die smarte Steuerung von vamo für dich interessant sein.

Warum die Stromalternative langfristig siegt

Oft wird argumentiert, dass auch die Strompreise künftig unkalkulierbar bleiben. Das Institut Fraunhofer ISI hat dafür drei verschiedene Preisszenarien modelliert. Das Ergebnis ist eindeutig. Selbst bei einem Szenario mit hohen Strompreisen und vergleichsweise günstigen Kosten für Erdgas und Biomethan gewinnt die Wärmepumpe den Langzeitvergleich. Das liegt am hohen Wirkungsgrad der Technologie. Aus einer Kilowattstunde Strom generiert das System ein Vielfaches an Heizenergie, während bei der Verbrennung von Gas stets physikalische Verluste auftreten.

Für Eigenheimbesitzer mit einem durchschnittlichen Einfamilienhaus fallen die Gesamtkosten sogar noch drastischer aus. Hier prognostiziert die Untersuchung eine Zusatzbelastung von über 23.700 Euro über den gleichen Betrachtungszeitraum. Eigentümer haben jedoch den entscheidenden Vorteil, die Technik selbst wählen zu können. Sie können die anfänglich höheren Investitionskosten einer Anlage gegen die langfristigen Betriebskosteneinsparungen abwägen. Wer zur Miete wohnt, muss die Entscheidung des Vermieters finanziell mittragen.

Die politische Dimension und der Mieterschutz

Diese Asymmetrie zwischen Entscheidungsgewalt und Kostenlast ruft Umweltverbände und Politiker auf den Plan. Julius Neu vom BUND stuft die Pläne als sozialen Sprengstoff ein und fordert einen strikten Heizkostendeckel für Mieter. Auch innerhalb der Regierungskoalition regt sich Widerstand. Die Grünen kritisieren die Pläne der Ministerin scharf und warnen vor unbezahlbarer Wärme.

Die SPD hat bereits signalisiert, das Gebäudemodernisierungsgesetz nur mitzutragen, wenn parallel klare Schutzmechanismen verankert werden. Justizministerin Stefanie Hubig erarbeitet derzeit entsprechende Konzepte. Ob diese Regelungen ausreichen werden, um die prognostizierte Kostenlawine abzufedern, bleibt abzuwarten. Es erfordert eine präzise gesetzliche Balance, um Investitionsanreize für Vermieter zu schaffen, ohne die Mieter über Gebühr zu belasten.

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