Verbrenner-Fake für das E-Auto kommt

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In der Debatte um die Zukunft der Mobilität bahnt sich ein überraschender Rückschritt an: Elektroautos könnten künftig gezielt künstliche Motorengeräusche nach außen abgeben dürfen – selbst wenn sie rein elektrisch fahren. Diese Entwicklung sorgt für scharfe Kritik von Lärm- und Umweltverbänden.
Rücklichter eines sportlichen Autos von Nissan, das an einer Ampel steht.

Klingen E-Autos bald wie Verbrenner?

Ursprünglich galt die Elektromobilität unter anderem auch als Hoffnungsträger für leiseren Straßenverkehr. Da Elektroautos von Natur aus deutlich leiser sind als klassische Verbrenner, führte das zu weniger Lärm in Städten und auf Landstraßen. Deutlich zu hören ist das nicht nur bei Autos, sondern auch bei Bussen. Doch genau dieser Vorteil könnte bald an Bedeutung verlieren. Hersteller wie Porsche und Mercedes-AMG werben bereits aktiv dafür, dass ihre Stromer nicht nur den vorgeschriebenen Sicherheitston abgeben, sondern emotionalere, „markante“ Klangwelten erzeugen – inklusive Motor-Sound nach Verbrenner-Vorbild.

Von Pflichtton zu Klangdesign

Seit 2019 müssen E-Autos in der EU ein sogenanntes Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) haben, das bei niedrigen Geschwindigkeiten unter 30 km/h einen Ton erzeugt. Dieser dient in erster Linie der Sicherheit: Fußgänger, vor allem Sehbehinderte oder Radfahrer, sollen herannahende Fahrzeuge akustisch besser wahrnehmen. Bei höheren Geschwindigkeiten gelten Reifen– und Straßenlärm als ausreichend.

Was jetzt neu ins Spiel kommt, sind frei gestaltbare Soundgeneratoren jenseits dieser Pflichttöne. Hinter dem Kürzel Exterior Sound Enhancement System (ESES) verbergen sich bei immer mehr E-Autos kleine Lautsprecher, die künstlichen Motorensound erzeugen – nicht nur im Innenraum, sondern auch nach außen. In Genf verhandelt derzeit die UNECE, ein internationales Normungsgremium, über entsprechende Regeländerungen. Beobachter gehen davon aus, dass eine Zulassung solcher Systeme bald formell beschlossen wird.

Kritiker warnen vor mehr Lärm

Umwelt- und Lärmschutzexperten schlagen Alarm: Der zweite große Vorteil der E-Mobilität – die Ruhe im Straßenverkehr – könnte dadurch ausgehebelt werden. Holger Siegel vom Bundesverband gegen Motorradlärm bezeichnet diese Entwicklung in der taz als Risiko für das Lärmschutzversprechen der Elektromobilität.

Ein weiterer Kritikpunkt: Bislang gibt es kaum verbindliche Regeln, wie solche Sounds klingen dürfen. Ohne klare Begrenzungen für Lautstärke oder Frequenz könnten Autobauer weitgehend frei entscheiden, was ihre Fahrzeuge akustisch abgeben dürfen – inklusive lauter, emotionaler Verbrenner-Imitationen. Das bedeutet in der Konsequenz: Statt leisere Städte könnten Verkehrsteilnehmer künftig wieder verstärkt lauten Motorensound hören.

Kommt das „Sound-On-Knöpfchen“?

Ein kleiner Erfolg der Kritiker ist allerdings, dass E-Auto-Fahrer den künstlichen Sound künftig aktiv einschalten müssen. Das soll verhindern, dass laute Geräusche automatisch und ungewollt abgespielt werden. Dennoch bleibt offen, wie diese Regel in der Praxis wirkt – und ob sie ausreicht, um Lärm-Missbrauch zu verhindern.

Bildquellen

  • Vom Spartraum zum Sprit-Schock: Große Autolüge aufgedeckt: Shutterstock.com / Everyonephoto Studio
  • Täuschung im Verkehr: Verbrenner-Fake für das E-Auto: ShutterStock.com / Petr Svoboda

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