Stromnetz am Limit: Hier dürfen keine Solaranlagen mehr ans Netz

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Der Solarboom in Deutschland bringt nicht nur zahlreiche PV-Anlagen auf die Dächer. Er stellt auch das Stromnetz und deren Betreiber vor etliche Herausforderungen. Ein erster Netzbetreiber musste nun verkünden: Dort ist der Anschluss einer PV-Anlage nicht mehr möglich.
PV-Anlage auf dem Dach eines Wohngebäudes

Stromnetz am Limit – hier dürfen keine Solaranlagen mehr ans Netz

Rein nach Zahlen zu urteilen, ist der Erfolg der PV-Anlagen in Deutschland kaum zu ignorieren. Mittlerweile sind sie bereits für rund 15 Prozent des Strommixes in Deutschland verantwortlich. Nach der Windenergie liefern sie somit den größten Anteil an erneuerbarem Strom. Doch wenngleich der Ausbau von Wind- und Solarenergie noch viel größer gedacht war, als er umgesetzt wurde, hat man das Stromnetz in Deutschland nicht früh genug auf diese Entwicklungen angepasst. An vielen Orten stoßen Netz und Betreiber bereits an Grenzen, Eingriffe in die Stromerzeugung werden immer häufiger und somit auch teurer. Während die Zahl an privaten PV-Anlagen somit weiter wächst, kommt unweigerlich der Augenblick, an dem das Netz nicht mehr ausreicht. Eben jenen Zustand hat nun ein Netzbetreiber aus Süddeutschland erreicht.

Netzbetreiber erklärt: Es können keine PV-Anlagen mehr ans Netz

Der Netzbetreiber FairNetz in der Region Reutlingen (Baden-Württemberg) musste sich nun in einer Pressemitteilung an die Bevölkerung wenden. Geschäftsführer Thorsten Jansing teilte mit, dass sie nicht länger imstande sind, neue Anlagen zur Einspeisung ins Netz zuzulassen. Wer in der Region eine neue PV-Anlage errichten möchte, könne dies daher nur noch als sogenannter Nulleinspeiser tun. Das bedeutet, man muss den komplett erzeugten Strom selbst verbrauchen oder speichern. Eine Einspeisung in das Stromnetz ist dann nicht zulässig und dementsprechend entfällt auch eine Einspeisevergütung. Allerdings betonte der Energieversorger, dass die Anlagen nachträglich für eine Einspeisung genehmigt werden können.

Rund 300 PV-Besitzer sind in der Zwischenzeit von FairNetz informiert worden und müssen ihre Anlage bislang somit ohne Einspeisung und zugleich damit ohne Förderung betreiben. Grundsätzlich dürfte keine dieser Anlagen damit unwirtschaftlich geworden sein. Allerdings hat der Wegfall dieser Förderungen dennoch einen erheblichen Einfluss auf die Amortisationszeit der Anlage. Je nach Größe der Anlage können bei der Einspeisevergütung jährlich 150 bis 500 Euro pro Jahr zusätzlich verdient werden. Bei einer 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Stromspeicher werden in Deutschland noch immer 20.000 bis 25.000 Euro fällig, trotz gesunkener Preise. Auf 20 Jahre machen somit 3.000 bis 10.000 Euro an zusätzlichen Einnahmen einen erheblichen Unterschied. Netzbetreiber FairNetz hat eine eigene Webseite eingerichtet, mit der PV-Besitzer mit ihrer Adresse prüfen können, ob sie eine PV-Anlage mit Einspeisung errichten können oder nicht. Zukünftig könnten auch weitere Regionen des Netzbetreibers von dem Anschlussstopp betroffen sein.

Balkonkraftwerke können mit Nulleinspeisung weiterhin ans Netz gehen

Für Haushalte, die in eine Mini-PV-Anlage mit Balkonkraftwerkspeichern investieren möchten, ist das somit kein Schlussstrich. Denn viele der Balkonkraftwerk-Speicher unterstützen eine Nulleinspeisung, die in den zugehörigen App-Einstellungen hinterlegt werden kann. So können Haushalte noch immer vom Solarstrom und den Vergünstigungen profitieren, ohne fürchten zu müssen, dass ihre Anlage regional nicht angeschlossen werden darf. Dank heutiger smarter Steuermöglichkeiten für Balkonkraftwerke können in Kombination mit Stromspeichern auch hier hunderte Euro im Jahr an Stromkosten eingespart werden.

Die Investitionskosten liegen mit 500 bis 2.000 Euro für Solarmodule und Stromspeicher jedoch deutlich geringer. Gerade für Menschen in der Region Reutlingen dürfte damit das Balkonkraftwerk deutlich lukrativer als eine Investition in eine große PV-Anlage geworden sein. In den kommenden Monaten könnten weitere Netzbetreiber dem Beispiel folgen und die Anschlussmöglichkeiten für große PV-Anlagen sich weiter verschlechtern. Zumal auch ein Fortbestehen der Förderung nach aktuellen Plänen der Bundeswirtschaftsministerin Reiche keineswegs als gesichert gilt.

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