Stromanbieter: Strom teilweise 1.500 Euro im Jahr teurer

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Wenn sich ein Stromkunde für einen Anbieter nicht mehr lohnt, bekommt dieser die Kündigung. Die Ersatzversorgung kostet dann aktuell mitunter 1 Euro pro Kilowattstunde und mehr. Jetzt mehren sich die Stimmen, dass das rechtswidrig sein könnte.
Stromzähler misst den Stromverbrauch in kWh
Bildquelle: Lisa-S / Shutterstock.com

Als kurz vor Weihnachten die Strompreise an der Börse so weit in die Höhe schnellten, dass Stromio und Grünwelt offenbar nicht mehr in der Lage waren, diese Preise zu zahlen und Sicherheiten zu hinterlegen, kündigten die Anbieter ihren Kunden. Dem war auch die Kündigung der Netzbetreiber an Stromio vorausgegangen. Die Folge: Die Kunden standen trotz Vertrag plötzlich ohne regulären Stromanbieter da und rutschten zu teils horrenden Preisen in die Ersatzversorgung.

Handlungsbedarf wird geprüft

Jetzt mischt sich erstmals die Politik in das Vorgehen ein. Steffi Lemke, Verbraucherschutzministerin und Grünen-Politikern kritisierte Medien gegenüber das Vorgehen. So zitiert beispielsweise das Handelsblatt Lemke mit den Worten, dass die Vertragskündigungen „teilweise in der Form völlig rechtswidrig“. Aber auch die Grundversorger kritisiert sie in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, das viele Medien zitieren. Sie halte Preise von 70 oder gar 90 Cent pro Kilowattstunde für extreme Ausschläge. Die Wahrheit ist aber, dass es Anbieter gibt, die weitaus mehr verlangen. „Auch wenn die Beschaffungskosten steigen, sind derart horrende Preiserhöhungen nicht gerechtfertigt.“

Wer heute einen Vertrag bei einem neuen Stromanbieter abschließt, muss dafür in der Regel deutlich mehr zahlen, als er mit dem ausgefallenen Anbieter vereinbart hatte. Lemke wies in diesem Zusammengang auf mögliche juristische Schritte der Betroffenen hin. Die forderte auch die Verbraucherzentralen auf, genau hinzuschauen. Als Regierung beobachte man die Entwicklung und prüfe, ob weiterer Handlungsbedarf bestehe.

„Wir werden die Bürgerinnen und Bürger nicht alleine lassen und einem generellen Preisanstieg entgegenwirken“, wird die Grünen-Politikerin zitiert. Demnach plant die Regierung, die Abgaben auf den Strompreis weiter zu senken und den Heizkostenzuschuss beim Wohngeld zu erhöhen. Auch Vermieter sollen verstärkt zur Kasse gebeten werden bei den CO2-bedingten Mehrkosten beim Heizen. Zudem fordert Lemke, dass die gesunkene EEG-Umlage an die Kunden weitergegeben wird.

Grundversorger kreieren Neukunden-Tarife mit hohen Kosten

Nach Angaben von Check24 haben Grundversorger beim Strom in 682 Fällen bereits Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Allein in diesem Jahr haben demnach schon 409 Versorger die Preise angehoben – im Durchschnitt um 68,1 Prozent. Die Erhöhungen betreffen demnach 4,3 Millionen Haushalte. Bei einem Verbrauch von 5.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 1.114 Euro pro Jahr, rechnet Check24 aus.

295 dieser Grundversorger haben neue Tarife ausschließlich für Neukunden eingeführt. Hier wurden die Strompreise um durchschnittlich 109,5 Prozent angehoben (das sind im Schnitt 1.792 Euro mehr). Diese Preise unterscheiden sich deutlich von denen der Bestandskunden. Verbraucherschützer kritisieren dieses Vorgehen. Eine Aufteilung in Neukunden und Bestandskunden widerspräche demnach dem Verständnis eines liberalen Energiemarktes.

Gleichzeitig zeigen sich leichte Entspannungen auf dem Energiemarkt. So hat der Börsenstrompreis in den vergangenen Tagen aufgrund der Gaslieferungen aus den USA nachgegeben, heißt es von Check24. Im Januar 2022 kostet eine Megawattstunde 115,14 Euro (Stand 7.1.). Noch im Dezember wurde noch ein Rekordpreis von 216,85 Euro fällig. Im Januar 2021 kostete die Megawattstunde durchschnittlich 55,15 Euro. 

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1 KOMMENTAR

  1. Thomas_aus_Marl

    Die aktuellen Strompreisanstiege für Wechselkunden sind in meinen Augen schwer erklärlich, denn die Kosten der Stromerzeugung haben sich nicht groß geändert. Der Gaspreis, auf den vieles geschoben wird, fällt doch kaum ins Gewicht, ist doch der Anteil der Gaskraftwerke gering, ja er ist in den letzten Jahren sogar noch zurückgegangen.

    Der Gesamtstrombedarf hat sich durch den Wechsel von Kunden zu den Grundversorgern auch nicht verändert, so dass der höhere Preis im großen und ganzen ein Ergebnis wilder Spekulationen an der Strombörse ist, wo jetzt die Notlage dazu genutzt wird, sich die Taschen zu füllen.

    Eines zeigt die momentane Preisentwicklung zudem überaus deutlich:
    Wind- und Solarstrom sind unschlagbar günstig geworden.

    Selbst die teuerste Variante, der Solarstrom aus der kleinen Anlage auf dem Einfamilienhaus schlägt bei einer Anlage die jetzt in Betrieb geht, gerade einmal mit 6,83 Cent pro Kilowattstunde zu Buche, und dieser Preis ist auch noch für die nächsten 20 Jahre fest!

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