Strafgebühr beim Arzt: Wo Kassenpatienten draufzahlen sollen

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Wer künftig direkt zum Facharzt geht, könnte dafür bald zur Kasse gebeten werden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant mit einem Primärversorgungssystem einen grundlegenden Umbau der Patientensteuerung in Deutschland und setzt dabei offen auf finanzielle Anreize.
100-Euro-Scheine und Medikamente
Neue Arztgebühren für KassenpatientenBildquelle: inside digital / KI-generiert / Thomas Kern

Wer in Deutschland krank wird, entscheidet bislang meist selbst, welcher Arzt der richtige ist. Doch genau das könnte sich grundlegend ändern. Ein neuer Reformplan aus dem Gesundheitsministerium sieht vor, den direkten Weg zum Facharzt finanziell unattraktiv zu machen.

Der Vorschlag der Gesundheitesministerin

Patienten sollen in Zukunft verpflichtend zunächst den Hausarzt aufsuchen. Wer diesen Weg nicht einhält, könnte eine Gebühr zahlen müssen. Wer sich daran hält, soll unter Umständen einen Bonus erhalten. Denkbar ist sogar, dass Krankenkassen einen Facharztbesuch nicht mehr erstatten, wenn keine Überweisung vorliegt.

Warken begründet den Vorstoß mit der ineffizienten Nutzung ärztlicher Ressourcen. Die vorhandene Zeit der Ärzte muss besser genutzt werden, sagte sie im Interview mit dem Handelsblatt. Zu viele Patienten suchten mit vergleichsweise leichten Beschwerden direkt Facharztpraxen oder Notaufnahmen auf und blockierten dort Kapazitäten. Ein strukturiertes System mit klaren Zugangswegen solle Wartezeiten stärker am medizinischen Bedarf ausrichten.

Finanzielle Strafen und Anreize für Kassenpatienten

Brisant ist dabei vor allem das mögliche Steuerungsinstrument. Warken schließt ausdrücklich finanzielle Konsequenzen nicht aus: eine Gebühr für Patienten, die ohne Überweisung beim Facharzt erscheinen, ein Bonus für diejenigen, die sich an den vorgesehenen Weg halten. Oder im Extremfall die Nichterstattung durch die Krankenkasse. Damit würde die freie Arztwahl zwar formal bestehen bleiben, faktisch aber an Bedingungen geknüpft sein.

Der Hausarzt würde zur verpflichtenden ersten Anlaufstelle. Wer den direkten Weg zum Spezialisten wählt, könnte finanziell benachteiligt werden. Gleichzeitig verspricht die Ministerin im Gegenzug eine Termingarantie entsprechend der medizinischen Notwendigkeit sowie eine einheitliche Termindatenbank. Überweisungen sollen elektronisch in der Patientenakte hinterlegt werden.

Finanzieller und zeitlicher Druck

Hinter dem Vorhaben steht auch massiver finanzieller Druck. Denn die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe zu. Gleichzeitig gehört das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten weltweit. Und das bei dennoch teils monatelangen Wartezeiten auf Facharzttermine. Die Ministerin betont, es soll keinen Kahlschlag bei Leistungen geben, wohl aber strukturelle Änderungen. Das Primärversorgungssystem ist dabei eines der zentralen Projekte.

Der Zeitplan ist ambitioniert. Noch in diesem Jahr wird wohl ein Gesetzentwurf vorgelegt. Spürbare Veränderungen für Patienten erwartet das Ministerium ab 2028. Die Reform ist eng mit der Digitalisierungsstrategie verknüpft, die unter anderem die elektronische Patientenakte attraktiver machen und stärker in den Versorgungsalltag integrieren soll.

Mitreden

11 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Nobby

    ich glaube unser Gesundheitssystem muß neu gestaltet werden .erster Schritt wäre Gesundheitsministerin entlassen. 2. Schritt, allen die an das sauer verdiente Geld der Bürger wollen, auch entlassen.

  2. Nutzerbild Ohno

    ich Frage mich wer dieses System so leersaugt?
    ich kenne in meinem Umfeld niemanden der gerne zum Arzt geht
    jetzt werden wir noch mehr belastet, eine Gutschrift für unsere brave bezahlerei gab es nie
    ich finde das nicht fair

  3. Nutzerbild Rita

    Der Herr Spahn sollte mal zur Kasse gebeten werden. Er hat damals Millionen für Masken in der Koronazeit verschleudert. Diese Selbstbedienung von Ministern muss verboten werden!!!

  4. Nutzerbild Sabine

    ich gehe doch nicht erst zum Hausarzt wenn ich Zahnschmerzen habe oder mein Knie das schon 2 mal operiert wurde. Sondern gleich zum richtigen Arzt

  5. Nutzerbild Walle

    Die Hausärzte sind so schon überlastet und sollen sich wieder um neue Aufgaben kümmern. dan warten wir auf die Termine beim Hausarzt paar Wochen und sitzen drei Stunden im Wartezimmer mit infektiösen Patienten nur weil wir z.B. Knochen leiden haben und zum Orthopäden müssen. Toll, wir haben dan Überweisung und Grippe auch.

  6. Nutzerbild Toni

    Das ist der größte Schwachsinn und belastet die Hausärzte und Kranke zusätzlich.

  7. Nutzerbild Sommer

    Wenn ich zum Durchgangsarzt muss weil mein Knie kaputt ist, soll ich zum Hausarzt.
    Was für ein Plödsinn.
    In Sachsen wird das Praktiziert, weiß ich von einer Freundin, da wartet man 3 Monate auf Mrt Termin nachdem man 3 Monate auf Orthopädie Termin gewartet hat.
    Klasse das dass in HH noch anders funktioniert

  8. Nutzerbild W. Rechenberg

    Das hatten wir doch schon in früheren Jahren und haben es abgeschafft weil es Unsinn war. Damit werden die Hausärzte überlastet und die Heilung der Krankheiten verzögert.
    Was soll der Blödsinn und wo ist der Spareffekt????

  9. Nutzerbild Christel Knopp

    Ich denke,das es aufhören muss,immer den Versicherten die Schuld zu geben.Und noch was,vor Jahren rannte ich 19 Monate zur HÄ,weil ich einendauernden Druck u.Krämpfe in der rechten Niere hatte.Wurde nicht ernst genommen,bis ich die HÄ zusammenstauchte.Nierenkrebs hatte ich.

  10. Nutzerbild BeBe

    Dann dürfen Berufstätige noch mehr Zeit in Arztbesuche stecken. “ Tolle“ Idee. Es gibt nun mal Erkrkankungen, z.B. orthopädischer Natur, bei denen der Allgemeinmediziner nicht der richtige Ansprechpartner ist- davon ausgehend, dass der Patient das beurteilen kann. Und die Termingarantie ist ein Witz: wenn zu wenige Fachärzte da sind, gibt es entsprechend lange Wartezeiten. Das ist die typische Denkweise unserer Politiker, die vermutlich alle Privatpatienten sein dürften oder aufgrund ihrer Position bevorzugt werden. Fern ab jeglicher Realität des “ gemeinen“ Volkes.

  11. Nutzerbild F. F.

    Unser Gesundheitssystem ist eines der teuersten und gleichzeitig eines der schlechtesten. Ganz besonders leiden Kassenpatienten an der Geldgier der Ärzte. Privatpatienten können manchmal sofort zum Arzt, aber Kassenpatienten müssen bis zu 2 Jahre auf einen Termin warten. Da sind viele bereits verstorben. Nach Norbert Blüm hat es nur dumme Sprüche Klopfer als Gesundheitsminister gegeben, alle privat versichert. Sie haben die Nöte der Kassenpatienten nie am eigenen Leib zu spüren bekommen. Und außer Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen haben diese unfähigen Gesundheitspolitiker nichts zustande gebracht. Und beim Jammern über zu wenig Geld sind manche Ärzte ganz groß. Meine Hausärztin kommt abwechselnd mit einem dicken Mercedes oder Porsche SUV vor die Praxis gefahren. Da fehlt doch jeglicher Grund zum Jammern. Unsere derzeitige Gesundheitsministerin ist ebenso wie ihre Vorgänger eine echte Niete!

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