Samsung hat sich auf seinem Q1-Earnings-Call selbst in die Parade gefahren und fast niemand hat’s gemerkt. Erst teasert Manager Seong Cho die Galaxy Glasses an: smarte Brillen mit KI, neue Formfaktoren, große Vision. Dann, wenige Minuten später, warnte Memory-Chef Jaejune Kim, dass die Speicherknappheit sich 2027 noch weiter verschärfen wird. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst, trotz neuer Produktionsanlagen, die dieses Jahr ans Netz gehen.
Zwei Brillen, aber nur eine davon zählt wirklich
Samsung arbeitet intern an zwei Modellen. Die „Jinju“ kommt wohl noch 2026, ohne Display, ohne AR, dafür mit einer 12 MP Sony-Kamera, Qualcomm-Snapdragon-AR1, photochromen Gläsern und rund 50 Gramm Gewicht – irgendwo zwischen 379 und 499 Dollar. Geleakte Bilder zeigen eine Brille, die stark an die Ray-Ban Meta erinnert. Alltagstauglich, unauffällig, solide. Aber nicht das, wofür man sich morgens beim Frühstück begeistert.
Das Modell, das wirklich zählt, heißt „Haean“. Micro-LED-Display direkt in den Gläsern, echte AR-Overlays, Benachrichtigungen im Sichtfeld, alles zwischen 600 und 900 Dollar, geplant für 2027. Das ist das Produkt, auf das Samsung eigentlich hinarbeitet. „Jinju“ ist der Türöffner, „Haean“ ist die eigentliche Ansage. Und genau dieses Modell steht jetzt unter dem Schatten der eigenen Konzernwarnung. Der Widerspruch, den keiner laut ausspricht.
RAM ist bei KI-Hardware kein Detail, es ist der Kern. Mehr KI bedeutet mehr Speicherbedarf. Weniger Speicher bedeutet höhere Preise, Produktionsengpässe oder Kompromisse am Produkt selbst. Samsung weiß das besser als jeder andere, denn der Konzern ist gleichzeitig einer der weltgrößten Speicherhersteller und baut gerade ein Produkt, das auf eben diesen Speicher angewiesen ist.
Samsung sitzt also auf beiden Seiten des Problems und hat das auf demselben Call erwähnt, ohne mit der Wimper zu zucken.
Timing ist alles – und das hier ist schlechtes Timing
Apple, Google und Meta schlafen nicht. Apple Glasses sollen kommen, Google baut Android XR mit Partnern wie Warby Parker aus, Meta verfeinert die Ray-Ban-Linie seit Jahren. Der Markt wird 2027 voller und härter sein als je zuvor. Samsung muss dann mit „Haean“ liefern, einem technisch anspruchsvollen Produkt, in einem Jahr, in dem der eigene Konzern laut sagt, dass es eng wird. Clever geplant, aber schlecht getimed. Oder einfach ungewohnt ehrlich, je nachdem, wie optimistisch man Samsung gegenüber ist.
