Der Markt für Smart Glasses war lange Zeit ein Zweikampf zwischen Spielerei und Science-Fiction. Während Meta mit den Ray-Bans den Lifestyle-Fokus perfektioniert hat, fehlte oft der echte Nutzwert für den Arbeitsalltag. Rokid will genau diese Lücke jetzt schließen. Mit den „Rokid Glasses“ bringt der Hersteller ein Wearable, das sich technisch deutlich von der Konkurrenz abhebt – vor allem durch einen radikal anderen Ansatz bei der Software.
Was kann die Rokid?
Das derzeit spannendste Feature ist die Integration der KI. Während Apple und Meta ihre Nutzer fest in ihre eigenen Ökosysteme einmauern, geht Rokid den Weg der Offenheit. Die Brille unterstützt verschiedene große Sprachmodelle (LLMs), darunter ChatGPT und Googles Gemini. Man ist also nicht darauf angewiesen, was der Hersteller vorschreibt, sondern nutzt die KI, die am besten zum eigenen Workflow passt.
Die verbaute Sony-Kamera mit 12 Megapixeln dient dabei als „Auge“ für die KI. Im Gegensatz zu reinen Foto-Brillen analysiert das System den Kontext. Wer also in einem Meeting sitzt oder vor einem fremdsprachigen Dokument steht, bekommt die Lösung direkt ins Sichtfeld geliefert.
Hardware, die nicht aufträgt
Technisch ist das Ganze beachtlich kompakt verpackt. Mit 49 Gramm wiegt die Brille kaum mehr als ein klassisches Modell vom Optiker. Trotzdem stecken unter dem Magnesium-Aluminium-Rahmen ein Qualcomm-AR1-Chip und ein Micro-LED-Display, das mit 1.500 Nits hell genug ist, um auch im Berliner Mittagssonnenlicht noch Informationen anzuzeigen.
Rokid liefert Features, die im Business-Kontext tatsächlich Sinn ergeben. Ein Teleprompter-Modus blendet Notizen direkt im Sichtfeld ein, ohne dass das Gegenüber etwas davon mitbekommt. Dazu kommen Echtzeit-Transkriptionen und eine HUD-Navigation. Das macht die Brille weniger zum Spielzeug für Creator und mehr zum Werkzeug für Pendler und Profis.
Fazit: Mehr als nur ein Klon
Mit einem Preis von 699 Euro positioniert sich Rokid im Premium-Segment. Man zahlt hier für die Hardware-Tiefe und die Software-Flexibilität. Ob sich die Brille gegen die Marktmacht von Meta durchsetzen kann, wird vor allem davon abhängen, wie flüssig die KI-Modelle im Alltag tatsächlich zusammenarbeiten. Technisch gesehen ist sie zum Launch heute aber einer der spannendsten Vorstöße, die wir im Bereich Wearables seit Langem gesehen haben.
