Polar hat ein kostenloses Firmware-Update für sechs seiner aktuellen Sportuhren veröffentlicht. Version 6.0.18, vom Hersteller selbst auch als Polar OS 6 bezeichnet, verlagert hauptsächlich Funktionen von der Polar-Flow-App direkt auf die Uhr. Dazu kommen eine frei belegbare Taste, ein Ladelimit zum Schutz des Akkus und eine überarbeitete Pulsmessung.
Diese Polar-Uhren bekommen das Update
Das Update steht ab sofort für sechs Modelle aus dem Hause Polar bereit: Vantage V3, Vantage M3, Grit X2 Pro, Grit X2, Ignite 3 und Street X. Besitzer der Pacer und Pacer Pro sowie älterer Modelle gehen bisher leer aus.
Und noch etwas ist wichtig: Nicht jede Uhr bekommt alles, was Polar OS 6 theoretisch bereithalten würde. Den vollen Funktionsumfang erhalten nur die Vantage- und Grit-X2-Modelle. Bei der Ignite 3 fehlt die frei belegbare Taste, Street X und Ignite 3 bekommen mangels EKG-Sensor zudem kein EKG-Diagramm. Die nachfolgende Tabelle gibt dir einen konkreten Überblick.
| Funktion | Vantage V3, Vantage M3, Grit X2 Pro, Grit X2 | Street X | Ignite 3 |
|---|---|---|---|
| Trenddiagramme für Schlaf, Erholung, Laufindex und Gewicht | ✅ | ✅ | ✅ |
| EKG-Verlauf | ✅ | ❌ | ❌ |
| Frei belegbare Taste | ✅ | ✅ | ❌ |
| Sport-Einstellungen auf der Uhr | ✅ | ✅ | ✅ |
| Ladelimit 80 Prozent | ✅ | ✅ | ✅ |
| Neue Hintergründe für das digitale Zifferblatt | ✅ | ❌ | ✅ |
| Gewichtseingabe über Schnelleinstellungen | ✅ | ✅ | ✅ |
| Überarbeitete optische Pulsmessung | ✅ | ✅ | ✅ |
| Fix für Sensor-Fehlalarm beim Radfahren | ✅ | ✅ | ❌ |
Die Neuerungen von Polar OS 6 im Detail
Trenddiagramme direkt am Handgelenk
Bislang musstest du für Verläufe deiner Schlaf- und Erholungswerte die App öffnen. Jetzt zeigt die Uhr selbst Sieben-Tage-Diagramme für Nightly Recharge, ANS-Charge, Schlaf-Charge, Schlafdauer, nächtliche Herzfrequenz, nächtliche Herzfrequenzvariabilität (HRV) und nächtliche Atemfrequenz.
Hinzu kommen Verläufe der jeweils letzten sieben Werte für den Laufindex (in der Wochenübersicht) und dein Gewicht (in der Tagesaktivität). Uhren mit EKG-Funktion zeigen außerdem deine letzten sieben EKG-Messungen.
Im Alltag heißt das: Nach einer schlechten Nacht siehst du sofort, ob sie ein Ausreißer war oder ob deine Erholung schon seit Tagen absackt. Gerade in harten Trainingsphasen ist das ein echter Mehrwert.
Aus der Licht-Taste wird eine Custom-Taste
Die bisherige Licht-Taste oben links lässt sich jetzt in den Einstellungen der Uhren frei belegen. Ab Werk schaltet sie zwar weiterhin die Beleuchtung ein. Du kannst ihr aber eine Funktion für den Uhrzeitmodus und für jede Sportart eine eigene Funktion im Training zuweisen.
Zur Auswahl stehen etwa Runde setzen, Uhrzeit anzeigen, zu einer Trainingsansicht springen, Taschenlampe, EKG-Messung oder eine Atemübung. Triathleten können so für Schwimmen, Radfahren und Laufen jeweils eine andere Funktion festlegen. Nur auf der Ignite 3 gibt es diese Funktion nicht.
Sport-Einstellungen ohne Smartphone
Wichtige Einstellungen deiner Sportprofile änderst du jetzt direkt auf der Uhr: Trainingstöne, automatische Pause, automatische Runde, Satellitenmodus, GPS-Aufzeichnungsrate und die Belegung der Custom-Taste. Du erreichst sie über die Einstellungen im Hauptmenü, im Vorstartmodus oder während eines pausierten Trainings.
Bisher musstest du solche Änderungen in Polar Flow vornehmen und die Uhr danach synchronisieren. Jetzt passt du ein Profil notfalls noch an der Startlinie an, wenn dies notwendig sein sollte.
Ladelimit für einen langlebigeren Akku
Neu ist eine optionale Ladebegrenzung auf 80 Prozent. Lithium-Ionen-Akkus altern schneller, wenn sie lange voll geladen bleiben. Die Option hilft also vor allem, wenn deine Uhr regelmäßig über Nacht am Kabel hängt.
Der Haken: Pro Ladung hast du weniger Laufzeit, wenn du den Akku nur auf 80 Prozent lädst. Vor einem langen Wettkampf oder einer mehrtägigen Tour solltest du die Begrenzung deshalb abschalten. Du findest das neue Ladelimit unter Einstellungen > Allgemeine Einstellungen > Akku.
Frischeres Menü, neue Zifferblätter und schnellere Gewichtseingabe
Polar hat außerdem das Menü mit neuen Farben und flüssigeren Animationen aufgefrischt und teilweise neu sortiert. Einige Optionen aus dem Vorstartmodus wandern in die neuen Sport-Einstellungen, die Timer erreichst du jetzt direkt aus dem Vorstartmodus.
Für das digitale Zifferblatt gibt es zusätzliche Hintergrund-Stile, außer auf der Street X. Dein Gewicht trägst du künftig über die Schnelleinstellungen ein, die du per Wisch von oben im Uhrzeitmodus öffnest. Auf Wunsch erinnert dich die Uhr daran. Das lohnt sich, weil Polar das Gewicht für die Kalorienberechnung nutzt.
Genauere Pulsmessung und Fehlerkorrekturen
Laut Polar reduziert ein überarbeiteter Algorithmus gelegentliche Aussetzer der optischen Pulsmessung im Training, im Schlaf und im Alltag. Zudem soll die Messung bei unterschiedlichen Hauteigenschaften genauer arbeiten.
Radfahrer profitieren von einem weiteren Fix: Falsche Meldungen, die Uhr finde Trittfrequenz- und Geschwindigkeitssensoren nicht, sollen verschwinden. Das gilt nicht für die Ignite 3.
Was sich im Alltag ändert – und was nicht
Unterm Strich greifst du mit dem Update seltener zum Smartphone. Erholungstrends, Profileinstellungen und Gewicht pflegst du direkt an der Uhr, deine Lieblingsfunktion liegt auf einer Taste. Das Ladelimit ist ein kleiner, aber sinnvoller Schritt für alle, die ihre Uhr mehrere Jahre nutzen wollen.
Ein richtig großer Wurf ist das Update aber trotzdem nicht. Die Menüstruktur bleibt im Kern die alte, und die bereits 2025 angekündigte, komplett neu gebaute Flow-App lässt weiter auf sich warten. Ignite-3-Besitzer bekommen am wenigsten, Pacer-Nutzer sogar gar nichts.
So installierst du das Update
Das Update ist kostenlos. Du installierst es entweder über die Polar-Flow-App auf dem Smartphone oder über die Software FlowSync am Computer. Lade die Uhr am besten vorher auf, damit die Installation nicht abbricht.
Cool, dass Polar mit Polar OS 6 Daten dorthin bringt, wo ich sie benötige: ans Handgelenk. Die Trenddiagramme zeigen auf einen Blick, ob eine schlechte Nacht ein Ausreißer war oder ein Muster. Die frei belegbare Taste und die Sport-Einstellungen auf der Uhr sparen den lästigen Umweg übers Smartphone. Trotzdem bleibt das Update eine Evolution, keine Revolution: Die angekündigte neue Flow-App fehlt weiterhin, dabei warten viele Fans von Polar genau darauf am meisten.
