Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steckt in einer tiefen Finanzkrise. Und die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird laut Warken „immer größer“. Wer am Ende für all das zahlt, dürfte vielen Versicherten noch nicht klar sein. Gut möglich, dass es die Beitragszahler sind.
Das hat es mit der neuen Reform auf sich
Streitthema ist das sogenannte Fixum. Dabei handelt es sich um eine Pauschale, die Apotheken für jede abgegebene verschreibungspflichtige Packung bekommen. Seit 2013 liegt sie bei 8,35 Euro. Seitdem sind Mieten, Personalkosten und Energiepreise massiv gestiegen, das Honorar aber nicht. Das Ergebnis: In Deutschland schließen immer mehr Apotheken. Vor allem auf dem Land wird die Versorgung mit Medikamenten dadurch zum echten Problem.
Im Bundestag hat Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nun klargestellt, dass die Erhöhung des Fixums über eine Verordnung geregelt wird. Somit nicht über ein aufwendiges Gesetzgebungsverfahren, sondern schneller und direkter. „Wenn wir das Maßnahmenpaket im Frühjahr vorlegen, werden wir auch dazu eine Regelung vorlegen“, versprach Warken. Für Apotheken wäre das eine längst überfällige Entlastung. Für die Krankenkassen bedeutet es gleichzeitig mehr Ausgaben und damit potenziell steigende Beiträge für alle Versicherten.
Gleichzeitig kommt die Apothekenreform in die erste Lesung im Bundestag. Ziel ist es, Apotheken von Bürokratie zu entlasten und ihnen neue Kompetenzen zu geben. Zum Beispiel beim Impfen. Apotheken sollen künftig ein stärkerer Teil der medizinischen Grundversorgung werden, der sogenannten Primärversorgung. Damit würden sie nicht mehr nur Medikamente ausgeben, sondern wären aktiver in die Patientenbetreuung eingebunden.
GKV-Krise: Was kommt noch auf uns zu?
Das eigentlich große Thema der Regierungsbefragung war jedoch die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung. Warken machte kein Hehl daraus, dass das System unter Druck steht: mehr ältere Menschen, mehr Pflegebedürftige und steigende Kosten auf allen Seiten. Um die Beitragssätze stabil zu halten, plant das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein umfangreiches Sparpaket, das im Sommer dem Kabinett vorgelegt werden soll. Eine unabhängige GKV-Finanzkommission soll dafür Vorschläge erarbeiten.
Im Endeffekt soll ein neues Primärversorgungssystem entstehen, das Patienten zielgenauer in die richtige Versorgungsebene leitet, ohne dass Hausärzte zum Flaschenhals werden. Ergänzt werden soll das durch digitale Ersteinschätzungen und eine elektronische Patientenakte (ePA), die endlich praxistauglich gemacht wird.
