Lidl: Landgericht stoppt die "größte Preissenkung aller Zeiten"

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Stell dir vor, du stehst im Supermarkt und suchst nach den versprochenen Schnäppchen, doch dein Warenkorb bleibt trotz großer Ankündigungen seltsam leer. Ein bekanntes Unternehmen wollte mit einer gewaltigen Rabattwelle punkten, doch am Ende landete der Fall vor Gericht.
Lidl Supermarkt bei Nacht
Lidl - Landgericht stoppt die größte Preissenkung aller ZeitenBildquelle: Framarzo/Shutterstock

Hast du dich auch schon einmal gefragt, warum die tolle Werbung im Prospekt so gar nicht zu dem passt, was du letztlich in deiner Filiale um die Ecke vorfindest? Genau dieses Gefühl der Diskrepanz bei zahlreichen Kunden führte nun zu einem juristischen Nachspiel für den bekannten Discounter Lidl. Im Fokus des Gerichtsurteils standen das Versprechen von Transparenz und die Frage, wie weit Marketing eigentlich gehen darf, bevor es die Grenze zur Irreführung überschreitet.

Wenn der Algorithmus bei der Rabatt-Logik hakt

Die Werbetrommel rührte Lidl im Mai 2025 gewaltig und versprach nicht weniger als die größte Preissenkung der Firmengeschichte. Satte 500 Produkte sollten dauerhaft günstiger werden. Doch wer mit dem Taschenrechner durch die Gänge zog, rieb sich verwundert die Augen. Denn nicht alle Produkte waren in allen Filialen aufzufinden. Auch die vermeintlich hohe Anzahl an rabattierten Lebensmitteln steht in der Kritik. Die Verbraucherzentrale Hamburg ließ das nicht auf sich sitzen und zerrte das Unternehmen vor das Landgericht Heilbronn. Dort kam ans Licht, dass die Zahl 500 eher ein Ergebnis kreativer Buchführung als echter Kundenorientierung war.

Das Gericht stellte fest, dass die Kunden berechtigterweise erwarteten, diese 500 Schnäppchen in jedem einzelnen Markt zu finden. In der Realität waren die Preisnachlässe jedoch über das gesamte Bundesgebiet und rund 3.700 Filialen gestreut. Es ist fast so, als würde dir ein Software-Update hunderte neue Features versprechen, die du aber nur nutzen kannst, wenn du ständig zwischen verschiedenen Betriebssystemen hin- und herwechselst. Für dich als Käufer war kaum nachvollziehbar, welches Lebensmittel an deinem Standort tatsächlich im Preis gesunken war.

Lidls kreative Zählweise zur 500

Ein besonders kurioses Detail der Verhandlung betraf die Art und Weise, wie Lidl auf die magische Zahl von 500 Artikeln kam. Wenn du denkst, dass verschiedene Produkte auch verschiedene Warengruppen bedeuten, hast du die Rechnung ohne die Marketingabteilung gemacht. In der Welt des Discounters wurde bei einem Joghurt einfach jede einzelne Geschmacksrichtung als separater Posten gezählt. Erdbeere, Vanille und Kirsche mutierten so in der Statistik zu drei völlig unterschiedlichen Preissenkungen, obwohl es sich im Grunde um das identische Basisprodukt handelte.

Die Richter sahen darin eine klare Irreführung der Verbraucher. Zudem kritisierten sie, dass viele der beworbenen Produkte kurz vor der Aktion künstlich verteuert oder nur für einen minimalen Zeitraum im Preis gesenkt worden waren. Eine nachhaltige Ersparnis, wie sie die Plakate suggerierten, war für dein Portemonnaie also oft kaum spürbar.

Funkstille bei der Transparenz und teure Konsequenzen

Ein weiterer Bug im System war die fehlende Liste der betroffenen Waren. Wer sich informieren wollte, suchte vergeblich nach einer Übersicht, die klar sagt, was nun eigentlich günstiger ist. Zwar gab es eine winzige Fußnote, die auf regionale Unterschiede hinwies, doch diese war so versteckt, dass sie selbst für Adleraugen kaum wahrnehmbar war. Das Gericht verglich dies indirekt mit Kleingedrucktem, das für den Nutzer praktisch unsichtbar bleibt, aber entscheidende Einschränkungen enthält.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, darf Lidl diese spezifische Werbeaktion nicht fortsetzen. Falls sie es dennoch versuchen, droht ein saftiges Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Das Unternehmen selbst zeigt sich wenig einsichtig und betont weiterhin, dass die Preise massiv gesenkt wurden. Man warte nun die schriftliche Begründung ab, um über weitere juristische Schritte zu entscheiden. Für dich bedeutet das erst einmal: Augen auf beim nächsten vermeintlichen Super-Deal, denn nicht alles, was glänzt, ist auch wirklich ein echtes Update für dein Erspartes.

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